Grüß Gott! Danke für euren Besuch, bei dem wir uns nicht persönlich sehen können. So grüße ich mit einem täglichen Video.

Neu-Ulm, April 2021

Gerne gebe ich die Einladung von VIVES (Virtuell verbunden Seniorinnen und Senioren) weiter. vielleicht kennt ihr die Leiterin Carmen Stadelhofer. Das besondere Angebot dort ist, dass man Schulungen für die Nutzung des Internets mitmachen kann. Ich kann nur dazu ermutigen. Hier der Link: VIVES.pdf

14.4.

Der heroische Pudel
Vorgetragen von Clara und Greta

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte: daß (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekräh der Morgenhähne
aufstand als wie ein hoher Greis –
mit einer silberweißen Mähne.

Christian Morgenstern
(1871-1914)

13.4.

Die Schildkrökröte

Vorgetragen von Greta

Ich bin nun tausend Jahre alt
und werde täglich älter;
der Gotenkönig Theobald
erzog mich im Behälter…

Ich kenne nicht des Todes Bild
und nicht des Sterbens Nöte:
Ich bin die Schild – ich bin die Schild –
ich bin die Schild – krö – kröte.

Christian Morgenstern (1871-1914)

12.4.

Getestet waren die Enkelinnen bei uns und wollten Videos machen. Sechs sind entstanden.

Im Gedenken an Prinz Philipp singen Greta und Clara die beiden letzten Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“:

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Lass uns im Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,*
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon’ uns, Gott! mit Strafen,
Und lass uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

*gesungen wird: …Schwestern, Brüder…

11.4.

Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes

1 Von David. Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: 3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, 4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, 5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. 6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden. 7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun. 8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. 9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. 10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. 11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. 12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. 13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. 14 Denn er weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind. 15 Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; 16 wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. 17 Die Gnade aber des HERRN währt von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihn fürchten, und seine Gerechtigkeit auf Kindeskind 18 bei denen, die seinen Bund halten und gedenken an seine Gebote, dass sie danach tun. 19 Der HERR hat seinen Thron im Himmel errichtet, und sein Reich herrscht über alles. 20 Lobet den HERRN, ihr seine Engel, / ihr starken Helden, die ihr sein Wort ausführt, dass man höre auf die Stimme seines Wortes! 21 Lobet den HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut! 22 Lobet den HERRN, alle seine Werke, / an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den HERRN, meine Seele!

10.4.

Den Vortrag hat wie an jedem Samstag Ilse Schreiber

Hat der alte Hexenmeister 
Sich doch einmal wegbegeben! 
Und nun sollen seine Geister 
Auch nach meinem Willen leben. 
Seine Wort‘ und Werke 
Merkt ich und den Brauch, 
Und mit Geistesstärke 
Tu ich Wunder auch.

Walle! walle 
Manche Strecke, 
Daß, zum Zwecke, 
Wasser fließe 
Und mit reichem, vollem Schwalle 
Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen! 
Nimm die schlechten Lumpenhüllen; 
Bist schon lange Knecht gewesen: 
Nun erfülle meinen Willen! 
Auf zwei Beinen stehe, 
Oben sei ein Kopf, 
Eile nun und gehe 
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle 
Manche Strecke, 
Daß, zum Zwecke, 
Wasser fließe 
Und mit reichem, vollem Schwalle 
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder, 
Wahrlich! ist schon an dem Flusse, 
Und mit Blitzesschnelle wieder 
Ist er hier mit raschem Gusse. 
Schon zum zweiten Male! 
Wie das Becken schwillt! 
Wie sich jede Schale 
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe! 
Denn wir haben 
Deiner Gaben 
Vollgemessen! – 
Ach, ich merk es! Wehe! wehe! 
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende 
Er das wird, was er gewesen. 
Ach, er läuft und bringt behende! 
Wärst du doch der alte Besen! 
Immer neue Güsse 
Bringt er schnell herein, 
Ach! und hundert Flüsse 
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger 
Kann ichs lassen; 
Will ihn fassen. 
Das ist Tücke! 
Ach! nun wird mir immer bänger! 
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle! 
Soll das ganze Haus ersaufen? 
Seh ich über jede Schwelle 
Doch schon Wasserströme laufen. 
Ein verruchter Besen, 
Der nicht hören will! 
Stock, der du gewesen, 
Steh doch wieder still!

Willsts am Ende 
Gar nicht lassen? 
Will dich fassen, 
Will dich halten 
Und das alte Holz behende 
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder! 
Wie ich mich nur auf dich werfe, 
Gleich, o Kobold, liegst du nieder; 
Krachend trifft die glatte Schärfe. 
Wahrlich! brav getroffen! 
Seht, er ist entzwei! 
Und nun kann ich hoffen, 
Und ich atme frei!

Wehe! wehe! 
Beide Teile 
Stehn in Eile 
Schon als Knechte 
Völlig fertig in die Höhe! 
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer. 
Wirds im Saal und auf den Stufen. 
Welch entsetzliches Gewässer! 
Herr und Meister! hör mich rufen! – 
Ach, da kommt der Meister! 
Herr, die Not ist groß! 
Die ich rief, die Geister 
Werd ich nun nicht los.

»In die Ecke, 
Besen! Besen! 
Seids gewesen. 
Denn als Geister 
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke, 
Erst hervor der alte Meister.«

Goethe

9.4.

Bonhoeffers Morgengebet

 

In mir ist es finster, aber bei dir ist es licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe. Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

8.4.

Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

1) Auf, auf, mein Herz,
mit Freuden nimm wahr,
was heut geschieht;
wie kommt nach großem Leiden
nun ein so großes Licht!
Mein Heiland war gelegt
da, wo man uns hinträgt,
wenn von uns unser Geist
gen Himmel ist gereist.

2) Er war ins Grab gesenket,
der Feind trieb groß Geschrei;
eh er’s vermeint und denket,
ist Christus wieder frei
und ruft „Viktoria“,
schwingt fröhlich hier und da
sein Fähnlein als ein Held,
der Feld und Mut behält.

4) Die Welt ist mir ein Lachen
mit ihrem großen Zorn;
sie zürnt und kann nichts
machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht
mein Herz und Angesicht;
das Unglück ist mein Glück,
die Nacht mein Sonnenblick.

5) Ich hang und bleib auch hangen
an Christus als ein Glied;
wo mein Haupt durch ist gangen,
da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
durch Welt, durch Sünd, durch Not,
er reißet durch die Höll;
ich bin stets sein Gesell.

7.4.

Das Karussell

Jardin du Luxembourg

Vorgetragen von Isolde Gatty

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber –

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .

Rainer Maria Rilke, Juni 1906, Paris 6.4.

Osterspaziergang aus Faust I

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

5.4.

Daniel Berndl liest Psalm 84

Freude am Hause Gottes

1 Ein Psalm der Korachiter, vorzusingen, auf der Gittit. 2 Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth! 3 Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. 4 Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott. 5 Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. Sela. 6 Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! 7 Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. 8 Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. 9 HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela. 10 Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten! 11 Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler. 12 Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; / der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. 13 HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

4.4.

Ostermorgen

Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
die ihr im Winterschlafe säumt,
in dumpfen Lüften, dumpfen Schmerzen
ein gottentfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
wie Jugendhauch, o lasst sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande,
und wie die Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
gebrochen an den Gräbern steht,
ihr trüben Augen, die vor Tränen
ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
ihr Grübler, die ihr fern verloren
traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
hier ist ein Wunder, nehmt es an!…

Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
jung wird das Alte fern und nah.
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte –
wacht auf! Der Ostertag ist da.

Emanuel Geibel * 17. Oktober 1815 in Lübeck; † 6. April 1884 in Lübeck

3.4.

Dietrich Bonhoeffer

Christen und Heiden

Vorgetragen von Ilse Schreiber

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot
um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.

 

31.3.

Paul Gerhardts 13 Passionsliedern beschreiben in vielen Strophen die Schrecken der Geißelung und Kreuzigung. Doch da besingt auch ein Liebender das Haupt des Geliebten, seine Augen, seine Wangen, seine Lippen. Er erlebt die Leiden Christi nicht nur als furchtgeschüttelter Sünder, sondern als Liebhaber. Das Lämmlein in unseren Versen ist das Lamm Gottes, wie Johannes der Täufer Jesus nennt. Auch hier wird bleibende Liebe erbeten und versprochen. Besonders poetisch wird’s, wenn der Dichter sagt, wer Christus ihm zu allen Zeiten sein wird: ein Schutz, ein Lachen, ein Wasserquell, ein Sprachgesell, also bleibendes Gegenüber und köstliche Seelennahrung. Drei Paul-Gerhardt-Lieder sind vor allem bekannt geworden: „O Haupt voll Blut und Wunden“, „O Welt, sieh hier dein Leben“ und „Ein Lämmlein geht“. Daraus jetzt drei Strophen:

1) Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder;
es geht und büßet in Geduld
die Sünden aller Sünder;
es geht dahin, wird matt und krank,
ergibt sich auf die Würgebank,
entsaget allen Freuden,
es nimmet an Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod
und spricht: »Ich will’s gern leiden.«

4) Mein Lebetage will ich dich
aus meinem Sinn nicht lassen,
dich will ich stets, gleich wie du mich,
mit Liebesarmen fassen.
Du sollst sein meines Herzens Licht,
und wenn mein Herz in Stücke bricht,
sollst du mein Herze bleiben;
ich will mich dir, mein höchster Ruhm,
hiermit zu deinem Eigentum
beständiglich verschreiben.

6) Das soll und will ich mir zunutz
zu allen Zeiten machen;
im Streite soll es sein mein Schutz,
in Traurigkeit mein Lachen,
in Fröhlichkeit mein Saitenspiel;
und wenn mir nichts mehr schmecken will,
soll mich dies Manna speisen;
im Durst soll’s sein mein Wasserquell,
in Einsamkeit mein Sprachgesell
zu Haus und auch auf Reisen.

30.3.

Die Kreuzwegstationen in St. Johann-Baptist in Neu-Ulm

Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.
Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah,
dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor;
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha,
die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu,
ja wir dienen dir von Herzen. Ja, du machst einst alles neu!

Friedrich von Bodelschwingh 1938

29.3.

Die St. Johann-Baptist-Kirche in Neu-Ulm. Ein Bilderbesuch

28.3.

  1. Als Jesus von seiner Mutter ging,
    und die große Heilige Woche anfing,
    da hatte Maria viel Herzeleid,
    sie fragte ihren Sohn mit Traurigkeit:2.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst du am heiligen Sonntag sein?““Am Sonntag werd ich ein König sein,
    da wird man mir Palmen und Kleider streun.“3.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst am heiligen Montag sein?““Am Montag bin ich ein Wandersmann,
    der nirgends ein Obdach finden kann.“4.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst du am heiligen Dienstag sein?““Am Dienstag bin ich der Welt ein Prophet,
    verkünde, wie Himmel und Erde vergeht.“5.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst du am heiligen Mittwoch sein?““Am Mittwoch bin ich gar arm und gering,
    verkauft um dreißig Silberling.“6.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst du am heiligen Donnerstag sein?““Am Donnerstag bin ich im Speisesaal
    das Opferlamm beim Abendmahl.“7.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst du am heiligen Freitag sein?““Am Freitag, liebe Mutter mein,
    ach könnte der Freitag verborgen sein!
    Am Freitag, liebe Mutter mein,
    da werd ich ans Kreuz genagelt sein!
    Drei Nägel, die gehen durch Hände und Füß.
    Verzage nicht, Mutter, das Ende ist süß!“8.
    „Ach Sohn, du liebster Jesus mein,
    was wirst du am heiligen Samstag sein?““Am Samstag bin ich ein Weizenkorn,
    das in der Erde wird neugeborn.“

26.3.

Theodor Fontane

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du.

Wagt fröhliche Frühlingsgefühle! Euer Ernst

25.3.

Frühlingsfeier
(Ludwig Uhland, 1787 bis 1862)

Süßer, goldner Frühlingstag!
Inniges Entzücken!
Wenn mir je ein Lied gelang,
sollt es heut nicht glücken?

Doch warum in dieser Zeit
an die Arbeit treten?
Frühling ist ein hohes Fest;
lasst mich ruhn und beten!

24.3.

 Ein Besuch in Illertissen. Ich erkläre das Brunnendenkmal DER FRIEDE 954 ZU TUSSA, ein alter Name, der mit „Disteln“ zusammenhängt, für die heutige 17.500-Einwohnerstadt an der Iller. Im Dämmerlicht ein Besuch im Vöhlin-Schloss. Und eine Mahnung an zerstrittene Väter und Söhne

 

23.3.

„Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ von Arno Hildebrandt, gelesen von Markus Hildebrandt Rambe

Die Zukunft – die Vergangenheit
hatten bereits seit langer Zeit
einen verbissnen Grundsatz-Streit
bezüglich ihrer Wichtigkeit.

»Ich bin schon lange auf der Welt,«
führt die Vergangenheit ins Feld.
»deswegen bin ich groß und mächtig,
meine Verdienste strahlen prächtig!
Es ist gewiss nicht übertrieben,
was man schon über mich geschrieben.
Ich habe zugefügte Wunden
und manche Fehler überwunden.
Ich bin mit dem, was einmal war,
lehrreiches Vorbild immerdar.
Zudem wachse ich täglich – stündlich!
Mein Inhalt ist schier unergründlich.
Was bei mir ist, bleibt sicherlich
auf ewig unveränderlich!«

Die Zukunft sagt: »In meinen Zeiten
gibt es aber die Möglichkeiten,
neu zu bestimmen – zu gestalten
und das, was gut ist, zu verwalten.
Du hast versagt in vielen Sachen!
Ich kann es künftig besser machen.
Du bist vom Planen nicht betroffen.
Ich steh’ für alle Menschen offen!
Ich kann ihnen die Hoffnung geben
für ein besseres Erdenleben.
Ich bringe stets die Menschen weiter
und mache sie dadurch gescheiter.
Auf mich nur kann die Menschheit bauen,
drum wird sie sich mir anvertrauen.«

Die Gegenwart war auch am Ort
und meldete sich jetzt zu Wort.
Sie sprach: »Was soll denn dieser Streit?
Ich bin die Herrscherin der Zeit!
Was jetzt ich mache, hat Gewicht;
Ohne mich gäbe es euch nicht!
Kein Rückwärts- und kein Vorwärtsgehen
könnte je ohne mich geschehen.
Alles, was kommt und was geschah,
wär’ ohne mich ja niemals da!
Was soll das zänkische Geräusch?
Ich steh’ im Zentrum – zwischen euch.
Hier sei endgültig festgestellt:
Ich bin der Mittelpunkt der Welt!«

Die große Stille kam danach.
Keiner war da, der widersprach.
Denn niemand kennt den Weg der Zeit
von Zukunft und Vergangenheit!
Wer das Vergang’ne sucht und schätzt,
forscht jederzeit im Heut‘ und Jetzt!
Die Zukunftsplanung, liebe Leute,
entsteht tagtäglich, hier und heute!
Keinem ist – trotz der Forschung – klar,
wie lang Vergangenheit denn war!
So kennt auch kein Studierter, Schlauer,
der Zeit fließende Zukunftsdauer!
Man könnte viel philosophieren. –
Doch würde uns das weiterführen?
Vergangenheit ist, was einst war
Und es wird uns allmählich klar,
dass zwecklos sind die Zukunftsfragen! –
Die Zeit wird uns zum Endziel tragen!

© Arno Hildebrandt
(Aus meinem Gedichtband »Was mir so eingefallen ist«) 

22.3.

Heute, am 22. März, ist Goethes Todestag (1832). So bringe ich mit Farben aus Weimar die Elegie „Auf Miedings Tod“ in Auszügen. Hier kommt nämlich sein berühmter Vergleich von Weimar und Bethlehem.

Im Gedenken an Gärtnermeister Eugen Weimar (14.2.1934 – 14.3.2021)

… Ja, Mieding tot! O scharret sein Gebein
Nicht undankbar wie manchen andern ein!..

O Weimar! dir fiel ein besonder Los:
Wie Bethlehem in Juda, klein und groß!
Bald wegen Geist und Witz beruft dich weit
Europens Mund, bald wegen Albernheit….

Und du, o Muse, rufe weit und laut
Den Namen aus, der heut uns still erbaut...

Und sanfter als des Lebens liege dann
Auf dir des Grabes Bürde, guter Mann!

 

 

18.3.

Auch das Lenbachhaus am Königsplatz in München lädt wieder ein. Bitte Tickets im Voraus online buchen. Die Abteilung „Der Blaue Reiter“ öffnet wieder ab 23. März, also nächsten Dienstag. Daraus  heute zwölf Lieblingsbilder. Freude an Natur und Kunst wünscht euer Ernst.

 

 

14.3.

Friedrich Gottlieb Klopstock
* 2. Juli 1724 in Quedlinburg; + 14. März 1803 in Hamburg
Der Zürchersee
 
Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
Das den grossen Gedanken
Deiner Schöpfung noch Einmal denkt…
 
Süss ist, fröhlicher Lenz, deiner Begeistrung Hauch,
Wenn die Flur dich gebiert, wenn sich dein Odem sanft
In der Jünglinge Herzen,
Und die Herzen der Mädchen giesst.
 
Ach du machst das Gefühl siegend, es steigt durch dich
Jede blühende Brust schöner, und bebender,
Lauter redet der Liebe
Nun entzauberter Mund durch dich!…
 
Aber süsser ist noch, schöner und reizender,
In dem Arme des Freunds wissen ein Freund zu seyn!
So das Leben geniessen,
Nicht unwürdig der Ewigkeit!…

 

12.3.

Cäsar Flaischlen

Hab Sonne im Herzen,
ob’s stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag!
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag!
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für Andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut lässt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und Alles wird gut!

 

11.3.

Cäsar Flaischlen . 1864-1920
Februarschnee …

Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!

Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!

 

9.3.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Schneeglöckchen, ei, bist du schon da?
Ist denn der Frühling schon so nah?
Wer lockte dich hervor ans Licht?
Trau doch dem Sonnenscheine nicht!
Wohl gut er’s eben heute meint,
Wer weiß, ob er dir morgen scheint?
„Ich warte nicht, bis alles grün;
Wenn meine Zeit ist, muss ich blühn“.

 

8.3.

Ein Gebet des Thomas habe ich mir zu eigen gemacht.

Thomas von Aquin (* 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova war ein italienischer Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen und der bedeutendste katholische Theologe der Geschichte. Er gehört zu den bedeutendsten Kirchenlehrern der römisch-katholischen Kirche.

Mit fünf Jahren wurde er als Oblate in das nahe Benediktinerkloster Montecassino geschickt, wo Sinibald, der Bruder seines Vaters, als Abt wirkte. Thomas’ Familie folgte damit der Tradition, den jüngsten Sohn der Familie in ein geistliches Amt zu geben. Von 1239 bis 1244 studierte er im Studium Generale der Universität Neapel. 1244 trat er gegen den Willen seiner Verwandten bei den Dominikanern ein, die 1215 als Bettelorden gegründet worden waren. Um Thomas dem Einfluss seiner Eltern zu entziehen, sandte der Orden ihn zunächst nach Rom und dann nach Bologna. Auf dem Weg dorthin wurde er jedoch von seinen im Auftrag der Mutter handelnden Brüdern überfallen und für mehr als ein Jahr in Schutzhaft gebracht. Thomas fest in seinem Entschluss blieb, Dominikaner zu bleiben, gab die Familie nach und ließ ihn in den Dominikanerkonvent von Neapel zurückkehren.

An der Universität Paris studierte er von 1245 bis 1248 bei Albertus Magnus, dem er dann nach Köln folgte. Von 1248 bis 1252 war er dort Assistent des Albertus. Ab 1252 war er wieder in Paris, wo er bis 1256 lehrte. Von 1256 bis 1259 lehrte er in Paris als Magister der Theologie. 1259 kehrte er nach Italien zurück und lehrte zunächst in Neapel und in Orvieto. Von 1265 bis 1268 war er Magister in Rom, wo er mit der Abfassung der Summa Theologiae begann, dann wieder in Paris und Neapel.

Der gewaltigen Menge seiner Schriften nach zu urteilen liegt es nahe, dem Zeugnis seines Hauptsekretärs zu glauben: demnach hat Thomas drei oder vier Sekretären gleichzeitig diktiert.

Thomas starb am 7. März 1274 auf der Reise zum Zweiten Konzil von Lyon im Kloster Fossanova. Er ist beerdigt in der Jakobinerkirche in Toulouse, Frankreich.

Auch im evangelischen Namenskalender hat Thomas von Aquin einen Gedenktag, den 8. März