Grüß Gott! Danke für euren Besuch, bei dem wir uns nicht persönlich sehen können. So grüße ich mit einem täglichen Video.

Neu-Ulm, Juni 2021

 Eine schöne Sommerwoche wünscht Euer Ernst

17.6.

Theodor Fontane ZUM NEUEN JAHR

Vorgetragen von Ilse Schreiber

passt auch für jeden neuen Tag

Und wieder hier draußen…

Und wieder hier draußen ein neues Jahr –
Was werden die Tage bringen?!
Wird’s werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Wird’s fördern das, worauf ich gebaut,
Oder vollends es verderben?
Gleichviel, was es im Kessel braut,
Nur wünsch‘ ich nicht zu sterben.

Ich möchte noch wieder im Vaterland
Die Gläser klingen lassen
Und wieder noch des Freundes Hand
Im Einverständnis fassen.

Ich möchte noch wirken und schaffen und tun
Und atmen eine Weile,
Denn um im Grabe auszuruhn,
Hat’s nimmer Not noch Eile.

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rücklässt einen leuchtenden Funken
Und nicht vergeht wie die Flamm‘ im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

16.6.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Von Theodor Fontane

Auf der Blumenwiese vorgetragen von Ilse Schreiber

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.

Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

15.6.

Archibald Douglas ist eine Ballade von Theodor Fontane aus dem Jahr 1854, hier großartig vorgetragen von Ilse Schreiber.  Sie schildert die unauslöschliche, zu jedem Opfer bereite Liebe des verbannten Titelhelden zu seiner schottischen Heimat, die schließlich auch seinen König versöhnt.

Die Ballade beginnt mit einem Selbstgespräch Archibalds:

Ich hab‘ es getragen sieben Jahr,
und ich kann es nicht tragen mehr,
wo immer die Welt am schönsten war,
da war sie öd‘ und leer.

Der gealterte Douglas kann seine Verbannung aus Schottland nicht länger ertragen. Trotz der ihm bei Rückkehr drohenden Todesstrafe wagt er sich im Pilgerkleid in die Heimat und trifft seinen König Jakob auf der Jagd. Er beteuert seine Unschuld an dem, „was meine Brüder Dir angethan“, und erinnert den König an dessen Kinderzeit,

Wo ich Dich fischen und jagen froh
Und schwimmen und springen gelehrt.

Der König erschlägt ihn zwar nicht, will ihn aber auch nicht anhören:

Ich seh’ Dich nicht, ich höre Dich nicht,
Das ist Alles, was ich kann,
Ein Douglas vor meinem Angesicht
Wär’ ein verlorener Mann.

Mit diesen Worten treibt der König sein Pferd bergan. Graf Douglas hält Schritt und fleht, ihn lieber zu töten als ihm die Rückkehr zu verweigern. Endlich hält der König inne, springt ab und nimmt den Grafen wieder als Seneschall in seinen Dienst:

Der ist in tiefster Seele treu,
Wer die Heimath liebt, wie Du.

Am 3. Dezember 1854 trug Fontane die Ballade unter dem Titel Der Verbannte beim Stiftungsfest des Tunnels über der Spree in „Arnims Hotel“ (Unter den Linden 44) in Anwesenheit von Theodor Storm unter großem Jubel zum ersten Mal vor. Fontane erinnerte sich daran in Von Zwanzig bis Dreißig wie folgt: „Ich gehörte dem Tunnel unausgesetzt ein Jahrzehnt lang an und war während dieser Zeit, neben Scherenberg, Hesekiel und Heinrich Smidt, das wohl am meisten beisteuernde Mitglied des Vereins. Die große Mehrzahl meiner aus der preußischen, aber mehr noch aus der englisch-schottischen Geschichte genommenen Balladen entstammt jener Zeit, und manche glückliche Stunde knüpft sich daran. Die glücklichste war, als ich …meinen »Archibald Douglas« vortragen durfte. Der Jubel war groß.“

 

14.6.

JOHN MAYNARD von Theodor Fontane

John Maynard!
„Wer ist John Maynard?“
„John Maynard war unser Steuermann,
aushielt er, bis er das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
von Detroit fliegt sie nach Buffalo –
die Herzen aber sind frei und froh,
und die Passagiere mit Kindern und Fraun
im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
und plaudernd an John Maynard heran
tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?“
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
„Noch dreißig Minuten … Halbe Stund.“

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –
da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
„Feuer!“ war es, was da klang,
ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
am Steuer aber lagert sich´s dicht,
und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. –

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
der Kapitän nach dem Steuer späht,
er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
aber durchs Sprachrohr fragt er an:
„Noch da, John Maynard?“
„Ja, Herr. Ich bin.“

„Auf den Strand! In die Brandung!“
„Ich halte drauf hin.“
Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. – –

Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s
mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n
himmelan aus Kirchen und Kapell’n,
ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
und kein Aug‘ im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
mit Blumen schließen sie das Grab,
und mit goldner Schrift in den Marmorstein
schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
hielt er das Steuer fest in der Hand,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

13.6.

Der barmherzige Samariter

So wie an vielen andren Tagen

Jesus bei vielen Menschen stand.

Doch heut‘ hat er sich unverwandt

an seine Jünger nur gewandt,

um ihnen Folgendes zu sagen:

 

»Schaut her, denn selig sind die Augen,

die das sehen, was ihr nur seht!

So mancher Priester und Prophet,

der hier in dieser Runde steht,

wird nicht zu solchem Sehen taugen.

 

Schaut sie euch ruhig an ringsum.

Trotz dass sie sehen, seh’n sie nicht,

sie hören, doch verstehen nicht,

was Gott der Herr zu ihnen spricht

und bleiben so auf ewig dumm!«

 

Da stand ein Schriftgelehrter auf

und sprach: »Herr, wie muss ich verfahren,

um – nach dem Tod in ein paar Jahren –

das ew’ge Leben zu erfahren?«

Und Jesu Antwort war darauf:

 

»Seltsam, dass du die Frage stellst!

Was steht denn im Gesetz geschrieben?«

Der sprach: »Du sollst den Herrgott lieben,

von Herz und Seele angetrieben

und deinen Nächsten wie dich selbst.«

 

»Ja«, sagte Jesus, »das ist richtig;

du gabst dir selbst das rechte Zeichen.

So geh’ dahin – tue desgleichen!

Um ew’ges Leben zu erreichen,

ist dies Gebot besonders wichtig!«

 

Der Schriftgelehrte sah dies ein;

Doch da von Jesus er düpiert,

und so vorm Volke auch blamiert

fragte er Jesus nun pikiert:

»Wer soll denn hier mein Nächster sein?«

 

Für Jesus war die Frage leicht;

und zu der Schriftgelehrten Schmach

antwortete er gleich und sprach:

»Über dies Gleichnis denk’ mal nach,

dann hast die Lösung du erreicht;

 

›Ein Mensch ging von Jerusalem

am Tage unbeschwert und froh

den Weg hinab nach Jericho.

Doch auf der Strecke irgendwo

ward es für ihn unangenehm!

 

Es kamen Räuber ihm entgegen,

die schlugen ihn – es war ein Graus –

und raubten ihn vollständig aus

Die Schurken rissen danach aus.

Halbtot hat er nun dagelegen.

 

Des Weges kam zu diesem Ort

ein Priester, der ihn dort nach Stunden

blutend und stöhnend vorgefunden.

Er sah des armen Menschen Wunden,

blickte zur Seite und ging fort.

 

Danach kam auch noch ein Levit

– ein Landsmann dessen – noch herbei;

vernahm den stummen Hilfeschrei

und ging trotzdem an ihm vorbei,

mitleidlos und mit schnellem Schritt.

 

Zu dem Verwundeten kam später

auch noch ein Samariter hin.

Schockiert bedauerte er ihn

und konnte so nicht weiterzieh’n –

wurde darum zum Sanitäter.

 

Er reinigte nun dessen Wunden,

goss dann noch Wein und Öl hinein,

wickelte sie in Tücher ein

und hob ihn auf sein Tier allein

und schritt daneben her noch Stunden.

 

Bis eine Herberge er fand,

wo er für Geld ihn überdies

dem Wirt zur Pflege überließ.

Er sprach: ›Wenn’s mehr kostet als dies,

kriegst du’s  bei Rückkunft in die Hand.‹ «

 

Dies’ Gleichnis verstand jeder klar,

doch bat er nun den Schriftgelehrten,

diese Geschichte zu bewerten,

welcher der drei, die dort verkehrten,

der Nächste wohl gewesen war.

 

Der Frage war nicht zu entweichen,

drum hatte er hier eingelenkt:

»Der, der Barmherzigkeit geschenkt!«

Jesus sagte: »Klug, wer so denkt!

So gehe hin und tu’ desgleichen!«

 

© Arno Hildebrandt
(Aus meinem Gedichtband
„Geschichten aus dem Neuen Testament“)

 

 

12.6.

Jesu Gleichnis vom verlorenen Schaf

Nacherzählt und weitergedacht von Arno Hildebrandt

Fr, 11.6.

 

 

Vom Sinn der Gleichnisse Jesu

Von Jesu Predigten und Reden,

welche man aus der Bibel kennt,

gibt’s etliche in großer Fülle,

die er versah mit einer Hülle,

welche man üblich Gleichnis nennt

und so verständlich war’n für jeden.

Die Jünger haben ihn gefragt:

»Warum erzählst du oft den Leuten,

die wissbegierig zu dir gehen

Geschichten, die noch nie geschehen?

Manchmal musst du sie selbst noch deuten.«

Und Jesus hat darauf gesagt:

»Euch Jüngern ist es ja geschenkt,

dass ihr mich und mein Wort versteht.

Die Menschen, die so schlicht hier leben,

ist die Erleuchtung nicht gegeben,

wie es schon bei Jesaja steht!

Gut wär’ es, wenn ihr dies bedenkt.

Das ist es, was Jesaja sagt:

Ihr werdet mit den Ohren hören,

mit euren Augen alles sehen,

doch werdet ihr es nicht verstehen

und eher auf das Üble schwören.

Das hat der früher schon beklagt.

Dies fromme Volk ist so verstockt;

und es verursacht bei mir Schmerzen.

Sie hören und sie sehen zwar,

jedoch erkennen sie nicht klar

die Wahrheiten in ihrem Herzen.

Die werden blindlings abgeblockt.

Drum will durch Gleichnisse ich lehren

und zeigen, was dem Herrn gefällt,

damit die Menschen hier auf Erden

für meine Botschaft offen werden;

so kommt Verständnis auf die Welt

um Gott zu lieben und zu ehren.«

© Arno Hildebrandt

Do, 10.6.

Der Pharisäer und der Zöllner

Einst sagte Jesus zu den Leuten,

welche sich an sich selbst erfreuten

– die alle anderen verachten –

dies Gleichnis künftig zu beachten:

»Zwei Menschen haben – um zu beten –

des Tempels hohen Raum betreten.

Ganz vorn ein Pharisäer stand –

ganz hinten man den Zöllner fand.

Und jeder betete ganz leise

zu Gott, dem Herrn, auf seine Weise

und sprach in diesem Gotteshaus

voll Dank seine Gebete aus.

Es sprach der Pharisäer so:

›Herr, ich bin dankbar und sehr froh,

dass ich nicht bin wie andre Leute,

nicht so, wie diese Räubermeute.

Dank dir zähl’ ich nicht zu den schlechten

Ehebrechern und Ungerechten.

Auch von so mancher Wucherei

bin ich durch mein Bestreben frei.

Nichts Ehrloses belastet mich;

zweimal pro Woche faste ich.

Ich geb’ von allem, was ich habe

den Zehnten her als milde Gabe.

Ich bin nicht wie der Zöllner da,

den ich soeben kommen sah.‹

Dann hat er kurz sich umgewandt

zum Zöllner, welcher hinten stand.

Dieser hatte den Kopf geneigt

und seine Demut so gezeigt.

Er hat an seine Brust geschlagen;

den Blick empor wollt’ er nicht wagen.

Zum Pharisäer im Vergleich

sah er sich selbst sehr schuldenreich.

Er sprach: ›Die Sünden mein sind schwer,

schenke mir deine Gnade, Herr!‹ «

Danach hörte man kein Geräusch

bis Jesus sprach: »Ich sage euch,

gerechtfertigt ging dieser heim,

vor jenem, der sich pries allein!«

Denn wer sich selbst erhöht auf Erden,

der wird vor Gott erniedrigt werden;

und wer sich selber niedrig macht,

wird mit Erhöhung dann bedacht!

Dies Gleichnis von den Selbstgerechten

und von den sogenannten Schlechten

versteht man auch noch heute schnell,

denn es ist ewig aktuell!

© Arno Hildebrandt

(Aus meinem Buch „Geschichten aus dem

Neuen Testament“)

14.-20.6. Fontane mit Mi, 9.6.

Peter W. Plock gibt einer der „törichten Jungfrauen“ aus dem Gleichnis Jesu eine Stimme. Franziska Zerle von der Evangelischen Jugend Neu-Ulm rezitiert.

Di, 8.6.

Wie das Krokodil zu seinem Namen kam, vorgetragen von Clara

Mo, 7.6.

Einladung in die Glyptothek am Königsplatz in München mit herausragender Sammlung griechische und römischer Altertümer, begründet von dem damaligen Kronprinz Ludwig, dem späteren König Ludwig I von Bayern. Derzeit darin auch eine Sonderausstellung zu Bertel Thorvaldsen (1770 – 1844), dem dänischen Bildhauer. Sehr empfehlenswert auch das Café im Innenhof.

So, 6.6.

Albert Knapps Abendlied als Gebet gesprochen in der Toskana

Mit Fotos aus der Toskana in der Dämmerung

  1. Abend ist es! Herr, die Stunde
    ist noch wie in Emmaus,
    dass aus Deiner Jünger Munde
    jene Bitte fließen muss:
    Bleib bei uns im Erdental!
    Halt in uns Dein Abendmahl,
    und Dein Friedensgruß erfülle
    Herz um Herz mit heil’ger Stille.Hingesunken ist die Sonne –
    Deine Leuchte sinket nicht!
    Herrlichkeit und ew’ge Wonne
    sind vor Deinem Angesicht;
    Weithin schimmert Stern an Stern;
    aber Du, o Glanz des Herrn,
    überstrahlest alle Sterne
    in der weiten Himmelsferne.3. Selig, wem Du aufgegangen,
    wem Du in der armen Welt,
    wo nur eitle Lichter prangen,
    friedlich seinen Geist erhellt!
    Wenn die Tage nun entfloh’n,
    blickt er auf zu Deinem Thron,
    und auch auf den dunkeln Wegen
    strahlt ihm Gottes Heil entgegen.4. Um das Höchste will ich beten:
    Jesus, gib mir Deinen Geist!
    Ach, was hab‘ ich mehr vonnöten
    als dass Du mein Leben seist?
    Ja, dann wird es lieblich sein,
    wachend, schlafend bin ich Dein. Also mit der Schar der Frommen lass auch mich zur Ruhe kommen!

Albert Knapp

Sa, 5.6.

Ilse Schreiber rezitiert mit fröhlichen Kinderlauten im Hintergrund:

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Das ist mein Streit

Das ist mein Streit:
Sehnsuchtsgeweiht
durch alle Tage schweifen.
Dann, stark und breit,
mit tausend Wurzelstreifen
tief in das Leben greifen –
und durch das Leid
weit aus dem Leben reifen,
weit aus der Zeit!

Fr, 4.6.

„UNHEIMLICH SCHÖN – STRANGE BEAUTY“, eine Ausstellung mit Bildern von Erwin Olaf, ein Niederländer, geboren 1959, in der Hypo-Kunsthalle München. Auch montags geöffnet. Es empfiehlt sich die Online-Buchung

Do, 3.6.

Ab Fronleichnam, 3. Juni, ist das Museum wieder geöffnet. Dr. Helga Gutbrod, Leiterin des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm zeigt ein Lieblingsbild, Thuars „Blühende Obstbäume“ in der Ausstellung „Ziemlich beste Freunde: Hans Thuar und August Macke“

Bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 50 können Sie das Kunstmuseum ohne Anmeldung besuchen. Bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 ist eine Anmeldung verpflichtend.

Bitte buchen Sie – unabhängig vom Inzidenzwert – ein verlässlich für Sie reserviertes Zeitfenster unter esm-buchungen@post.neu-ulm.de. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch über den aktuellen Inzidenzwert. Diesen finden Sie auf der Seite des Landkreises Neu-Ulm: https://landkreis.neu-ulm.de/de/zahl-infizierte/aktueller-stand-gemeldete-erkrankungen-am-coronavirus.htmMi, 2.6.

Einladung ins Edwin-Scharff-Museum Neu-Ulm zur Ausstellung „Ziemlich beste Freunde: Hans Thuar und August Macke“

Ab Fronleichnam, 3. Juni, ist das Museum wieder geöffnet.

Bei einer 7TageInzidenz unter 50 können Sie das Kunstmuseum ohne Anmeldung besuchen. Bei einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 ist eine Anmeldung verpflichtend.

Bitte buchen Sie unabhängig vom Inzidenzwert ein verlässlich für Sie reserviertes Zeitfenster unter esm-buchungen@post.neu-ulm.de. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch über den aktuellen Inzidenzwert. Diesen finden Sie auf der Seite des Landkreises NeuUlm: https://landkreis.neu-ulm.de/de/zahl-infizierte/aktueller-stand-gemeldete-erkrankungen-am-coronavirus.htm

 

Di, 1.6. Nymphenburg

An Kloe

Willst, Kloe, die Ruhe du finden,
Verlasse die steinerne Stadt,
Begraben in hässliche Sünden,
Dort kennet das Wort nicht die Tat;
Hier weilet in ländlicher Stille
Des Schöpfers ursprünglicher Wille:

Hier finden die Herzen zum Herzen,
Verstellung entfernet hier sich;
Hier heilen des Duldenden Schmerzen
Hier findet der Edle sein Ich;
Die liebe Natur hat gegeben,
Was selten die Menschen erstreben:

Den Frieden der liebenden Seele,
Vertrauen der sorgvollen Brust,
Die Hoffnung der klagenden Kehle,
Dem Frohen berauschende Lust…

Von Amsel und Drossel belebet
Empfängt dich zur Liebe der Hain;
Die Seelenbeglückerin hebet
Den Busen mit wonniger Pein…

Hier, Kloe, in ländlicher Stille
Umarme die Liebe dich nur;
Hier stärke mit himmlischer Fülle
Dich zärtlich die Mutter Natur;
Sie halte mit frommem Erbarmen
Dich, Duldende, schützend in Armen.

Josef Sutner

Josef S., Dichter, geboren am 18. März 1784 in Zellbach bei Wolfratshausen, Sohn eines Klosterschmiedes und Schlossers; wurde, weil eines Fußübels wegen nicht zum väterlichen Handwerk tauglich, im Klosterseminar seiner Heimath und dann auf dem Gymnasium und Lyceum zu München gebildet. Da ihm die Mittel fehlten die Universität zu besuchen und ein Fachstudium zu absolviren, trat S. als Schreiber zu administrativen Aemtern und 1809 in provisorischer Eigenschaft in den Staatsdienst, verweilte in der Cameralpraxis im damaligen Regen-, Salzach- und Isarkreise, bis ihn endlich 1830 unter dem Finanzministerium des Grafen v. Armansperg eine definitive Anstellung erreichte, starb am 18. November 1835 zu München.

Bezug genommen wird bei Kloe auf die Geschichte von den Findelkindern Daphnis und Chloe, die ihre Kindheit bei Hirten auf Lesbos erleben, voneinander getrennt werden, wieder zueinander finden, sich lieben und schließlich ihre Eltern wiederfinden und heiraten.

Mo, 31.5.

Mit einigen Strophen aus Echnatons Sonnengesang führe ich euch ins Münchner Museum für Ägyptische Kunst

So. nach Pfingsten, 30.5.

Einladung ins Lenbachhaus München

Bevor ihr euch auf den Weg nach München macht, um die Stadt und die Museen zu genießen, bitte die aktuellen Bedingungen erkunden. Heute und in den nächsten Tagen lade ich euch in die dortigen Museen ein, heute das Lenbachhaus.

Sa, 29.5.

Ilse Schreiber trägt vor, wie wenn sie dabei gewesen wäre bei dieser wahren Begebenheit

Friedrich Schiller: Der Handschuh

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Aufthut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder,
Da öffnet sich behend,
Ein zweites Thor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor,
Wie der den Löwen erschaut,
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif,
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu
Grimmig schnurrend,
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder,
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus,
Die stürzen mit muthiger Kampfbegier
Auf das Tigerthier,
Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wird’s still,
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern die greulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leu’n
Mitten hinein.
Und zu Ritter Delorges spottender Weis’
Wendet sich Fräulein Kunigund:
„Herr Ritter, ist eure Lieb’ so heiß,
Wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf.“

Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbar’n Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehens die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück,
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
Aber mit zärtlichem Liebesblick –
Er verheißt ihm sein nahes Glück –
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
„Den Dank, Dame, begehr ich nicht,“
Und verlässt sie zur selben Stunde.

Fr, 28.5.

Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht an ein reifes Ährenfeld –
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt ’ne Rede an zu halten.

»Ich«, sprach er, »bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin’s, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin’s, der hoch vonnöten ist,
Dass euch das Federvieh nicht frisst;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär‘?«

Sanft rauschen die Ähren:
»Du wärst ein leerer Schlauch,
Wenn wir nicht wären.«

Do, 27.5.

Während Pudel Katta ihr Spielzeug „Corona“ zerlegt (möge dies ein gutes Zeichen sein),Clara und Greta mit dem Gedicht „Lauter Paradoxien“:

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur.
Als ein Wagen blitzeschnelle
langsam um die runde Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossener Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war,
saß ein blondgelockter Knabe
mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ’ne alte Schrulle,
zählte kaum erst sechzehn Jahr,
in der Hand ’ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.

Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume,
und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
wie nach Veilchen roch die Kuh.

Holder Engel, süßer Bengel,
furchtbar liebes Trampeltier.
Du hast Augen wie Sardellen,
alle Ochsen gleichen Dir.

Mi, 26.5.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen andern erwählt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

Di, 25.5.

Ich steh auf des Berges Spitze,
Und werde sentimental.
»Wenn ich ein Vöglein wäre!«
Seufz ich viel tausendmal.

Wenn ich eine Schwalbe wäre,
So flög ich zu dir, mein Kind,
Und baute mir mein Nestchen,
Wo deine Fenster sind.

Wenn ich eine Nachtigall wäre,
So flög ich zu dir, mein Kind,
Und sänge dir Nachts meine Lieder
Herab von der grünen Lind.

Wenn ich ein Gimpel wäre,
So flög ich gleich an dein Herz;
Du bist ja hold den Gimpeln,
Und heilest Gimpelschmerz.

Pfingstsonntag und -Montag, 23. und 24.5.

Aus dem Fernsehgottesdienst vom Sonntag 9. Mai:  Der Bamberger Erzbischof Schick leitet drei eindrückliche Fürbitten aus osteuropäischen Ländern ein. Es geht auch um nachhaltige Lebensführung. Die Pfingstbitte um den Heiligen Geist wird verbunden mit der Zuversicht, dass Gott hilft, das Angesicht der Erde zu erneuern (renovabis faciem terrae).

Sa, 22.5.

Ilse Schreiber rezitiert

Goethes Mailied für Friederike Brion

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch.

Und Freud‘ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb‘, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höh’n!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb‘ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud‘ und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

Fr, 21.5.

Leise zieht durch mein Gemüt

Liebliches Geläute.

Klinge, kleines Frühlingslied.

Kling hinaus ins Weite.

 Kling hinaus, bis an das Haus,

Wo die Blumen sprießen.

Wenn du eine Rose schaust,

Sag, ich lass sie grüßen.

Do, 20.5.

Heinrich Heine

In mein gar zu dunkles Leben
Strahlte einst ein süßes Bild;
Nun das süße Bild erblichen,
Bin ich gänzlich nachtumhüllt.

Wenn die Kinder sind im Dunkeln,
Wird beklommen ihr Gemüt,
Und um ihre Angst zu bannen,
Singen sie ein lautes Lied.

Ich, ein tolles Kind, ich singe
Jetzo in der Dunkelheit;
Klingt das Lied auch nicht ergötzlich,
Hats mich doch von Angst befreit.

Mi, 19.5.

Mit Bildern aus dem Botanischen Garten in München:

Blumen und Sterne von Karl Gerok

Sterne sind Blumen am Himmelsazur,
Blumen sind Sterne der irdischen Flur,
Sterne am Himmel und Blumen im Land,
Beide gesät von allmächtiger Hand.

Oft von der Blumen verwelkendem Flor
Blickt ich zu himmlischen Sternen empor,
Aber es kehrte der irdische Blick
Gern auch von Sternen zu Blumen zurück.

Drum so verehret die himmlische Macht,
Welche so Blumen, wie Sterne gemacht,
Drum so verdenket dem Sänger es nicht,
Wenn er die Blumen mit Sternen durchflicht.

Scheinen die Blumen euch dürftig und bleich:
Tausende blühen ringsum noch im Reich;
Jeglicher Frühling streut schönere aus,
Wählet und bindet euch selber den Strauß!

Di, 18.5.

Rhododendron

Vom Gebirg herab in Stufen
wächst ein Park mit Busch und Bäumen,
Vögel fröhlich in ihm rufen,
Rhododendren in ihm träumen.

Sonne Licht und Schatten spendet,
riesig ragen Eich und Buche,
wo es sich zur Lichtung wendet,
schimmern lila rote Tuche.

Näher tretend aus der Feuchte
schau aus wuchernd breiten Zweigen
mit dem magischen Geleuchte
Blüt um Blüte um dich steigen.

Kelche öffnen ihre Lippen
mit Aromen, veilchensüßen,
aus des strengen Blattwerks Rippen
frohen Sommer zu begrüßen.

Und wie purpurrote Flammen
dringt es ein in die Pupille,
schlägt es überm Strauch zusammen:
Welches Leben in der Stille!

Alfred Biehler (* 11. Februar 1863 in Heidelberg; Schauspieler und Dichter; sein Lebensweg nach 1902 ist unbekannt)

Mo, 17.5.

Heinrich Heine

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

So, 16.5.

 Ein Gruß nach Frankfurt zum Ökumenischen Kirchentag

 1.Ewig steht fest der Kirche Haus,
Türme der Erde zerfallen.
Über das Trümmerfeld nach Haus
rufen die Glocken uns allen,
laden zum Kreuze jung und alt,
rufen Mühselige mit Gewalt
heimwärts zur ewigen Stille.

2. Irdische Tempel braucht Gott nicht,
Dome, die Meister erbauen,
Schatten sind sie vor seinem Licht,
welches kein Auge kann schauen.
Aber er selbst baut sich ein Haus,
wählt sich zur Wohnung Seelen aus,
die seinem Rufe gehorchen.

3. Wir sind das Haus der Herrlichkeit,
Kirche aus lebenden Steinen,
wo unterm Kreuz uns allezeit
Taufe und Glauben vereinen.
Wo auch nur zwei zusammen flehn,
warten auf sein Vorübergehn,
kommt Jesus in ihre Mitte…

7. Lass unsern Herzen nirgends Ruh,
wo auch die Glocken erklingen,
dass wir mit deinem Volk herzu
kommen zum Beten und Singen.
Wenn dich die Welt nicht kennt noch sieht,
an deinem Volk dein Werk geschieht,
Gnade und Friede grüßt alle.

Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872) deutsch v. Otto Riethmüller

Sa, 15.5.

Vorgetragen von Ilse Schreiber

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich;
So hab‘ ich erstens den Gewinn,
Dass ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp‘ ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff‘ ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Dass ich ein ganz famoses Haus.

Fr, 14.5.

Ilse Schneider ist vor Kurzem 90 Jahre alt geworden. In ihrer Wohnung bewunderte ich die von ihr geschaffenen schönsten Töpfer- und Malarbeiten. Damit hat sie aufgehört, aber sie singt und wird dabei fröhlich.

Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu
Wenn die kleinen Babys schlafen
Drum schlaf auch du

Lalelu, vor dem Bettchen steh’n zwei Schuh‘
Und die sind genauso müde
Geh jetzt zur Ruh‘

Dann kommt auch der Sandmann
Leis‘ tritt er ins Haus
Sucht aus seinen Träumen
Dir den schönsten aus

Lalelu, vor dem Bettchen steh’n zwei Schuh‘
Und die sind genauso müde
Geh jetzt zur Ruh‘

Lalelu, nur der Mann im Mond schaut zu
Wenn die kleinen Babys schlafen
Drum schlaf auch du.

Ilse ist auch Künstlerin. Die gezeigten Werke hat sie geschaffen

Do, 13.5. Christi Himmelfahrt

Einige Bitten im GEBET FÜR EUROPA aus dem Jahre 2005 vom Mailänder Cardinal MARTINI (1927-2012) habe ich als Dank und Vertrauen formuliert und ergänzt mit dem Flehen um „Sonne und Regen zur rechten Zeit“.

Mit Flugbildern von Flügen nach ROM

Vater der Menschheit, Herr der Geschichte, du siehst auf unseren Kontinent,

dem du die Philosophen, die Gesetzgeber, die Weisen und die Wissenschaftler gesandt hast, Erforscher deiner herrlichen Schöpfung und Verkünder des Glaubens an deinen Sohn, der gestorben und auferstanden ist und zu deiner Rechten sitzt.

Sieh auf uns und die Nachbar-Völker, denen das Evangelium verkündet wurde durch Petrus und durch Paulus, durch Frauen und Männer.

Du kennst die Regionen, die getränkt sind mit dem Blut von Märtyrern, die für ihren Glauben, für die Freiheit und für ihre Mitmenschen gestorben sind.

Die Kirchen wurden und werden berührt und erschüttert durch die Stimme der Reformatoren bis heute. Du hilfst zu unterscheiden , was den Kirchen und den Seelen hilft.

Sieh auf Europas Völker, durch vielerlei Bande miteinander verbunden, aber auch getrennt durch den Hass und den Krieg.

Gib uns, dass wir uns einsetzen für ein Europa des Geistes, das nicht nur auf wirtschaftlichen Verträgen gegründet ist, sondern auf menschlichen und ewigen Werten:

Ein Europa, fähig zur Versöhnung, zwischen Völkern und Kirchen, bereit, Fremde aufzunehmen. Du kannst den Heimatlosen zur Rückkehr helfen nach den fürchterlichen Kriegen, die die Menschen zum Fliehen zwingen.

Du stärkst uns, dass wir voll Vertrauen unsere Aufgaben annehmen, das Bündnis zwischen den Völkern zu fördern, durch das allen Kontinenten zuteil werden soll die Gerechtigkeit und das Brot, die Freiheit und der Frieden.

Was wir für Europa erbitten, gibst du in deiner Menschenliebe allen deinen Kindern in allen Erdteilen.

Und wir flehen um Sonnenschein und Regen zur rechten Zeit an allen Orten. Du lässt uns nicht verbrennen und nicht verdursten.

AMEN

Mi, 12.5.

DANK

Mein Gott, Dir sag ich Dank,
Dass Du die Jugend mir bis über alle Wipfel
In Morgenrot getaucht und Klang,
Und auf des Lebens Gipfel,
Bevor der Tag geendet,
Vom Herzen unbewacht
Den falschen Glanz gewendet,
Dass ich nicht taumle ruhmgeblendet,
Da nun herein die Nacht
Dunkelt in ernster Pracht.

Joseph Freiherr von Eichendorff, 1839

Di, 11.5.

Die zwei Gesellen

Es zogen zwei rüst’ge Gesellen
Zum erstenmal von Haus,
So jubelnd recht in die hellen,
Klingenden, singenden Wellen
Des vollen Frühlings hinaus.

Die strebten nach hohen Dingen,
Die wollten, trotz Lust und Schmerz,
Was Rechts in der Welt vollbringen,
Und wem sie vorübergingen,
Dem lachten Sinnen und Herz. –

Der erste, der fand ein Liebchen,
Die Schwieger kauft’ Hof und Haus;
Der wiegte gar bald ein Bübchen,
Und sah aus heimlichem Stübchen
Behaglich ins Feld hinaus.

Dem zweiten sangen und logen
Die tausend Stimmen im Grund,
Verlockend’ Sirenen, und zogen
Ihn in der buhlenden Wogen
Farbig klingenden Schlund.

Und wie er auftaucht’ vom Schlunde,
Da war er müde und alt,
Sein Schifflein das lag im Grunde,
So still war’s rings in die Runde,
Und über die Wasser weht’s kalt.

Es singen und klingen die Wellen
Des Frühlings wohl über mir;
Und seh ich so kecke Gesellen,
Die Tränen im Auge mir schwellen –
Ach Gott, führ uns liebreich zu dir!

Mo, 10. 5.

Joseph von Eichendorff

Das Schiff der Kirche (aus dem deutschen Revolutionsjahr 1848)

Die alten Türme sah man längst schon wanken,

Was unsre Väter fromm gebaut, errungen,

Thron, Burg, Altar, es hat sie all verschlungen

Ein wilder Strom entfesselter Gedanken.

 

Der wühlt sich breit und breiter ohne Schranken,

Ein Meer, wo zornigbäumend aufgeschwungen

Die trüben Fluten Fels um Fels bezwungen,

Und alle Rettungsufer rings versanken.

 

Doch drüberhin gewölbt ein Friedensbogen,

Wohin nicht reichen die empörten Wogen,

Und unter ihm ein Schiff dahingezogen,

 

Das achtet nicht der Wasser wüstes Branden,

Das macht der Stürme Wirbeltanz zuschanden –

O Herr, da lass uns alle selig landen!

So. 9.5.

Muttertag

Sa, 8.5.

Wilhelm Busch

Gemartert

Vorgetragen von Ilse Schreiber

Ein gutes Tier
Ist das Klavier,
Still, friedlich und bescheiden,
Und muß dabei
Doch vielerlei
Erdulden und erleiden.

Der Virtuos
Stürzt darauf los
Mit hochgesträubter Mähne.
Er öffnet ihm
Voll Ungestüm
Den Leib, gleich der Hyäne.

Und rasend wild,
Das Herz erfüllt
Von mörderlicher Freude,
Durchwühlt er dann,
Soweit er kann,
Des Opfers Eingeweide.

Wie es da schrie,
Das arme Vieh,
Und unter Angstgewimmer
Bald hoch, bald tief
Um Hilfe rief
Vergess‘ ich nie und nimmer

Fr, 7.5.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Die Nachtblume

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.

Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen Räume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Ob’s Gedanken oder Träume? –

Schließ ich nun auch Herz und Mund,
Die so gern den Sternen klagen:
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.

Do, 6.5.

Joseph Freiherr von Eichendorff

Dein Bildnis wunderselig hab ich im Herzensgrund,
Das sieht so frisch und fröhlich mich an zu jeder Stund.Mein Herz still in sich singet ein altes schönes Lied,
Das in die Luft sich schwinget und zu dir eilig zieht.Dazu eine Strophe des Mailieds:Alles neu macht der Mai  macht die Seele frisch und frei,
kommt heraus, lasst das Haus,
windet einen Strauß!
Rings erglänzte Sonnenschein,
duftend prangen Flur und Hain,
Vogelsang, Hörnerklang
tönt den Wald entlang.Hermann Adam von Kamp

Mi, 5.5.

Joseph von Eichendorff

Es wandelt, was wir schauen,

Tag sinkt ins Abendrot,

Die Lust hat eignes Grauen,

Und alles hat den Tod.

 

Ins Leben schleicht das Leiden

Sich heimlich wie ein Dieb,

Wir alle müssen scheiden

Von allem, was uns lieb.

 

Was gäb es doch auf Erden,

Wer hielt‘ den Jammer aus,

Wer möcht geboren werden,

Hieltst du nicht droben Haus!

 

Du bist’s, der, was wir bauen,

Mild über uns zerbricht,

Dass wir den Himmel schauen –

Darum so klag ich nicht.

Di, 4.5.

Michael Schirmer, geboren 1606 in Leipzig, starb als Konrektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin und als „gekrönter Dichter“ am 4. Mai 1673. So ehre ich ihn heute mit zwei Strophen des Pfingstliedes. „Führ uns auf rechtem Pfad“ und „Gib uns Beständigkeit“ sind meine Bitten und mein Flehen.  Groß ist die Sehnsucht, wieder mit der großen Gemeinde singen zu dürfen. Euer Ernst

1) O Heilger Geist, kehr bei uns ein / und lass uns deine Wohnung sein,
o komm du Herzens Sonne. Du Himmelslicht, lass deinen Schein
bei uns und in uns kräftig sein / zu steter Freud und Wonne.
Sonne, Wonne, / himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten
zu dir kommen wir getreten.

3) Steh uns stets bei mit deinem Rat / und führ uns selbst auf rechtem Pfad,
die wir den Weg nicht wissen. / Gib uns Beständigkeit,
dass wir getreu dir bleiben / für und für, auch wenn wir
leiden müssen. Schaue, baue, / was zerrissen und beflissen,
dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen.

Mo, 3.5.

Luisa Neubauer von „Fridays for future“  freut sich über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dass das Klimaschutzgesetz unzureichend ist: „Und weil es so schnell übersehen wird: Die #Klimaklage ist ein kollektives Projekt, möglich gemacht durch unglaubliche Jurist:innen, durch verschiedene NGOs, Aktivist:innen & nicht zuletzt durch Klimabewegte im ganzen Land, die die Gesellschaft in Bewegung gebracht haben. Yeah.“ Sie spricht so schnell, dass man vielleicht nicht jedes Wort versteht, sich aber nur mitfreuen kann. Euer Ernst

(von mir gekürztes Video von 6 auf 3 min.)

2.5.

Wochenlied zum 4. Sonntag nach Ostern „Kantate – Singet“:

1) Lob Gott getrost mit Singen, frohlock, du christlich Schar!
Dir soll es nicht misslingen, Gott hilft dir immerdar.
Ob du gleich hier musst tragen viel Widerwärtigkeit,
noch sollst du nicht verzagen; er hilft aus allem Leid.

2) Dich hat er sich erkoren, durch sein Wort auferbaut,
mit seinem Eid geschworen, weil du ihm bist vertraut,
dass er sich lässet finden in aller Angst und Not;
er wird auch überwinden, die dich noch schmähn mit Spott.

4) Darum lass dich nicht schrecken, o du christgläubge Schar!
Gott wird dir Hilf erwecken und dein selbst nehmen wahr.
Hat er dich doch gezeichnet, gegraben in sein Händ:
dein Nam stets vor ihm leuchtet, dass er dir Hilfe send.

1.5.

Ilse Schreiber rezitiert

Josef Viktor von Scheffel

Der Ichthyosaurus

Es rauscht in den Schachtelhalmen,
verdächtig leuchtet das Meer,
da schwimmt mit Tränen im Auge
ein Ichthyosaurus daher.

Ihn jammert der Zeiten Verderbnis,
denn ein sehr bedenklicher Ton
war neuerlich eingerissen
in der Liasformation.

»Der Plesiosaurus, der alte,
er jubelt in Saus und Braus,
der Pterodaktylus selber
flog neulich betrunken nach Haus.

Der Iguanodon, der Lümmel,
wird frecher zu jeglicher Frist,
schon hat er am hellen Tage
die Ichthyosaura geküßt.

Mir ahnt eine Weltkatastrophe,
so kann es länger nicht gehn;
was soll aus dem Lias noch werden,
wenn solche Dinge geschehn?«

So klagte der Ichthyosaurus,
da ward es ihm kreidig zu Mut,
sein letzter Seufzer verhallte
im Qualmen und Zischen der Flut.

Es starb zu derselbigen Stunde
die ganze Saurierei,
sie kamen zu tief in die Kreide,
da war es natürlich vorbei.

Und der uns hat gesungen
dies petrefaktische Lied,
der fand’s als fossiles Albumblatt
auf einem Koprolith.

Fr. 30.4.

Die Blume auf dem Felsen

von Max Kalbeck

* 4. Jan. 1850Breslau; † 4. Mai 1921Wien

Es blüht eine blaue Blume
Auf steiler Felsenwand,
Sie hebt den schlanken Stengel
Aus Moos und dürrem Sand.

Leichtgaukelnd um die Blume
Ein bunter Falter schwebt,
Goldschillernde Farben spielen,
Wenn er die Flügel hebt.

Die Blume neigt das Köpfchen
Verschämt zu stillem Gruß,
Er aber raubt verwegen
Dem Kelche Kuss auf Kuss.

Du arme Blume! Schon morgen
Stirbst du im Sonnenstrahl!
Dein Falter aber umflattert
Lachende Rosen im Thal!

29.4.

Mit fünf Zitaten aus ihren Schriften ehre ich heute Katharina von Siena (* 25. März 1347 in Siena; † 29. April 1380 in Rom) an ihrem Gedenktag

Ohne Liebe kann die Seele nicht leben. Sie muss etwas lieben, sie ist aus Liebe geschaffen.

Die Liebe weint mit den Weinenden, freut sich mit den Frohen, ist glücklicher über des anderen Wohl als über das eigene.

Alles, was uns in diesem Leben gegeben ist, ist nur zum Gebrauch und als Leihgabe übergeben.

Warte nicht auf eine spätere, gelegenere Zeit, denn du bist nicht sicher, dass du sie haben wirst. Die Zeit entschwindet dir unvermerkt. Mancher hat sich noch Hoffnung auf ein längeres Leben gemacht, da kam der Tod. Darum versäumt, wer klug ist, keine Zeit und gibt die gegenwärtige Stunde, die ihm gehört, nicht unbenützt weg für eine andere, die doch nicht sein eigen ist.

Die Stunde ist kostbar. Warte nicht auf eine spätere Gelegenheit.

28.4.

Ein Besuch in der Stadt und im früheren Kloster Ochsenhausen.

27.4.

„Christ ist erstanden“-Improvisation auf der Gabler-Orgel von Ochsenhausen mit Kantor Thomas Fischer und Bilder aus dieser wunderbaren barocken Basilika

Morgen noch eine Erinnerung an den Besuch in Ochsenhausen

26.4.

Umweltsünden

Die Folgen unsrer Umweltsünden

wir täglich mehr und mehr empfinden,

worunter wir letztendlich leiden.

Doch vieles wäre zu vermeiden!

 

Würfe nicht mancher seinen Dreck

der nicht gebraucht wird, einfach weg

im Stadtgebiet, in der Natur,

gingen wir auf der richt’gen Spur.

 

Wenn ich durch unsre Straßen gehe

und dort den ganzen Abfall sehe,

Becher „to go“, Tüten und Kippen,

könnt‘ ich mir an den Kopf nur tippen.

 

So ist es auch in Wald und Flur!

In dieser herrlichen Natur,

wo die Erholung tut so gut,

liegt Abfall! – Da verspür ich Wut!

 

Deswegen richte ich hier schnell

an alle Menschen den Appell

die Umwelt so nicht zu verschmutzen!

Denkt dran: Es ist zu aller Nutzen!

© Arno Hildebrandt

25.4.

Psalm 57   Unter dem Schatten seiner Flügel

1 Ein güldenes Kleinod Davids, vorzusingen, nach der Weise »Vertilge nicht«, als er vor Saul in die Höhle floh. 2 Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. 3 Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

8 Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, dass ich singe und lobe. 9 Wach auf, meine Ehre, wach auf, Psalter und Harfe, ich will das Morgenrot wecken! 10 Herr, ich will dir danken unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten. 11 Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. 12 Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Ehre über alle Welt!

Ja, dazu will ich beitragen mit dem mich belebenden Streben: Alles zur größeren Ehre Gottes. Euer Ernst

24.4.

 Ilse Schreiber trägt vor

Ernst, Otto (1862-1926)

Nis Randers

Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd –
Ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht mans gut.
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sichs der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast
Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen.“

Da fasst ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich wills, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
Mein Uwe, mein Uwe!“

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
„Und seine Mutter?“

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muss es zerschmettern ! Nein, es blieb ganz …!
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? – Ein Boot, das landwärts hält –
Sie sind es! Sie kommen! – –

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt…
Still – ruft da nicht einer? – Er schreits durch die Hand: „Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“