Die Videos vom Juli 2020

31.7.

In der Nicolaikirche endet die Woche der Leipziger Stadtspaziergänge: Offen für alle! – größte Orgel in Sachsen – Palmen als Säulen – Erinnerung an den 9. Oktober 1989; warum nicht an die Wende am 9. November? – Pfarrer Christian Führer mit seinem Kennzeichen, der Jeansjacke: Seht und hört!

30.7.

Mit der Frage „Wer nimmt die Furcht des letzten Augenblicks?“ beginnt ein weiterer Rundgang in Leipzig. Der Südfriedhof neben dem Völkerschlachtdenkmal ist einer der schönsten Parkfriedhöfe in Deutschland. Die 78 Hektar große Anlage wurde durch den Stadtbaurat und Architekten Hugo Licht (1841-1923, bekannt als Erbauer des Neuen Rathauses, 1900-1905 entworfen.

Mittelpunkt des Südfriedhofes ist das Krematorium. Gemeinsam mit Kapellen und der großen Haupthalle bildet dieses Bauwerk einen Komplex, der von Weitem durch den 63 m hohen Glockenturm zu sehen ist. In ihrer baulichen Konzeption ist die Anlage dem Benediktinerkloster Maria Laach nachempfunden.
Die umlaufenden Gänge und Arkaden verbinden die verschiedenen Abschnitte des neoromanischen Bauwerkes.
Am Ende lasse ich die Frage des Anfangs von Gellert beantworten.

Mi,29.7.

„Soli Deo Gloria“ hat Johann Sebastian Bach seine Werke überschrieben: „Allein Gott die Ehre“.
Damit grüße ich euch, wenn ich Fenster der Thomaskirche in Leipzig zeige. Bin nicht allein bei dieser Rückschau. Seht und hört. Euer Ernst3.8.

Sommermittag von Theodor Strom,
aufgenommen am Eichenberger Weiher,
der Badesee meiner Kindheit

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.
Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.
Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.
Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
»Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.«

28.7.

Edwin Bormann (* 14. April 1851 in Leipzig; † 3. Mai 1912 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller. Er publizierte auch unter dem Pseudonym Bliemchen.
1909 rief er mit Georg Bötticher die Künstlervereinigung Leoniden ins Leben, die beiden 1918 eine Gedenktafel am Leipziger Rathaus stiftete. „Jedes Thierchen hat sein Pläsierchen“ ging in den deutschen Zitatenschatz ein.
Was ist das Wort? Vom Hauch getragen,
Ein flüchtig Nichts, das schnell verklingt,
Und doch: wer wüsste wohl zu sagen,
Was Alles dieses Nichts vollbringt?

Das rechte Wort aus rechtem Munde
Wird unbewusst zum Segenswort,
Und sprichst du es zur rechten Stunde –
In tausend Taten lebt es fort.

27.7.

Psalm 23
Der gute Hirte
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

So,26.

Das prächtige Alte Rathaus, das den Marktplatz dominiert, wurde 1556 in nur neun Monaten im Stil der sächsischen Renaissance gebaut, entworfen von Hieronymus Lotter (1497-1580), der als Bürgermeister auch die Bauaufsicht ausübte. Die Horizontale des neunzig Meter langen Gebäudes wird durch sechs verspielte Zwerchgiebel im hohen Dach gegliedert. Der Turm steht links im Goldenen Schnitt und trägt durch die Asymmetrie zum Charakter des Gebäudes bei.
Da das Rathaus für die stark wachsende Stadt zu klein geworden war, wurde ein neues gebaut. Das alte wurde 1904 zum Stadthistorischen Museum umfunktioniert. Der Festsaal des Alten Rathauses bildet den Mittelpunkt einer Dauerausstellung zur wechselvollen Geschichte der Stadt. In diesem Saal, der nach wie vor für besonders festliche Veranstaltungen genutzt wird, fanden einst Fürstenhuldigungen, Patrizierhochzeiten, Innungsfeste und Studentenbälle statt.

25.7.

Willkommen im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Die Eichen davor sind geschnitten wie Zypressen. Vorne sieht man eine Beethovenbüste von Markus Lüpertz, schlecht gelaunt, mit blauem Gesicht und wallender Mähne auf kleinem Sockel. Dahinter sitzt eine zweite größere und gequälte Figur. Unter vertrocknetem Lorbeer blickt sie ins Irgendwo. Ein Genius, der dem alten Beethoven in seiner Taubheit und Todesnähe zum Werk verhelfen soll? Eine verrückte Collage in Bronze hat Lüpertz da geschaffen – 2,74 Meter hoch, über eine Tonne schwer.
Später seht ihr noch Max Klingers Beethoven, mit dem sich Lüpertz „auseinandersetzt“. Ein Ort mit Weite im Museum ist das Café mit Michelangelos David. Leipzig mag ich. Euer Ernst
Es ist offenbar nicht leicht mit der Inspiration, schon gar nicht im fortgeschrittenen Alter. Lüpertz: „Anders als Mozart, dem alles zufiel, musste olle Beethoven über die volle Distanz gehen. Das ist in meinen Augen eine andere Leistung.“

Freitag,24.7.

Lasst euch nicht vom Heranrollen der Straßenbahn am Anfang erschrecken, das Verstehen wird besser, wenn ich euch aus Leipzig nach der Nennung von großen Namen mit Goethes „Zueignung“ aus Faust I grüße: „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten…“ Faust, Mephisto und Gretchen übergehe ich. Ihr könnt selbst nachdenken, wer oder was euch „Bilder froher Tage“ oder „erste Lieb und Freundschaft“ gewährt. Der Schmerz und die Klage über des „Lebens labyrinthisch irren Lauf“ kann hochkommen, soll aber heute nicht erschrecken. Mit Fotos der „zwei Reiter“ von einem Hausportal in Leipzig.
Das Titelbild ist ein Satz über Leipzig, ebenfalls aus dem Faust, aus dem Mund des Studenten Frosch in Auerbachs Keller. Euer Ernst

23.7.

Der junge David sucht Schutz bei den Philistern, die Israels Feinde sind. Er wird erkannt als der, der den Philister Goliath besiegt hat. Weil er Gefahr wittert, stellt er sich wahnsinnig, denn die Wahnsinnigen gelten als schutzwürdig.
1 Von David, als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn vertrieb und er wegging.
2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.
4 Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
5 Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.
6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet
14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.
15 Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!
19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
20 Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR.

22.7.

Mit einem kleinen Gedicht von Christine Busta (* 23. April 1915 in Wien; † 3. Dezember 1987 in Wien) möchte ich den Duft von Äpfeln in euren Tag bringen. Ich nenne auch die reifende Gerste, Lavendel und Linden.
Zentralwort für Christines Leben und Werk war die Liebe. Die Liebe schlechthin.
Kleine Morgengabe
Früh in der Morgendämmerung
wird über meiner Stadt der Himmel
manchmal so apfelgrün,
dass ich ihn riechen kann.
Ich werde heut Nacht nicht schlafen,
um ihn zur rechten Stunde zu pflücken
und in dein fernes Fenster zu legen,
dass er dir duftet.

21.7.

Am Donauufer spreche ich euch die vier letzten Strophen des Paul-Gerhardtschen-Morgenlieds „Die güldne Sonne“.

9. Gott, meine Krone,
Vergib und schone;
Lass meine Schulden
In Gnad und Hulden
Aus deinen Augen sein abgewandt.
Sonsten regiere,
Mich lenke und führe,
Wie dirs gefället.
Ich habe gestellet
Alles in deine Beliebung und Hand.

10.
Willst du mir geben,
Womit mein Leben
Ich kann ernähren,
So lass mich hören
Allzeit im Herzen dies heilige Wort:
Gott ist das Größte,
Das Schönste und Beste,
Gott ist das Süßte
Und Allergewisste,
Aus allen Schätzen der edelste Hort.

11.
Willst du mich kränken,
Mit Gallen tränken,
Und soll von Plagen
Ich auch was tragen:
Wohlan, so mach es, wie dir es beliebt.
Was gut und tüchtig,
Was schädlich und nichtig
Meinem Gebeine,
Das weißt du alleine,
Hast niemals keinen zu sehr noch betrübt.

12.
Kreuz und Elende,
Das nimmt ein Ende;
Nach Meeresbrausen
Und Windessausen
Leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht.
Freude die Fülle
Und selige Stille
Wird mich erwarten
Im himmlischen Garten;
Dahin sind meine Gedanken gericht.

20.7.

Kein Neid! steht heute im Mittelpunkt der vier Strophen (5 – 8) aus Paul Gerhardts Morgenlied. Die Vergänglichkeit wird nicht beklagt, denn sie ist aufgehoben im Schöpfungsplan. Drei Fotos aus Petra in Jordanien, im Titel der Dschebel Haroun, der Aaronberg. Hier soll der Bruder des Moe begraben liegen.
5) Ich hab erhoben
Zu dir hoch droben
All meine Sinnen;
Lass mein Beginnen
Ohn allen Anstoß und glücklich ergehn!
Laster und Schande,
Des Satanas Bande,
Fallen und Tücke
Treib ferne zurücke,
Lass mich auf deinen Geboten bestehn!

6.
Lass mich mit Freuden
Ohn alles Neiden
Sehen den Segen,
Den du wirst legen
In meines Bruders und Nähesten Haus;
Geiziges Brennen,
Unchristliches Rennen
Nach Gut mit Sünde,
Das tilge geschwinde
Von meinem Herzen und wirf es hinaus!

7.
Menschliches Wesen,
Was ist’s? Gewesen.
In einer Stunde
Geht es zu Grunde,
Sobald das Lüftlein des Todes drein bläst.
Alles in allen
Muss brechen und fallen,
Himmel und Erden
Die müssen das werden,
Was sie vor ihrer Erschaffung gewest.

8.
Alles vergehet,
Gott aber stehet
Ohn alles Wanken;
Seine Gedanken,
Sein Wort und Willen hat ewigen Grund,
Sein Heil und Gnaden,
Die nehmen nicht Schaden,
Heilen im Herzen
Die tödlichen Schmerzen,
Halten uns zeitlich und ewig gesund.

19.7.

Die Lieder von Paul Gerhardt sind auch gesprochen schön. Die Aussagen kommen noch mal ganz anders rüber. Von den 12 Strophen des Morgenliedes heute die ersten vier.
1) Die güldne Sonne
voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen
mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder,
die lagen darnieder;
aber nun steh ich,
bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

2) Mein Auge schauet,
was Gott gebauet
zu seinen Ehren
und uns zu lehren,
wie sein Vermögen sei mächtig und groß
und wo die Frommen
dann sollen hinkommen,
wann sie mit Frieden
von hinnen geschieden
aus dieser Erden vergänglichem Schoß.

3) Lasset uns singen,
dem Schöpfer bringen
Güter und Gaben;
was wir nur haben,
alles sei Gotte zum Opfer gesetzt!
Die besten Güter
sind unsre Gemüter;
dankbare Lieder
sind Weihrauch und Widder,
an welchen er sich am meisten ergötzt.

4) Abend und Morgen
sind seine Sorgen;
segnen und mehren,
Unglück verwehren
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen,
so ist er zugegen;
wenn wir aufstehen,
so lässt er aufgehen
über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

18.7.

Johannes Kep(p)ler hat in Ulm die Rudolphinischen Tafeln drucken lassen, die seine berühmten Gesetzte zur Planetenbewegung enthalten. Er war vor allem Astronom, aber auch Astrologe, Mathematiker und ein frommer Naturphilosoph. Vor der Gedenktafel am Ulmer Rathaus lese ich euch das Lob des Weltenschöpfers, als dessen demütiger Diener er sich sieht.

17.7.

Wenn in Ulm die Sedelhöfe mit dem Einsteinplatz eröffnet werden, möchte ich den Physiker und Philosophen mit seinen Worten über das „Erlebnis des Geheimnisvollen“ ehren. Obwohl Einstein tiefe Erkenntnis von Naturgesetzen hatte, ist das Geheimnis des Daseins auch seiner Vernunft nur stückweise zugänglich:
„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen. Das Erlebnis des Geheimnisvollen – wenn auch mit Furcht gemischt – hat auch die Religion gezeugt. Das Wissen um die Existenz des für uns Undurchdringlichen, der Manifestationen tiefster Vernunft und leuchtendster Schönheit, die unserer Vernunft nur in ihren primitivsten Formen zugänglich sind, dies Wissen und Fühlen macht wahre Religion aus; in diesem Sinn und nur in diesem gehöre ich zu den tief religiösen Menschen…“

16.7.

Des Dichters guten Rat, am Sommermorgen den Wanderstab zu nehmen, verbinde ich mit meiner Empfehlung, jeden Tag mal raus zu gehen, jeden Tag Kontakt zu haben. Wir dürfen ja wieder – und halten die Abstandsregeln ein.

„Guter Rat“ von Theodor Fontane (1819-1898)

An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen deine Sorgen
wie Nebel von dir ab.

Des Himmels heitre Bläue
lacht dir ins Herz hinein
und schließt, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach dich ein.

Rings Blüten nur und Triebe
und Halme von Segen schwer,
dir ist, als zöge die Liebe
des Weges nebenher.

So heimisch alles klingt
als wie im Vaterhaus,
und über die Lerchen schwingt
die Seele sich hinaus.

15.7.

Mit der Wünschelrute“ von 1835 verabschiede ich mich nach sechs Tagen von Eichendorff, dem bekanntesten Dichter der Romantik:
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
und bringe euch ein weiteres Schlüsselgedicht für diese literarische Epoche:
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.
Das Gedicht steht in Friedrich von Hardenbergs (genannt Novalis) Roman „Heinrich von Ofterdingen“ von 1800. Erstaunlich ist es, dass hier „Zahlen und Figuren“ herabgesetzt werden, da Novalis sich neben Philosophie und Jura auch intensiv mit Naturwissenschaften beschäftigt hat und nach zwei Jahren an der Bergakademie Freiberg in der Salinendirektion in Weißenfels tätig war. Für Kant und die Aufklärung war der Zugang zum Kosmos an Rationalität gebunden. Mit diesem Streben bricht die Romantik. 35 Jahre später fragt Eichendorff nach dem „Zauberwort“. Für ihn könnte es das Gebet sein. Als Beter und „Christ bei den Grünen“ schlage vor, das „Zurück zur Natur“, die Ökologie, wörtlich „die Lehre vom (Natur-)Haushalt“ als Zauberwort anzusehen. Wichtig ist der heutige Tag. Euer Ernst

14.7.

Am Montagmorgen um 3.30 Uhr konnte ich bei Seligweiler (Autobahnausfahrt Ulm-Ost) den Kometen klar beobachten Der Komet C/2020 F3 (NEOWISE) ist 2. Größenklasse hell und damit so hell wie der Polarstern. Er ist mit bloßem Auge mit etwa 2½° langem Schweif erkennbar. Schön zeigt sich der Schweif durch ein Fernglas. NEOWISE kann theoretisch von 22 bis 4½ Uhr beobachtet werden, am besten hält man in der Morgendämmerung zwischen drei und vier Uhr Ausschau: dann beträgt seine Höhe über dem Nordnordost-Horizont 16°. Mein Tipp: Die „Rädchendistanz“ vom großen Wagen fünfmal nach rechts verlängern.
Es ist gut möglich und bei meiner Sichtung war es so, dass in der Umgebung des Kometen filigrane nachtleuchtende Wolken (NLC) zu sehen sind. Das sind von der Sonne beleuchtete Ansammlungen von Eiskristallen in einer Höhe von 81 bis 85 km, die vor allem in der Zeit der Sommersonnenwende bis Ende Juli zu beobachten sind. Gute Nächte, gute Tage! Euer Ernst.

13.7.

Die „Sehnsucht“ drückt Heimweh Fiamettas nach Italien aus. Sie singt es in Joseph von Eichendorffs Roman „Dichter und ihre Gesellen“ von 1834, legt danach die Gitarre weg und weint bitterlich. So habe ich heute Bilder aus dem nächtlichen Rom dazugefügt, vom Mai 2011. Die dritte Strophe singt Hermann Prey.
Sehnsucht ist ein starkes Gefühl und kann sehr schmerzen. Doch keine Sehnsucht (mehr) zu haben, ist auch schlimm. Ich wünsche euch Sehnsüchte und Erfüllungen und dazu die bleibenden Erinnerungen. Euer Ernst
Sehnsucht.
Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab‘ ich mir heimlich gedacht:
Ach wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die über’m Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht,
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. –

12.7.

Als Atemtherapie trage ich euch das Sonntagsgedicht von Eichendorff vor: Ausatmen, Pause machen, das Einatmen geht von selbst, wieder alles ausatmen…zu dem hin atmen, dem wir Leben, Herzschlag und Odem verdanken…danken…
Weit in das Land die Ström ihr Silber führen,
Fern blau Gebirge duftig hingezogen,
Die Sonne scheint, die Bäume sanft sich rühren,
Und Glockenklang kommt auf den linden Wogen;
Hoch in den Lüften Lerchen jubilieren,
Und, so weit klar sich wölbt des Himmels Bogen,
Von Arbeit ruht der Mensch rings in die Runde,
Atmet zum Herren auf aus Herzensgrunde.

11.7.

Als „Der Einsiedler“ aus Eichendorffs Gedicht komme ich heute, gerne aber auch als der „Trost der Welt, die stille Nacht“. Der Abend und die Nacht können so wunderbar trösten, vor allem, wenn wir schlafen und uns dabei erholen können. Oft sind es auch die Gedanken, die sich ändern, wenn es dunkelt: Danke für den Tag, den ich erleben durfte, ich habe ihn geschafft. Mir wurde geholfen, ich konnte anderen beistehen. Bilder von Einsiedlern kommen zu den worten dazu.
Das Eichendorff-Gedicht wurde von Christian Lahusen vertont. Die dritte Strophe singt der Chor. Mein Vater Ernst hat den Tag immer mit diesen Worten beendet: Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende verleihe uns der allmächtige Gott. Das ist auch mein Wunsch. Euer Ernst
Der Einsiedler

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd‘,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Lass ausruhn mich von Lust und Not,
Bis dass das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

10.7.

Erlebt hier – und auch ihr – die Verliebtheit von Himmel und Erde und alles was daraus entsteht! Euer Ernst
Mondnacht
Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Robert Schumann vertonte das Eichendorff-Gedicht 1840 und stellte es in den Mittelpunkt seines Liederkreises op. 39. Wir hören Dietrich Fischer-Dieskau die dritte Strophe singen… und einen wunderbaren Klaviernachklang. Thomas Mann nannte es „die Perle der Perlen. Die Dichterin Ulla Hahn empfiehlt es zum Inwendig-Lernen und Auswendig-Sagen in ihrem Sammelband „Gedichte fürs Gedächtnis. Mit Blicken vom Berg Mittag bei Immenstadt.

9.7.

Sechzehn war ich, als ich merkte, dass ich gerne Gedichte aufsage und dies anderen und mir selbst Freude macht. Vor allem im Deutsch- und Reli-Unterricht durften und mussten wir auswendig lernen und aufsagen. „Das verlorene Ringlein“ von Eichendorff gehörte dazu. Wenn ihr hier dranbleibt, hört ihr zum Schluss Max Raabe und Thomas Quasthoff singen.
In einem kühlen Grunde,
da geht ein Mühlenrad;
mein Liebste ist verschwunden,
die dort gewohnet hat.
Sie hat mir Treu‘ versprochen,
gab mir ein‘ Ring dabei,
sie hat die Treu gebrochen:
Mein Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht‘ als Spielmann reisen
weit in die Welt hinaus
und singen meine Weisen
und gehn von Haus zu Haus.
Ich möcht‘ als Reiter fliegen
wohl in die blut’ge Schlacht,
um stille Feuer liegen
im Feld bei dunkler Nacht.
Hör‘ ich das Mühl’rad gehen,
ich weiß nicht, was ich will –
ich möcht‘ am liebsten sterben,
dann wär’s auf einmal still.

8.7.

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, eines der bekanntesten Volkslieder, stammt aus der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff (* 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien). Es singen Rudolf Schock und die Schaumbaurger Märchensänger. Es ist die Anfangsszene aus dem Film „Der fröhliche Wanderer“. Wie meistens wird auch hier die zweite Strophe nicht gesungen. Die Fotos zeigen die Hammer-Mühle am Blautopf in Blaubeuren.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.
Die Trägen die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was soll ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?
Den lieben Gott lass ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best‘ bestellt.

7.7.

Zu jedem Monat hat Erich Kästner (* 23. Februar 1899 in Dresden; † 29. Juli 1974 in München)ein Gedicht geschrieben. Erinnert ihr euch den Mai, den „Mozart des Kalenders?“ Jetzt im Juli geht die Menschheit auf Reisen oder findet ein Bett im Kornfeld. Der junge Mann darin wird Taugenichts genannt. Freut euch auch aufs lerchenschlagen. Und werdet fröhlich mit dem Erich, der als Kind seine Mutter aufmuntern musste.

Der Juli
Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum verlorenen Paradiese…
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluss
des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.

6.7.

Hermann Hesse (* 2. Juli 1877 in Calw, Schwarzwald, † 9. August 1962 in Montagnola im Tessin) hat 1904 das Gedicht JULIKINDER geschrieben, mein Gruß an alle, denen ich heute via Video begegne. Euer Ernst
Wir Kinder im Juli geboren
Lieben den Duft des weißen Jasmin,
Wir wandern an blühenden Gärten hin
Still und in schwere Träume verloren.

Unser Bruder ist der scharlachene Mohn,
Der brennt in flackernden roten Schauern
Im Ährenfeld und auf den heißen Mauern,
Dann treibt seine Blätter der Wind davon.

Wie eine Julinacht will unser Leben
Traumbeladen seinen Reigen vollenden,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben,
Kränze von Ähren und roten Mohn in den Händen.

5.7.

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre ist eine Dichtung von Christian Fürchtegott Gellert, bekannt und hier vorgetragen in einer Vertonung von Ludwig van Beethoven (Opus 48,4), dem Psalm 19 nachgedichtet. In der Bearbeitung von Joseph Dantonello für vierstimmigen Chor ist es eines der bekanntesten geistlichen Lieder.
Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,
Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.
Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere,
Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort.

Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?
Wer führt die Sonn’ aus ihrem Zelt?
Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne,
Und läuft den Weg gleich wie ein Held.
Hier endet die Vertonung Beethovens. Gellerts Gedicht geht aber weiter:

Vernimm’s, und siehe die Wunder der Werke.
Die die Natur dir aufgestellt!
Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke
Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?

Kannst du der Wesen unzählbare Heere,
Den kleinsten Staub fühllos beschaun?
Durch wen ist alles? O gib ihm die Ehre!
Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun.

Mein ist die Kraft, mein ist Himmel und Erde;
An meinen Werken kennst du mich.
Ich bin’s, und werde sein, der ich sein werde,
Dein Gott und Vater ewiglich.

Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte,
Ein Gott der Ordnung und dein Heil;
Ich bin’s! Mich liebe von ganzem Gemüte,
Und nimm an meiner Gnade teil.
Mit Erlaubnis des Chordirektors Johannes Stecher zeige ich eine Aufführung der Wiltener Sängerknaben, Innsbruck, in der Stiftskirche Fiecht am 19.10.2013 zum 875-jährigen Jubiläum der Benediktiner.

4.7.

„Jedes Herz hat seine Welt“: Eigentlich wollte Christian Fürchtegott Gellert Pfarrer werden wie sein Vater. Doch er war zu schüchtern. Vielleicht hatte er auch Zweifel, denn er gilt als Philosoph der Aufklärung (wie Kant fordert: Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen).
So erleben wir hier Gellert als Dichter und Professor für Moral – für Ethik, würden wir heute sagen.
Beim Rezitieren habe ich manches, wie ich meine, für heute verständlicher gesagt. Hier das Original der fünf gesprochenen Strophen des mehr als doppelt so langen Gedichts „Wachsamkeit“

…Nicht jede Besserung ist Tugend;
Oft ist sie nur das Werk der Zeit.
Die wilde Hitze roher Jugend
Wird mit den Jahren Sittsamkeit:
Und was Natur und Zeit getan,
Sieht unser Stolz für Tugend an…

Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren,
Durch die der andern Tugend fällt:
So werde nichts dein Herz verführen;
Doch jedes Herz hat seine Welt.
Den, welchen Stand und Gold nicht rührt,
Hat oft ein Blick, ein Wort verführt.

Oft schläft der Trieb in deinem Herzen.
Du scheinst von Rachsucht dir befreit;
Itzt sollst du eine Schmach verschmerzen,
Und sieh, dein Herz wallt auf und dräut,
Und schilt so lieblos und so hart,
Als es zuerst gescholten ward…

Du fliehst, geneigt zu Ruh und Stille,
Die Welt, und liebst die Einsamkeit;
Doch bist du, fordert’s Gottes Wille,
Auch dieser zu entfliehn bereit?
Dein Herz hasst Habsucht, Neid und Zank;
Flieht’s Unmut auch und Müßiggang?

Du bist gerecht; denn auch bescheiden?
Liebst Mäßigkeit; denn auch Geduld?
Du dienest gern, wenn andre leiden;
Vergibst du Feinden auch die Schuld?…
Die Sicherheit droht dir den Fall;
Drum wache stets, wach überall!

3.7.

Kennt ihr das Gedicht von dem Blinden und dem Lahmen? Es stammt von Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), den ich euch diese Woche präsentiere. Es vermittelt, was ein erfolgreiches Team und die Geselligkeit ausmacht: das Bündeln der Stärken der einzelnen. In der Kunst ist das oft dargestellt; Beispiele davon in den begleitenden Bildern. Die Statue vom Blinden und Lahmen steht in Dülken, das zu Viersen gehört (zwischen Rhein und Maas bei Düsseldorf, NRW).
Der Blinde und der Lahme
Von ungefähr muss einen Blinden
ein Lahmer auf der Straße finden,
und jener hofft schon freudenvoll,
dass ihn der andre leiten soll.
„Dir”, spricht der Lahme, „beizustehen?
Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
doch scheint’s, dass du zu einer Last
noch sehr gesunde Schultern hast.
Entschließe dich, mich fortzutragen,
so will ich dir die Stege sagen:
So wird dein starker Fuß mein Bein,
mein helles Auge deines sein.”
Der Lahme hängt mit seinen Krücken
sich auf des Blinden breiten Rücken.
Vereint wirkt also dieses Paar,
was einzeln keinem möglich war.
Du hast das nicht, was andre haben,
und andern mangeln deine Gaben;
aus dieser Unvollkommenheit
entspringet die Geselligkeit…
Beschwer die Götter nicht mit Klagen!
Der Vorteil, den sie dir versagen
und jenem schenken, wird gemein,
Wir dürfen nur gesellig sein.

2.7.

„Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht“ von Christian Fürchtegott Gellert hat sechs Strophen, heute die zweite Hälfte zum Hören, zum Bedenken der Aussagen über den Leib und den Geist der Menschen. Könnt ihr auch nachvollziehen, dass wir „ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe“ sind? Die Bilder zeigen die Ähnlichkeit der Gewölbe in Kathedralen mit den alten Bäumen und ihren Kronen
4) Dich predigt Sonnenschein und Sturm
dich preist der Sand am Meere.
Bringt, ruft auch der geringste Wurm,
bringt meinem Schöpfer Ehre!
Mich, ruft der Baum in seiner Pracht,
mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht;
bringt unserm Schöpfer Ehre!
5) Der Mensch, ein Leib, den deine Hand
so wunderbar bereitet,
der Mensch, ein Geist, den sein Verstand
dich zu erkennen leitet:
der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis,
ist sich ein täglicher Beweis
von deiner Güt und Größe.
6) Erheb ihn ewig, o mein Geist,
erhebe seinen Namen;
Gott unser Vater sei gepreist,
und alle Welt sag Amen,
und alle Welt fürcht ihren Herrn
und hoff auf ihn und dien ihm gern.
Wer wollte Gott nicht dienen?

1.7.

Die sechs Strophen des Gellert-Gedichts teile ich auf, denn jede Zeile regt zum Nachdenken an, die in die Bewunderung der Schöpfung übergehen kann. Dabei vergleiche ich die Baumkronen des Neu-Ulmer Glaciswäldchens mit den Gewölben der Kathedralen. Beim Gesang der 3. Strophe (Melodie: Bis hierher hat mich Gott gebracht) Bilder aus der Sagrada Familia in Barcelona
1) Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht,
die Weisheit deiner Wege,
die Liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege,
so weiß ich, von Bewundrung voll,
nicht, wie ich dich erheben soll,
mein Gott, mein Herr und Vater.
2) Mein Auge sieht, wohin es blickt,
die Wunder deiner Werke;
der Himmel, prächtig ausgeschmückt,
preist dich, du Gott der Stärke.
Wer hat die Sonn an ihm erhöht?
Wer kleidet sie mit Majestät?
Wer ruft dem Heer der Sterne?
3) Wer misst dem Winde seinen Lauf?
Wer heißt die Himmel regnen?
Wer schließt den Schoß der Erde auf,
mit Vorrat uns zu segnen?
O Gott der Macht und Herrlichkeit,
Gott, deine Güte reicht so weit,
so weit die Wolken reichen.