Die Videos vom Juni 2020

1.6.

„Dies ist der Tag, den der HERR macht. Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein“ werden wir im Pfingst-Psalm 118 ermuntert und ermutigt. In jedem der Bilder, auch die ganze Woche über, wird Rotes sein, die Farbe des Feuers, die Farbe der Liebe, die Farbe…was fällt euch dabei ein? Heute das Rot aus Rothenburg ob der Tauber. Dort ist zu Pfingsten immer Festspielzeit, dies Jahr nicht. Morgen wäre Marcel Reich-Ranicki hundert geworden. Das Rot kommt dann aus Frankfurt.
2.6.

Am 2. Juni wäre Marcel Reich-Ranicki hundert Jahre alt geworden. Außen an der gotischen Dorfkirche in Detwang bei Rothenburg ob der Tauber entzünde ich eine Kerze zu seinem Gedenken und lese aus seiner Autobiografie, die mit einer wunderbaren Liebeserklärung an seine Frau Tosia endet, mit der er über 60 Jahre verheiratet war. Die Fotos zum Video entstanden in Frankfurt: Im Stadtmuseum entdeckte ich seinen Schreibtisch. Die anderen Fotos enthalten wie alle Bilder dieser Woche das Rot des Pfingstfestes.
3.6.

Mit den Fotos bleibe ich beim pfingstlichen Rot aus Rothenburg, wenn ich heute, an seinem Todestag, an Papst Johannes XXIII erinnere, den mein Vater sehr mochte. Was die beiden noch verbindet und wie der Ulmer Dekan Gohl auch zum 3. Juni gehört, seht ihr im Video.

4.6.

Ein Eugen Roth in Rothenburg: Heute kein „du solltest, du müsstest, du könntest…“, dafür mit roter Sonnenbrille und Rot aus Rothenburg ein „Seid zufrieden!“

5.6.

„…Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit; willst nicht, dass uns betrübe Zorn, Zank, hass Neid und Streit…“ Paul Gerhardts Pfingstlied „Zieh ein zu deinen Toren, sei meines Herzens Gast…“ umwirbt den Heiligen Geist geradezu, dass er erneuern, versöhnen und Negatives nicht zulassen soll. Einige Strophen daraus mit Bildern aus dem Zwölfbotenaltar der Jakobskirche Rothenburg und mit Stadtansichten.

6.6.

Heute endet die Pfingstwoche und damit auch das pfingstliche Rot in den Fotos, heute mit roten Paramenten (Altarbekleidungen, auch Antependien genannt). Zitiert wird aus Jochen Kleppers Mittagsgedicht „Der Tag ist seiner Höhe nah“. Erklärt wird, warum in Ulm eigentlich erst um 12:20 Uhr die Mittagshöhe erreicht wird (bei der Sommerzeit um 13:20 Uhr). Ihr seht auch, dass bei den ökumenischen Gottesdiensten am Pfingstmontag in Oberelchingen die Gemeinde rot trägt.

7.6.

Hermann Hesses Gondelfahrt und die Liebesstunden nachempfindend wünsche ich eigene Erinnerungen, die ein Lächeln hervorzaubern – und heute einen leuchtenden Sonntag. Euer Ernst

8.6.

Carl Spitzweg ist nicht nur durch herrliche Bilder bekannt, sondern auch als Dichter. Mit Ansichten Rothenburgs um 1900 und einem eigenen Aquarell zitiere ich einen philosophischen Gedanken des Biedermeier-Malers. Zum Aquarell: Von 1996 bis 2000 hatte ich eine Malphase; dabei sind etliche Aquarelle entstanden. Einige schmücken eine Wand im Büro. In Rothenburg war ich Pfarrer von 1989 bis 1999.

9.6.

Emanuel Geibel, vor allem bekannt durch „Der Mai ist gekommen“, versetzt sich in die Zeit, als Rothenburg wirklich eine Burg hatte. Von den 15 Strophen lese ich neun, illustriert durch aktuelle Aufnahmen Rothenburgs und des Burggartens, wo vor dem mittelalterlichen Erdbeben „das Schloss“ thronte:

Der Dichter kommt mit leichtem Mut gezogen
Durch grüne Triften und durch Korneswogen;
Da steigt vor ihm aus wald’gem Bergeskranze
Ein Schloss empor im Abendsonnenglanze.

Bald ist der steile Gipfel kühn erklommen;
Bald hat den Gast der Burghof aufgenommen;
Dort stehn als Wächter, eingelullt in Träume,
Die alten blütenduft’gen Lindenbäume.

Des Tores Wölbung ist in Schutt zerfallen,
Und ungehindert tritt er in die Hallen,
In die mit goldnem Strahl die Sonne schauet,
In die von oben klar der Himmel blauet.

Auf einen moos’gen Stein setzt er sich schweigend,
Er stützt das Haupt, es in die Rechte neigend,
Und lässt in freiem Spiele die Gedanken
Sich mit dem Efeu um die Trümmer ranken:

»Du altes Schloss, wie bist du still geworden,
Und schollst so laut einst von der Lust Akkorden!
Wie ist der helle Schmuck dir abgefallen,
Und glänztest einst das herrlichste von allen!

Hier fanden sonst zu Spiel und lust’gem Feste
In buntem Schwarm sich hundert edle Gäste;
Kein hoher Wandrer zog vorbei der Stätte,
Der unter deinem Dach geruht nicht hätte.

Nun spielen in des Windes leisem Kosen
Holundersträuche nur und wilde Rosen,
Und nur der Sonne, nur des Mondes Schimmer,
In deinen Hallen rasten sie noch immer.

Hier stürzte sich in raschen Melodien
Trompetenjubel auf den Galerien!
Die Schleppen rauschten und die Sporen klangen,
Wenn sich im Fackeltanz die Paare schwangen.

Jetzt hörst du nur das Lied der Nachtigallen
Aus den umbüschten Mauerblenden schallen;
Leuchtkäfer lassen märchenhaft im Dunkeln
Dazu den lichten Reigen nächtlich funkeln.

Einst schmückten Scharlachdecken diese Wände,
Durchwirkt mit lautern Goldes reicher Spende:
Vom grauen Turme wehten bunte Fahnen,
Die stolzen Zeichen der erlauchten Ahnen.

Nun lässt der Himmel seine Purpurgluten
In vollen Strömen um die Trümmer fluten,
Und von den Zinnen seh‘ ich Efeuranken,
Vergänglichkeit, dein grünes Wappen, schwanken.

Dort vom Altane sah im Abendstrahle
Des Burgherrn ros’ge Tochter wohl zu Tale
Und barg geheimnisvoll im reinen Sinne
Den ersten süßen Blütentraum der Minne.

Nun quellen Rosen aus des Söllers Spalten,
Die eben den verschämten Kelch entfalten,
Und Schmetterlinge seh‘ ich still daneben,
Die Geister jener Liebesträume, schweben.

Du altes Schloss, ich kann nicht um dich weinen,
Blüht holdes Leben doch aus deinen Steinen;
Wie eine Leiche hab‘ ich dich gefunden,
Der man den Sarg mit Blumen schön umwunden.«

So sprach der Dichter, und im Spätrot schienen
Ihm einen Gruß zu winken die Ruinen;
Er aber schritt, die Brust voll junger Lieder,
Vom alten Schloss zur goldnen Au hernieder.

10.6.

Dass ein sanfter Juniregen auch die Schleußen der Gefühle öffnen kann, hört ihr aus Hesses Regen-Gedicht. Dazu Fotos aus einem Regenabend in Rothenburg ob der Tauber:

Lauer Regen, Sommerregen
Rauscht von Büschen, rauscht von Bäumen.
O wie gut und voller Segen,
Einmal wieder satt zu träumen!

War so lang im Hellen draußen,
Ungewohnt ist mir dies Wogen:
In der eignen Seele hausen,
Nirgends fremdwärts hingezogen.

Nichts begehr ich, nichts verlang ich,
Summe leise Kindertöne,
Und verwundert heim gelang ich
In der Träume warme Schöne.

Herz, wie bist du wund gerissen
Und wie selig, blind zu wühlen,
Nichts zu denken, nichts zu wissen,
Nur zu atmen und zu fühlen!

11.6.

Auch wenn der Himmel grau ist, leuchtet der Blautopf wie ein Edelstein. Erlebt ihn hier aus verschiedenen Perspektiven und hört dazu die Zusammenfassung der „Historie von der schönen Lau“. Nach mehrwöchiger Corona bedingten Schließung ist der Spaziergang dort wieder möglich.
Am 15. März wurde ich in den Stadtrat Neu-Ulm gewählt. Am 1. Mai begann der Dienst, die konstituierende Sitzung war am 13. Mai, bisher etliche Fraktionssitzungen und die erste Ausschuss-Sitzung BiFaKu (Bildung, Familie, Kultur).
Wir versprechen Bewahrung der Schöpfung, mehr Grün, mehr Fahrradwege, mehr für Familien, mehr Miteinander, muten aber auch Einschnitte zu, z.B. beim CO2-Preis, die Kerosinsteuer und die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn. Jetzt müssen die Maßnahmen beginnen, damit wir ein klimaneutrales Land werden. Dass andere Länder hier nicht mitmachen, soll uns nicht davon abhalten, Vorbild zu sein. So katastrophal für sehr viele die Coronakrise ist, wird sie zur Erholung der Natur beitragen.

12.6.

Aus dem Barockgarten ein Barockgedicht: Paul Fleming wurde nur 31 Jahre alt und hat neben dem Choral „In allen meinen Taten lass ich den Höchsten raten…“ auch „Sei dennoch unverzagt…“ gedichtet. Hört es als Aufnahme aus dem herrlichen Ludwigsburger Schlossgarten, dazu Verse aus dem „Dennoch-Psalm“ 73. Lieber junger Gärtner, grüßen Sie Ihre Familie in Manfredonia/Apulien!

13.6.

Paul Fleming war Arzt, der nach seinen Reisejahren durch Russland und bis Persien mit 30 Jahren an Lungenentzündung starb. Die Themen seines Werks sind die Kunst des Liebens, das Gottvertrauen, die Lebenskunst und die Kunst des Sterbens. Zur Liebeskunst gehört das Küssen. Seht und hört!

14.6.

Eines der großen Vertrauenslieder stammt von Paul Fleming. Es hat 15 Strophen, so dass ich es in zwei Videos aufteile. Morgen kommen die Strophen, mit denen er auf Reisen ging, die aber auch die Lebensreise begleiten können.

15.6.

„Zieh ich in ferne Lande, zu nützen einem Stande…“ Der junge Arzt und Dichter wird zum Reisebegleiter: 1633 engagierte Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf den 24-jährigen Paul Fleming, als Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe Moskau. Die Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Holstein zurück, während Fleming in Reval (Tallin) blieb. Im Oktober 1635 reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639.
Bei der Ostseereise vor genau einem Jahr hatten wir einen Tag und eine Nacht in Tallin, dem altem Reval. Deshalb kommen die Bilder zum „Reisegebet“ aus der wunderschönen Hauptstadt von Estland

16.6.

Auf der Rückreise aus Russland 1635 hatte Paul Fleming in Reval, heute Tallin, die Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennengelernt und sich in Elsabe verliebt. In seinem Gedicht an Elsabe „Ein getreues Hertze wissen…“ betonte er den Wert und die Freuden der Treue. Sie wartet allerdings nicht vier Jahre auf ihn. Er erlebt und bedichtet es als seine „Verstoßung“: „Mein alles wird nun nichts…bin ich ohne sie, so bin ich ohne mich“. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem diese 1637 einen anderen geheiratet hatte. 1640 stirbt Fleming mit 30 Jahren.
Fleming erwarb 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Allerdings starb er auf dem Weg dorthin in Hamburg an einer Lungenentzündung und wurde im Chorumgang der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich anstelle seines kriegszerstörten Grabsteins seit 1959 eine Gedenktafel befindet. Fleming wurde 30 Jahre alt.
17.6.
Für Mittwoch

Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Professor für Germanistik, hat nicht nur das „Lied der Deutschen“ gedichtet, sondern auch Kinderlieder und weitere Gedichte. So bitte ich heute mit seiner „Sehnsucht ins Freie“ darum, dass unsere Erde ihre Viruskrankheit überwindet und das Menschenrecht der Freiheit allen zukommt.

Ach, wär‘ ich doch bald genesen
Und dürft‘ hinaus ins Feld!
Es ist der Sommer gekommen:
Nun freut sich alle Welt.
Hell aus den Lüften erschallet
Gesang und Jubelgetön.
Es grünt und blühet im Thale,
Es bläu’n sich die fernen Höh’n.

Ach, wär‘ ich doch bald genesen!
Wie ist mir angst und bang!
Mich hält die Krankheit gefangen
Schon manche Woche lang.
O könnt‘ ich, könnt‘ ich doch atmen
Die süße himmlische Luft!
Im Frei’n mich ergeh’n und mich laben
An Blumen- und Laubesduft!

Ach, wär‘ ich doch bald genesen!
Ach, thät‘ ein Engel mir kund,
Mir kund die fröhliche Botschaft:
Steh auf, du bist gesund!
Ich wollt‘ aus duftenden Blumen
Ihm winden ein Kränzelein,
Und eine Perle des Herzens,
Die Träne des Danks, ihm weih’n.

18.6.

Gestern das „Lied der Deutschen“ und die „Sehnsucht nach Freiheit“ von Heinrich Hoffmann von Fallersleben – heute vom gleichen Autor, verbunden mit Wünschen für einen guten Schlaf, das…
…Abend wird es wieder,
Über Wald und Feld
Säuselt Frieden nieder
Und es ruht die Welt.

Nur der Bach ergießet
Sich am Felsen dort,
Und er braust und fließet
Immer, immer fort.

Und kein Abend bringet
Frieden ihm und Ruh,
Keine Glocke klinget
Ihm ein Rastlied zu.

So in deinem Streben
Bist, mein Herz, auch du:
Gott nur kann dir geben
Wahre Abendruh.

19.6.

Am 19. Juni steht der romantische Maler Ludwig Richter (+19. Juni 1884), ein Katholik, im evangelischen Namenskalender. Im Video erfahrt ihr, warum, hört einige Lebensgrundsätze des frommen Mannes und seht herrliche Gemälde von ihm.
Zitate:
Solange man nicht selbst klar in sich geworden ist, nicht bestimmt weiß, was man will, und wie das auszuführen ist, wird man auch nicht fortschreiten, sondern nur schwanken und irren.
Wenn man den Leuten mit der Kunst Freude machen kann, so tue man es von Herzen, denn das ist doch der rechte Lohn der Kunst.
Die Liebe macht alles bedeutend und wirft einen Himmelsschleier auf alles, was sie betrachtet. Was sie anrührt, wird Gold.
Darauf lege ich Gewicht, dass einer die empfangenen Gaben für den Bau des zukünftigen Gottesreiches verwendet. Keine Kraft, auch die kleinste nicht, geht da verloren, sie ist ein Baustein für den großen Tempel, den der Herr mit der Menschheit erbauen will. Was hilft ein Talent, im schlechten Dienst verwendet? Das falsche Ideal macht uns unglücklich! Wer Christus folgt, der schaut das Reich, hilft mit am Reich bauen.
Ein Hauptwerk ist die abendliche „Überfahrt am Schreckenstein“. Richter hat es bei seiner Wanderung 1834 ins böhmische Elbtal gemalt. Diese Zeit hat er als einen Wendepunkt in seinem Leben beschrieben. Nachdem eine erneute Italien-Reise des Künstlers gescheitert war, wurde die Sehnsucht nach der Landschaft des Südens nun durch die Aufnahme der heimischen Natur und Landschaft ersetzt.

20.6.

Im Nachklang zum Gedenktag 17. Juni (dieser war der Tag der deutschen Einheit von 1954 bis 1990) ein Besuch auf der Wartburg mit Bildern und einem Gedicht von W. Rettig. Die ursprünglich schwarz-rot-goldene Flagge haben die Studenten aus Jena am 31. Oktober 1817 auf die Burg gebracht mit der Forderung, dass Deutschland geeint sein soll. Sie besteht aus schwarz-roten Balken mit goldenem Eichenlaub.

21.6.

Noch einmal geht’s auf die Wartburg: Hier war Luther geschützt, als er 1521/22 vogelfrei war. Damals hat er das neue Testament ins Deutsche übersetzt. Vielleicht kamen ihm im Schutz der Burg auch die Idee für das große Vertrauenslied nach Psalm 46: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken.“ Gottes reichen Segen wünscht euer Ernst.
1) Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind,
mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.
2) Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott;
das Feld muss er behalten.
3) Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nichts;
das macht, er ist gericht:
ein Wörtlein kann ihn fällen.
4) Das Wort sie sollen lassen stahn
und kein Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan
mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin,
sie haben’s kein Gewinn,
das Reich muss uns doch bleiben.

22.6.

„Der treue Menschenhüter“ ist einer meiner Lieblingspsalmen (Ps. 121) überschrieben. Lasst euch beregnen mit Vertrauensworten, die Sinai-Gebirgswüste eingeblendet.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht.
Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

23.6.

Heute und in den nächsten drei Tagen kommen Gedichte mit dem Lindenbaum. Eine alte Weisheit sagt: Die Linde kommt 300 Jahre – steht 300 Jahre und vergeht 300 Jahre
Dazu ein Gedicht von Johann Georg Jacobi mit Fotos vom Neu-Ulmer Friedhoaf

Die Linde auf dem Kirchhofe
Die du so bang den Abendgruß
Auf mich herunter wehest,
Zur Wolke schwebst, und mit dem Fuß
Auf Totenhügeln stehest,
O Linde! manche Träne hat
Den Boden hier benetzet,
Und Menschenjammer, blass und matt,
Auf ihn sein Kreuz gesetzet.

Vergebens lässt auf kühles Grab
Dein Zweig die Blüte fallen,
Vergebens tönt von dir herab
Das Lied der Nachtigallen;
Sie schlummern fort. Du aber schlägst
In modervolle Grüfte
Die Wurzel, schmückest dich, und trägst
Empor die Blütendüfte.

Auf Erden sieht man immer so
Den Tod ans Leben kränzen;
Doch ewig kannst du, stolz und froh,
Die Äste nicht bekränzen.
Es trocknet schon der Jugend Saft
In dir; Verwesung winket,
Bis endlich deine letzte Kraft
Dahin auf Gräber sinket.

Wenn aber dein Geflüster auch
Verstummt an diesen Hügeln,
So bringet neuen Frühlingshauch
Der West auf Rosenflügeln.
Damit die Felder wieder blühn,
Umwallt er Berg‘ und Gründe;
Will deinen Sprössling auferziehn,
Und krönt die junge Linde.

O Linde! gern an deinem Fuß
Hör‘ ich des Wipfels Wehen;
Dein feierlicher Abendgruß
Verkündet Auferstehen.

Seinen Einstieg in die katholisch geprägte Freiburger Gesellschaft fand der protestantische Professor Johann Georg Jacobi (1740 Gut Pempelfort bei Düsseldorf – 1814 Freiburg im Breisgau) besonders über das weibliche Publikum. Für die gebildeten Damen richtete er in seiner Wohnung in der Herrenstraße ein literarisches Kränzchen ein. Darüber berichtete die Dichterin Maria Therese von Artner einer Freundin: „Was wir also in unserem Kränzchen thun? Wir versammeln uns um den geselligen Theetopf, schlürfen seinen dampfenden Abguß, plaudern dieß und jenes, sind auch nicht ein bißchen altklug, und ich darf so viel und herzlich lachen, als es Lust und Laune zugiebt, tout comme chez nous … Der beliebteste Stoff sind Züge aus dem Leben vorzüglicher Menschen, wovon denn Jacobi das meiste zu liefern vermag.“

24.6.

Johannes Daniel Falk (* 28. Oktober 1768 in Danzig; † 14. Februar 1826 in Weimar) war der Dichter von „O du fröhliche…“. In der Woche der Lindenbaum-Gedichte denke ich an ihn, weil der von ihm selbst verfasste Spruch auf seinem Grab im Historischen Friedhof in Weimar beginnt „Unter diesen grünen Linden…“ Aufgenommen ist das Video im Friedhof Neu-Ulm.

25.6.

Die Vergänglichkeit ist unabwendbar, doch die Dichterin findet Trost beim Duft der Linde, der auch die Generationen nach uns beglücken wird.
Die moslemischen Freunde grüße ich mit „Inschallah“. Es ist das „So Gott will“, wie es die Christen aus dem Jakobusbrief kennen.
In Seidel: *15. September 1885 in Halle; † 2. Oktober 1974 in Ebenhausen bei München

26.6.

Seht und hört „Am Brunnen vor dem Tore“. Wilhelm Müller (* 7. Oktober 1794 in Dessau; † 1. Oktober 1827 ebenda) ist vor allem durch die Gedichte der „Winterreise“ und der „Schönen Müllerin“ bekannt, die Franz Schubert vertont hat.
Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich musst’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!
Vier Tage hat uns der Lindenbaum mit Gedichten und Liedern begleitet. Beim Leuchterengel von Tilman Riemenschneider am Heiligblutaltar in St. Jakob in Rothenburg wünsche ich euch die Gelassenheit der tausendjährigen Lindenbäume . Euer Ernst

27.6


Ein Liebhaber aller Früchte in Gottes Garten bin ich. Vor allem aber liebe ich die Kirschen. Auf dem Foto bin ich vierzehn. Lange habe ich die Kirschen direkt vom Baum genossen.
„Lob der schwarzen Kirschen“ von Anna Louise (Louisa) Karsch. Ihr werdet noch mehr von ihr und über ihr interessantes Leben hören in den nächsten Tagen
1764

Des Weinstocks Saftgewächse ward
Von tausend Dichtern laut erhoben;
Warum will denn nach Sängerart
Kein Mensch die Kirsche loben?…

Der ausgekochte Kirschensaft
Giebt aller Sommersuppen beste,
Verleiht der Leber neue Kraft
Und kühlt der Adern Äste;

Und wem das schreckliche Verboth
Des Arztes jeden Wein geraubet,
Der misch ihn mit der Kirsche roth
Dann ist er ihm erlaubet;

Und wäre seine Lunge wund,
Und seine ganze Brust durchgraben:
So darf sich doch sein matter Mund
Mit diesem Tranke laben.

Wenn ich den goldnen Rheinstrandwein
Und silbernen Champagner meide,
Dann Freunde mischt mir Kirschblut drein
Zur Aug- und Zungenweide:

Dann werd‘ ich eben so verführt,
Als Eva, die den Baum betrachtet,
So schön gewachsen und geziert,
Und nach der Frucht geschmachtet.

Ich trink und rufe dreymal hoch!
Ihr Dichter singt im Ernst und Scherze
Zu oft die Rose, singet doch
Einmal der Kirschen Schwärze!

28.6.

Anna Louisa Karsch ist durch Liebeslieder bekannt und wird die deutsche Sappho genannt (davon morgen). Auch dem Weltenschöpfer wird ein nächtliches Liebesgedicht gewidmet. Bei der Zeile „Der Weise, der in Sternen las“, zeige ich das Grab Galileo Galileis in Florenz, anschließen der Dichterin Grabmal in Berlin.
An Gott, als sie bey hellem Mondschein erwachte
Wenn ich erwache, denk ich dein!
Du Gott! der Tag und Nacht entscheidet,
Und in der Nacht mit Sonnenschein
Den finstern Mond bekleidet…

Welch eine Pracht verbreitet sich!
Die Dunkelheit geschmückt mit Lichte
Sieht auf uns nieder, nennet dich
Mit Glanz im Angesichte.

Du Sonnenschöpfer! wie so groß
Bist du im kleinsten Stern dort oben!
Wie unaussprechlich namenlos!
Die Morgensterne loben

Dich mit einander in ein Chor
Geschlossen, wie zu jener Stunde,
Da aus dem Chaos tief hervor
Ein Wort aus deinem Munde

Allmächtig diese Welten rief,
Am Firmament herum gesetzet.
Du sprachst, das Rad der Dinge lief,
Und läuft noch unverletzet…

Noch voller Jugend glänzen sie
Da schon Jahrtausende vergangen!
Der Zeiten Wechsel raubet nie
Das Licht von ihren Wangen.

Hier aber unter ihrem Blick
Vergehet, verfliegt, veraltet alles.
Dem Thronenpomp, dem Cronenglück
Droht eine Zeit des Falles!

Der Mensch verblüht wie prächtig Gras,
Sein Ansehn wird der Zeit zum Raube.
Der Weise, der in Sternen las,
Liegt schon gestreckt im Staube!

Ich lese, großer Schöpfer! dich
Des Nachts in Büchern, aufgeschlagen
Von deiner Hand. O lehre mich
Nach deinem Lichte fragen!

Sey meiner Seele Klarheit, du
Regierer der entstandnen Sterne!
Und blicke meinen Herzen zu,
Daß es dich kennen lerne!

29.6.

Anna Louisa Karsch liebte vergeblich den Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim (*1719 in Ermsleben; † 1803 in Halberstadt). Er bevorzugte allerdings platonische Männerfreundschaften.
Den 22. Juni 1761. Morgens 7 Uhr.
Freund, zeichne diesen Tag mit einem größern Strich!
Er war doch für dich und mich,

Wir wandelten im Hain und hörten Vögel singen
In dichten Fichten, wo der Mann das Weibchen hascht.
Gut war’s, dass über uns nicht Edens Äpfel hingen,
Indem wir Hand in Hand durch das Gebüsche gingen,
Da hätten du und ich genascht.

Und im Entzücken nicht die Folgen von den Bissen
Nur einen Augenblick bedacht:
So hat es Eva einst gemacht,
So machen’s heute noch Verliebte, die sich küssen –
Bald werd ich nichts zu schwatzen wissen,

Als ewig von dem Kuss. Und meiner Mutter Mann,
Durch den ich ward, ist schuld daran,
Dass ich so gern von Küssen sing und sage,
Denn er verküsste sich des Lebens schwere Plage.
Allein ich wend mich wieder zum gestrigenTage,

Von dem ich reden will, schreib’ ihn mit goldnem Strich!
Er war doch ganz für dich und mich …
Erwidern konnte Gleim die Liebe nicht, aber er hat ihre Gedichte drucken lassen. So wurde die Karschin zu einer Frau, die vom Dichten leben konnte. Mein Wunsch: Immer wieder „Stunden ganz für dich und mich“. Euer Ernst

30.6.

Psalm 27 mit Fotos vom Berg Arbel über dem See Genezareth, verbunden mit dem Wunsch, dass Israel und das Westjordanland zu einer gemeinsamen Vereinbarung kommen, wie das Land geteilt wird.
Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?…
Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen…
Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz…
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf…
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.
Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!
Bleibt behütet in allen Landen
Euer Ernst