Die Videos vom November 2020

30.11.

Dem Ulmer Nebel entfliehen in Theinselberg bei einer Wanderung durch Waldwildnis und über Wiesen und im Nachhinein mit Vivaldis Herbst.

So, 29.11. 1. Advent

Mit zwei Liedstrophen grüße ich euch zum Neuen Kirchenjahr und erflehe für alle den Mut, den wir brauchen, und dass wir einander Licht in den dunklen Tagen sein können:

Mit Ernst, o Menschenkinder,
das Herz in euch bestellt,
bald wird das Heil der Sünder,
der wunderstarke Held,
den Gott aus Gnad allein
der Welt zum Licht und Leben
versprochen hat zu geben,
bei allen kehren ein.

Wir sagen euch an den lieben Advent
Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit
Machet dem Herrn den Weg bereit!
Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr
Schon ist nahe der Herr

Sa, 28.11.


O trübe diese Tage nicht

Theodor Fontane
O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.
Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.
Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;
Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz –
O sorge, dass uns keine fehlt,
Und gönn‘ uns jede Stunde ganz.

Fr. 27.11.

Ottobeuren

Das Kloster, eines der ältesten in Deutschland, wurde 764 gegründet und ist bis heute ein Benediktiner-Männerkloster mit dem Leitwort ORA ET LABORA – Bete und arbeite. In Krankheitszeiten kann es auch bedeuten: Bete und leide! Der heutige Kirchen- und Klosterbau wurde 1766 vollendet. Die Anlage gilt als Vollendung barocker Klosterarchitektur in Süddeutschland. Der Plan zeigt Kreuzform mit dem geneigten Haupt Christi.
Über dem Hauptportal die Inschrift „Haus Gottes und Pforte des Himmels“.

Die Kanzel hat als Motiv „die Verklärung Christi“ mit den alttestamentarischen Säulen Mose und Elias.

Gegenüber der Kanzel der verhältnismäßig kleine Taufstein mit der Darstellung der Taufe Christi darüber.

Im Zentrum der Basilika steht der mit goldenen Engeln verzierte Kreuzaltar mit dem etwa 900 Jahre alten romanischen Kruzifix.

Das barocke Chorgestühl mit seinen Intarsienarbeiten kann bei Führungen näher betrachtet werden.

In der Kirche ist alles sehenswert, die Ausmalung der Decken, die vielen Seitenaltäre. Der Chorraum überstrahlt an Prächtigkeit aber alles. Der hochaufragende Hochaltar dominiert mit dem Chorgestühl, dem Abtstuhl sowie die Prospekte der Chororgeln.

Schön stelle ich mir vor, ein Wochenende dort zu verbringen und das Gotteshaus bei einem der Stundengebete oder bei einem Hochamt zu erleben. Hoffentlich können wir bald geimpft werden und uns wieder freier begegnen.

Do, 26.11.

Herbstgefühl
Karl von Gerok
(1815-1890)
1. Korinther 7,31: Das Wesen dieser Welt vergehet.
Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
Träumet still die Au.
An der letzten Rose
Löset lebenssatt
Sich das letzte lose,
Bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben
Schleicht sich durch den Hain!
Auch Vergehn’n und Sterben
Däucht mir süß zu sein.

Und ich ergänze 1. Korinther 7,32: Ich möchte aber, dass ihr ohne Sorge seid.
Euer Ernst

Mi, 25.11.

Der Legende zufolge war die hl. Katharina eine geweihte Jungfrau, die sich Christus versprochen hatte. Sie soll die schöne Tochter des heidnischen Königs Costus und dessen Frau Sabinella gewesen sein, die um 300 n. Chr. im ägyptischen Alexandrien lebte und von einem Eremiten zum Glauben geführt wurde.
Als der Kaiser Maxentius Christen zum Märtyrertod verurteilte, trat Katharina ihm entgegen und fragte ihn, weshalb nicht er zum Christentum übertrete, statt von den Christen Götzenopfer zu verlangen. In einer öffentlichen Diskussion, zu der der Kaiser seine besten 50 Philosophen und Gelehrten aufgeboten hatte, brachte Katharina so einleuchtende und gelehrte Argumente für das Christentum vor, dass sich alle fünfzig zum Christentum bekehrten. Weil sie nicht vermocht hatten, Katharina vom christlichen Glauben abzubringen, schickte der Kaiser sie alle auf den Scheiterhaufen.
Von ihrer Intelligenz und Schlagfertigkeit beeindruckt, ging die gebildete Kaiserin Faustina selbst zu ihr ins Verlies, um sie zum Heidentum zu bewegen. Doch auch die Kaiserin wurde von Katharina zum Christentum bekehrt und wurde, wie zuvor die Philosophen, hingerichtet. Katharina wurde daraufhin zwölf Tage lang gegeißelt und ohne Nahrung in einem finsteren Verlies eingekerkert. Jedoch erhielt sie göttlichen Beistand durch Engel, welche die Wunden salbten, und durch eine weiße Taube, die Nahrung brachte. Auch Christus selbst kam, um ihren Glauben zu stärken und sie auf das Martyrium vorzubereiten.
Folterwerkzeug ihres Martyriums sollte das Rad sein. Der Legenda aurea zufolge waren es vier „mit eisernen Sägen und spitzen Nägeln“ gesäumte Räder. Zwei davon sollten nach unten bewegt werden und die anderen entgegengesetzt nach oben und somit die Märtyrerin zerreißen. Auf Katharinas Gebet hin kam jedoch ein Engel und zerstörte das Folterinstrument. Letztendlich wurde Katharina enthauptet, und aus ihren Wunden floss Milch statt Blut. Engel brachten ihre sterblichen Überreste zum Berg Sinai. 500 Jahre später wurden ihre Reliquien dort gefunden, und der Heiligen zu Ehren wurde das Katharinenkloster an der Fundstelle gebaut.
Das Katharinenkloster ist eines der ältesten Klöster der Christenheit. Gleichzeitig ist es ein Ort, wo sich jüdische, christliche und islamische Kulturgeschichte berühren. Wegen seiner isolierten Lage gehört das Katharinenkloster zu den wenigen Klöstern, die nie zerstört wurden.
Die Anlage mit Nebengebäuden und Gärten liegt durchschnittlich 1585 Meter über dem Meeresspiegel im südlichen Sinai

Vieles ist in diesem Jahr nicht möglich, deshalb empfehle ich für nächsten Samstag das Stadtgeläut in Frankfurt, das ich zweimal erleben durfte, immer beginnend an der Katharinenkirche an der Hauptwache. Vorbei an der Paulskirche und am Römer geht es zum Dom, wo die große Gloriosaglocke mit ihren dumpfen Schlägen die feierliche halbe Stunde beendet.
Das Große Frankfurter Stadtgeläute kommt von 50 Glocken von zehn Innenstadtkirchen viermal im Jahr für jeweils 30 Minuten. Traditionelle Termine für das Stadtgeläute sind
Samstag vor dem Ersten Advent um 16:30 Uhr
Heiliger Abend um 17:00 Uhr
Samstag vor Ostern um 16:30 Uhr
Samstag vor Pfingsten um 16:30 Uhr.
Auch in der Silvesternacht läuten um Mitternacht alle Glocken für eine Viertelstunde

Di 24.11.

Yehudi Menuhin und Leonhard Bernstein zur Vergänglichkeit.

Yehudi Menuhin, (* 22. April 1916 in New York; † 12. März 1999 in Berlin) war Violinist, Bratschist und Dirigent. Er zählt zu den bedeutendsten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts, hat immer positiv gedacht: „Ich glaube fest daran, dass gute Musik das Leben verlängert.“
Er wuchs in New York und Paris auf. Seine Karriere führte ihn schließlich um die ganze Welt. Allein im Alter von 19 Jahren gab er 110 Konzerte auf einer gefeierten Welttournee.
Albert Einstein sagte einmal nach einem Konzert des jungen Menuhin: „Nun weiß ich, dass es einen Gott im Himmel gibt!“.
Leonard Bernstein (geboren am 25. August 1918 in Lawrence, Massachusetts; gestorben am 14. Oktober 1990 in New York City,) war Komponist, Dirigent und Pianist.

23.11.
Ein Lebkuchengedicht
(Verfasser mir nicht bekannt)

Pfefferkuchen, o wie fein,
neun Gewürze müssen`s sein.
Sie haben alle fremde Namen,
ich sag euch, woher sie kamen.
Ob China, Indien, Sansibar,
ob es Ägypten, Zypern war,
in alter Zeit schon hoch begehrt,
war`n sie so viel wie Gold wohl wert.
Auf vielen alten Handelswegen
kamen sie zu uns, ach, welch ein Segen.
Sonst gäb es keinen Pfefferkuchen,
den wir so gerne doch versuchen:
mit Ingwer, Zimt, Piment, Muskat,
Anis und Fenchel schön parat,
auch Kardamon gehört hinein,
Koriander, feins Nägerlein (Nelken).
Es sind dann neun aus aller Welt,
zu Gottes Lob und unserm Wohl bestellt.

22.11.20

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr, der Totensonntag, der auch den Namen „Gedenktag der Entschlafenen“ bzw. „Ewigkeitssonntag“ hat (in der katholischen Kirche „Christkönig“) war ein Thema für einen ZDF-Beitrag in der „Drehscheibe“ am 29. Oktober über die Feiertage im November und den Totensonntag. Die Produktionsfirma hat mir das nicht verwendete Drehmaterial zur Verfügung gestellt: Aufnahmen im gemeinsamen Hof der beiden St.-Ulrichs-Kirchen in Augsburg.

21.11.20
Erich Kästner (1899 – 1974)

EXEMPLARISCHE HERBSTNACHT

Nachts sind die Straßen so leer.
Nur ganz mitunter
markiert ein Auto Verkehr.
Ein Rudel bunter,
raschelnder Blätter jagt hinterher…
Nachts sind die Straßen so leer.
Die Lampen brennen nicht mehr.
Man geht und möchte nicht stören.
Man könnte das Gras wachsen hören,
wenn Gras auf den Straßen wär.
Der Himmel ist kalt und weit.
Auf der Milchstraße hat’s geschneit.
Man hört seine Schritte wandern,
als wären es Schritte von andern,
und geht mit sich selbst zu zweit.
Nachts sind die Straßen so leer.
Die Menschen legten sich nieder.
Nun schlafen sie, treu und bieder.
Und morgen fallen sie wieder
übereinander her.

20.11.

Der Bodensee
Von Emanuel von Bodman

Weithin weht der Glockenklang
Von den Türmen nieder,
Und der See hallt süß und bang
Das Geläute wider —

Wie wenn die versunkne Zeit
In der blauen Tiefe
Angerührt zu Lust und Leid
Aus dem Schlafe riefe.

Gesellschaftslied auf dem Bodensee
Von Gustav Schwab

Stimmt an den Sang, die grünen Wogen lauschen
Im alten Schwabenmeer,
Sobald ihr singt, beginnen sie zu rauschen
Und hüpfen um euch her…

Das Land ist stumm, das Ufer unbesungen,
Versunken ist die Lust –
Doch aus den Wassern hat sie sich geschwungen
Und lebt in unsrer Brust…

Der Ruderschlag verstärkt den Schlag der Herzen,
Freundschaft und Lieb‘ erwacht;
O blickt umher, wie kühn die Wellen scherzen,
Drum scherzt auch ihr und lacht…

Und heller glänzet im Vorüberschweben
Der Thurm von Dorf und Stadt,
Die Firnen glühn, die niedern Hügel beben
Umwallt von Blüt‘ und Blatt…

Die Wonne wacht und alle Sorgen schlafen:
Doch ist des Glücks zuviel;
Die Sonne sinkt, es öffnet sich der Hafen,
Ach, schon sind wir am Ziel..

So süße Fahrt lasst uns durchs Leben träumen,
Da lebt sich’s noch so gern;
Und wenn’s auch stürmt, wenn bleich die Wogen schäumen,
Der Hafen ist nicht fern!

19.11.

Der 19. November ist Gedenktag der heiligen Elisabeth, auch bekannt als „Elisabeth von Ungarn“ oder „Elisabeth von Thüringen“. Ich lasse dazu „Athena, das neunmalkluge Kätzchen“ erzählen und zeige Darstellungen der Elisabeth, vor allem auf der Wartburg: Fresken Moritz von Schwinds und die leuchtenden Mosaiken in der Elisabeth-Kemenate von August Oetken
Den berühmten Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ variiere ich heute so: „Liebe deinen Nächsten, er ist wie du – Liebe deine Nächste, sie ist wie du.“

18.11. Buß- und Bettag

Mit Aufnahmen bei und in der evangelischen St.-Ulrichskirche in Augsburg

17.11.

Hermann Hesse
Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

16.11.

Heinrich Seidel (1842-1906)
November

Solchen Monat muss man loben;
Keiner kann wie dieser toben,
keiner so verdrießlich sein,
und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ´ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
wie sie tanzen in dem Wind
und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
und die durcheinanderwirbelt
und sie hetzt ohn´ Unterlass;
Ja, das ist Novemberspaß!

15.11.

Psalm 91
Trotz allem und gerade jetzt: Gottvertrauen – Urvertrauen!
1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
2 der spricht zu dem HERRN: / Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.
4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, / und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
5 dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,
6 vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
7 Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite / und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.
9 Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.
10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.
11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
(Der Beter hört jetzt eine Stimme von oben. Hier habe ich auch für die betende Frau mitgehört:)
14 »Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; sie kennt meinen Namen, darum will ich sie schützen.
15 Sie ruft mich an, darum will ich sie erhören; / ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.
16 Ich will ihn sättigen mit langem Leben. Ich will ihr zeigen mein Heil.«

14.11

Erich Kästner
Der November
Ach, dieser Monat trägt den Trauerflor …
Der Sturm ritt johlend durch das Land der Farben.
Die Wälder weinten. Und die Farben starben.
Nun sind die Tage grau wie nie zuvor.
Und der November trägt den Trauerflor.
Der Friedhof öffnete sein dunkles Tor.
Die letzten Kränze werden feilgeboten.
Die Lebenden besuchen ihre Toten.
In der Kapelle klagt ein Männerchor.
Und der November trägt den Trauerflor.
Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freunde, und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor.
Und der November trägt den Trauerflor …

13.11.

Luthers Leben im Alter
Wie‘s nun mal ist auf dieser Erden,
ändert sich was beim Älterwerden.
Gesundheitlich schwer angeschlagen,
musste auch Luther dies ertragen.
Er ist – nachdem ihm viel geglückt –
mehr in den Hintergrund gerückt.
Was er gesät, ward nun lebendig;
sein Drängen war nicht mehr notwendig.

Doch gab‘s – bei Luthers Kampf-Natur –
vom Ruhigsein noch keine Spur!
Er hat als Seelsorger fungiert
und viele Schriften publiziert.
Er richtete sein Augenmerk
auf Vorträge in Wittenberg,
die er noch hielt mit Leidenschaft
bis ihn der Tod dahingerafft.

Die Schriften waren teils politisch
und immer ausgesprochen kritisch.
Er schrieb – ganz klar – auf seine Weise,
kurz formuliert hier beispielsweise,
dass immer zu beachten sei,
Kirchen- und Reichsrechte sind ZWEI.
Die Kirche wäre deshalb nicht
zum Kriegsaufrufen in der Pflicht.

Der Kampf fordernde Türken-Streit
wär‘ eine Angelegenheit,
der weltpolitisch starken Macht!
Luther hat wohl nicht dran gedacht,
dass bei den Kreuzzügen ganz klar
die Kirchen-Meinung anders war.
Christen – hört‘ man ihn später sagen –
sollten nicht zögern, dreinzuschlagen!

Schriften will ich hinzu noch fügen
»Von Juden und von ihren Lügen«.
Dies schrieb er fünfzehndreiundvierzig.
(Ja, auch ein weiser Mann verirrt sich.)
Ein Jahr darauf schrieb er dann schon
frech: »Wider das Papsttum in Rom«.
Dies hätte – schrieb er unumwunden –
höchstselbst der Teufel dort erfunden.

Mit einem Herzleiden belastet,
hat Luther trotzdem nicht gerastet.
In Eisleben lagen zurzeit
Mansfelder Landgrafen im Streit.
Um diese strittigen Geschichten
dort als Vertrauensmann zu schlichten,
ging er fünfzehnviersechs dort hin
mit einem Kompromiss im Sinn.

Luther hat dort das Blatt gewendet –
und mit Erfolg den Streit beendet.
Nachdem die Schlichtung er geschafft,
besaß er dann nicht mehr die Kraft,
sich mit der Mühsal zu beschweren
nach Wittenberg zurückzukehren.
Im selben Jahr im Februar
er friedlich dort gestorben war.

Den Leichnam hat man mit Bedacht
zurück nach Wittenberg gebracht.
Am Ort, wo er begann sein Werk
– der Schlosskirche zu Wittenberg –
wo Luther wirkte bis zuletzt,
hat man ihn schließlich beigesetzt.
Für seine reine Kirchenlehre
gibt man ihm dort bis heut‘ die Ehre.

© Arno Hildebrandt

12.11.

Luthers Eheleben

Luther hat selbst erst nicht gedacht,
welch großen Glücksgriff er gemacht
als Katharina er gefreit!
Sie stand zu ihm zu jeder Zeit.
Sie sorgte – dies war ihr Bestreben –
Für ein geregelteres Leben!

Chaotisch hatte er gelebt
und sie war sorgenvoll bestrebt,
in klare Bahnen ihn zu lenken;
denn Luthers Zustand gab zu denken!
Da Luther bislang kaum gerastet,
war psychisch – physisch er belastet.

Zu Krankheiten kam’s mit den Jahren,
welche zum Teil schon chronisch waren.
Mit Hartleibigkeit, Magenschmerzen
nebst Nierenweh war nicht zu scherzen.

Schwindelanfälle, Tinnitus,
verdarben ihm manchen Genuss.
Dazu kam noch Schwerhörigkeit –
Angina pectoris als Leid.
Sie war bemüht, Stress zu verhindern
um Luthers Leiden so zu lindern.

Das Kloster hat sie mit Bedacht
zum wohnlich trauten Heim gemacht.
Von ihrem Eifer ganz gebannt,
hat er „Herr Käthe“ sie genannt.
Sie ließ entstehen in der Tat
hier ein Studenteninternat.
Man nannte sie, im besten Sinn
– voll Hochachtung – die „Lutherin“.

Trotz Arbeit musst‘ Luther mitnichten
auf eheliches Glück verzichten!
Durch sie erfuhr Luther – zwar spät –
Das Glück der Sexualität.
Drei Mädchen und dazu drei Knaben
sie nach und nach bekommen haben!

Man liest, Luther hatte zuhauf
durchaus recht flotte Sprüche drauf!
Wenn er mal in Gesellschaft war,
sprach er selbst über Sex sogar.
Ein Lutherspruch beweist das hier;
er sagte: „Alle Wochen zwier, (zweimal)
das schadet weder dir noch mir
und macht im Jahre hundertvier“.

© Arno Hildebrandt

11.11.

Luther heiratet Katharina von Bora
(Episoden aus dem Leben Luthers 13/15)

Nachdem der kleinen Nonnenschar
die Klosterflucht gelungen war
und man sie auf dem Weg so hart,
– doch heil – nach Wittenberg gekarrt,
hat jede dort nach ein paar Stunden
auch eine Unterkunft gefunden.
Zumeist im Haushalt halfen sie
als Dank für Kost sowie Logis.

Ein Ziel war jetzt vor allen Dingen,
unter die Haube sie zu bringen.
Sie brauchten nach der Klosterzeit
die menschliche Geborgenheit.
Die Männer, die‘s zurzeit gegeben,
standen meist schon im Eheleben.
Doch Mönche, die auch ausgetreten,
waren in großer Zahl vertreten.

Nach einer Weile fand sich dann
für jede doch ein Ehemann.
Alleine Katharina bloß
war noch bis dato Ehelos.
Luthers Vertrauter – Melanchton –
Der ja im Stand der Ehe schon,
wies Luther auf die Jungfrau hin,
sie wär‘ die rechte Frau für ihn!

Kann sein, dass Luther da zu bange,
weshalb er zögerte so lange?
Doch dann hatte er‘s aufgegeben
noch länger als ein Mönch zu leben.
Bei Luther – zweiundvierzig jetzt –
hat sich die Einsicht durchgesetzt.
Und Katharina – recht gelehrt –
hat Luther ja schon lang verehrt.

Im Jahre fünfzehnfünfundzwanzig
– Sie selbst war da schon sechsundzwanzig-
ward Martin Luther mit der Braut
in kleinem Freundeskreis getraut.
Sie hieß nun Katharina Luther.
Als Eheweib – später als Mutter –
mit Qualitäten groß an Zahl
erwies sie sich als beste Wahl!
© Arno Hildebrandt

10.11.

Luther als Nonnen-Fluchthelfer
Fünfzehndreiundzwanzig war
ein recht schicksalhaftes Jahr
für zwölf nachdenkliche Nonnen
die dem Kloster keck entronnen.
Eine, die den Ort verließ,
Schwester Katharina hieß
– von Bora – denn sie war von Adel.
Ein aufgewecktes, kluges Madl.

Sie war ein Teenager ja noch
und litt unter der Regeln Joch.
Von Luthers Schriften – oft gelesen –
ist sie begeistert gleich gewesen.
Sie schrieb an Luther einen Brief,
in dem sie ihn um Hilfe rief.
Denn manche hielten‘s hier nicht aus
und schwierig war der Weg hinaus!

Luther zeigte sich hilfsbereit.
Zur heimlich ausgemachten Zeit
stand nahe bei den Klostermauern
die Lieferkarre eines Bauern.
Zwölf Nonnen in der schwarzen Tracht
huschten durch diese dunkle Nacht,
versteckten sich auf diesem Wagen,
der große Fischfässer getragen.
Mit einer Plane abgedeckt
waren die Nonnen gut versteckt.

Drei stiegen schon in Torgau aus,
denn in dem Ort warn sie zu Haus.
Dann gings auf holperigen Wegen
dem Städtchen Wittenberg entgegen.
In Wittenberg – trotz Mut voll Bangen –
wurden sie freundlich doch empfangen.
Wichtig war nun vor allen Dingen,
die Jungfrauen unterzubringen!

Diese Aktion war sehr riskant,
denn jedem war durchaus bekannt,
dass auf Entführungen ganz klar
die Todesstrafe üblich war.
Trotzdem hatte man sich beeilt
und sie in Haushalte verteilt.
Auch Katharina war darunter; –
sie kam bei Lukas Cranach unter.

© Arno Hildebrandt

9.11.

Auswirkungen auf die Klöster

Was Karlstadt – doch recht rabiat –
zuvor bereits gefordert hat,
war Luther in der Form zu hart.
Er wollt‘s auf maßvollere Art.
Die Zölibat-Regelungsfragen
lagen ihm lang schon quer im Magen.
Die Ordensregeln fand er auch
nicht zielführend dort im Gebrauch.

Manche traten ins Kloster ein,
um immer gut versorgt zu sein.
Sie meinten, dass in Klostersphären
sie frömmer als die andren wären.
Solchen hat Luther klar geraten:
Zeigt eure Frömmigkeit durch Taten!
Sonst packt die Kuttentracht in Kisten
und werdet wieder wahre Christen!

Recht viele Menschen an dem Ort
war‘n nicht aus freiem Willen dort.
Als Kind wurde ihr junges Leben
bereits im Kloster abgegeben.
Dafür, dass Eltern dies getan,
gibt man verschied‘ne Gründe an.
Ob ihre Herkunft arm, ob reich –
im Kloster war‘n sie alle gleich.

Und Luther schrieb und sprach es aus:
Armut und Keuschheit reicht nicht aus;
durch Zucht und Ordnung alleweil
erreicht man nicht das Seelenheil!
So sah Luther – der fromme Mann –
Klöster als überflüssig an.
Die Menschen, die in Klöstern waren,
hatten die Kunde auch erfahren.

Mancher zog das Fazit daraus
und trat aus seinem Kloster aus.
Auch Frauenklöster warn betroffen,
jedoch zwecks Austritt nicht so offen.
Die Möglichkeit, die man gesucht,
war letzten Endes nur die Flucht. –
Und diese ist einigen jungen
christlichen Nonnen auch gelungen.

© Arno Hildebrandt

8.11.


Segenswünsche in die USA

Die Bauernaufstände

Missstände gab’s im Land genug!
Luther jedoch nahm stets Bezug
auf kirchliche Missstände nur
und die verurteilte er stur!
Er sprach, ein Christenmensch sei frei –
niemandes Untertan er sei!
Freiheit, wie Luther sie gemeint,
ward missverstanden, wie es scheint.
Luther sah‘s nur beim Klerus kritisch, –
das Volk verstand‘s doch auch politisch.
Die nun entstand’ne Diskussion
führte zur Bauern-Rebellion.
Predigend stellte Luther klar,
dass seine wahre Absicht war,
die Worte Jesu hoch zu halten!
Kein Papst dürfe sie umgestalten.
Auch dadurch waren Luthers Thesen
für Christen wichtig ihm gewesen!
In Süddeutschland, Thüringen, Schweiz,
in Österreich sogar bereits,
sah man in kriegerischen Wirren
Mistgabeln gegen Schwerter klirren.
Auch Thüringer, Sachsen und Schwaben
und Franken sich beteiligt haben.
Man kämpfte für sein eignes Wohl
im Elsass und auch in Tirol.
Luther war darob sehr betrübt.
Druck hat man auf ihn ausgeübt.
Die Obrigkeit hat mit Bedacht
Luther verantwortlich gemacht,
weil er nicht eindeutig und klar
gegen der Bauern Anspruch war.
Dann hatten wilde Bauernhorden
begonnen, Adlige zu morden
und nach siegreicher Weinsberg-Schlacht
den Grafen Ludwig umgebracht.
Die Bauern doch konnten nicht siegen
in diesen weit verzweigten Kriegen.
Waren im Kampf sie noch so mutig,
schlug man sie alle nieder, blutig!
© Arno Hildebrandt

7.11.

Unruhen in Wittenberg

Während Luthers Wartburgzeit,
stand ein anderer bereit.
Karlstadt – der bereits bekannt –
ward zum Prediger ernannt.
Der hat – was Luthers Sinn bewegt –
viel radikaler ausgelegt.

Er wollte – forsch nach Luthers Thesen –
verändern, was bisher gewesen.
Beim Abendmahl führte er ein
die Ausgabe von Brot UND Wein.
Dies war durchaus auch Luther recht;
andres hingegen fand er schlecht.

Man solle – so steht‘s in Berichten, –
auf Bilder Heiliger verzichten,
denn sie gehör‘n – rief Karlstadt aus –
fürwahr nicht in ein Gotteshaus!
Er forderte, man sollt‘ beschließen,
sämtliche Klöster bald zu schließen.
Luthers Kritik am Zölibat
setzte er um mit eigner Tat.

Alles, was vorher schien normal,
wollte er ändern – radikal.
Durch solche Worte aufgehetzt
wurden die Bürger unruhig jetzt.
An manch‘ entstandenem Tumult
waren die Reden Karlstadt‘s Schuld.

Da Luther auch verärgert war,
zudem besorgt, was da geschah,
erkannte er gleich die Gefahr,
die schleunigst zu verhindern war.
Es währte eine Woche lang,
bis dass es Luther schon gelang,
dass, was die Bürger so erregte,
sich durch Berichtigungen legte.

Vom Radikalen distanziert,
hat Luther weiter reformiert.
Unsicherheiten wollt‘ er lindern,
um eine Spaltung zu verhindern.
Karlstadt, mit Prediger-Verbot,
zog dann nach Wörlitz aus der Not.
© Arno Hildebrandt

6.11.

Luther auf der Wartburg
und das Septembertestament
Dort, auf der Wartburg schlich die Zeit
für Luther in der Einsamkeit –
und seine inneren Gedanken
öffneten irreale Schranken.
Manchmal – so heißt es – sah er schon
den Teufel plastisch, als Person.
Sein Freund und Helfer Melanchton
bemerkte Luthers Zustand schon.
Er sprach deswegen Luther an,
sagte: »Du musst was machen, Mann!
Der Bibeltext in deutscher Sprache,
wäre da doch ‘ne gute Sache!«
Luther nahm diesen Vorschlag an.
Er machte sich sofort daran.
Er wurde unverzüglich fleißig.
Sein Alter war da Achtunddreißig.
Man hatte Bücher mit Bedacht
In seine Kammer ihm gebracht.
Mit Griechisch-Kenntnis und Latein
kniete er sich da voll hinein.
Das Neue Testament entstand
in deutscher Sprache, wie bekannt,
in lediglich elf Wochen nur!
Für Luther war‘s ‘ne Seelen-Kur.
Sein Anliegen bei dieser Sache
war eine volkstümliche Sprache.
Sein Ziel, die Texte aufzubauen,
war drum, dem Volk aufs Maul zu schauen.
Es gab in mancher Region
zwar deutschsprachige Bibeln schon;
doch hier entstand ein Bibelband,
den auch ein jeder gut verstand.
Seit fünfzehnzweiundzwanzig kennt
man das »Septembertestament«.
Gedruckt hat dann das große Werk
Melchior Lotter in Wittenberg.
Trotz, dass die Anschaffung die meisten
Bürger sich erst nicht konnten leisten,
ward es, weil‘s nicht nur war für Kenner,
zunehmend mit der Zeit der Renner!
© Arno Hildebrandt

5.11.

Luthers Entführung auf die Wartburg
Die Bannbulle – rein kirchenseits –
mit Ordensausschluss gab’s bereits.
Die dann vom Reich verhängte Acht
hat Luther rechtlos nun gemacht.
Doch Luther hatte nicht nur Feinde
sondern auch gleichgesinnte Freunde.
Der Sachverhalt ward deutlich klar,
als folgendes geschehen war:

Beim Gang nach Wittenberg zurück,
auf einem dunklen Wegestück,
schlich Luther mit ein paar Getreuen
durch einen Wald, den Menschen scheuen.
Der Anstrengungs- und Angstschweiß rann
trotz Gottvertrauen! – Aber dann
fielen Gestalten kreuz und quer
ganz unverhofft über sie her.

Und Luther dachte: »Jetzt ist‘s aus«.
Danach doch stellte sich heraus,
dass Freunde hier gekommen waren
um ihn zu schützen vor Gefahren.
Sie haben heimlich, in der Nacht
ihn auf die Wartburg dann gebracht.
Dort sollte er im Turm allein
vor seinen Häschern sicher sein.

Hinter dem Coup der Luther-Kreise
stand förderlich Friedrich der Weise.
Auf Luthers Seite war ja schon
seit Langem Philipp Melanchthon.
Weltabgeschieden sowieso
weilte er dort inkognito.
Man hat ihn Junker Jörg genannt.
Sein Antlitz war dort nicht bekannt.

Luther litt in Verbannung sehr
und seine Leiden wurden mehr.
Der Kurfürst machte ihm doch klar,
dass dies zum Schutz sehr nötig war.
Das Volk, das lang ihn nicht gesehen,
glaubte, das Schlimmste sei geschehen.
Es hieß, man hätte ihn bei Nacht
Voll Heimtücke wohl umgebracht.
© Arno Hildebrandt
4.11.

Der Bruch mit Rom,
die Exkommunikation Luthers
und seine endgültige Verweigerung
des Widerrufs

Im Jahre fünfzehnneunzehn dann
fing der Disput von neuem an.
Luther erfuhr es im Versteck:
Sein Gegenpart Johannes Eck
wollt‘ Luthers Ansichten in Stücken
in negatives Unrecht rücken.
In Leipzig war die Diskussion
bereits in vollem Gange schon.

Zu diesen speziellen Themen
wollte dort Luther stellungnehmen.
Er sprach – zum Bischofsohrenklirren –
klar aus: »Konzile können irren!«
Bibel versteh’n sei frei, natürlich –
Konzil-Beschlüsse doch willkürlich!
Solch ein damals gewagter Spruch
führte sodann zum Kirchen-Bruch.

Der Papst selbst drohte Luther dann
die kirchliche Verbannung an,
wenn er nach sechzig Tagen Frist
zum Widerruf nicht willig ist.
Luther hat dies nicht anerkannt
und gleich das Dokument verbrannt.
Dann trat die Bannbulle in Kraft
doch nahm man Luther nicht in Haft.

In Worms sprach er dann vorm Kongress
dem Sinn gemäß und unter Stress:
Ich steh‘ vor Gottes Angesicht
und kann hier widerrufen nicht.
Gott helfe mir.« – und »Amen.«
Er sprach‘s in Gottes Namen.
Und Kaiser Karl, der auch dabei,
sprach Martin Luther vogelfrei!

Die Reichsacht, die nun war verhängt,
hat Martin Luther arg bedrängt.
Verboten wurden Luthers Schiften;
sie würden Unruhe nur stiften.
So vogelfrei – doch nicht in Haft –
durfte ein jeder ungestraft
ihn einfach jederzeit erschlagen.
So ging er frei – mit Unbehagen.

© Arno Hildebrandt

3.11.

Luther unter Anklage,
seine Standhaftigkeit und seine Flucht
Da Luthers Wort erfolgreich war,
da sandte Rom Spitzel sogar.
So hat der Klerus schnell gehört,
was ihre Kirchenordnung stört.
Die Theorie der Uni wäre
abweichend von der Kirchenlehre.
Was Luther lehrt, entspräche nie
der Kirchen-Ideologie!
Dies stieß dem Klerus sauer auf!
Man klagte Luther an darauf,
dass er ständiger falscher Lehre
zur Kirchenordnung schuldig wäre.
Zum Zweck, dass er dazu vernommen,
befahl man Ihm, nach Rom zu kommen.
Luther doch hat den Wunsch versandt
für ein Verhör im eignen Land.
Er wurde – und das hat genützt –
von Kurfürst Friedrich unterstützt.
Papst Leo stimmte dem auch zu.
Die zweite Ladung kam im Nu.
Der Reichstag fand in Augsburg statt,
wohin man ihn beordert hat.
Kardinal Thomas Kajetan
führte die Klägergruppe an.
Die Wirksamkeit von Luthers Thesen,
war Grund zur Anklage gewesen.
Ein Widerruf wär‘ seine Pflicht! –
Doch da kannten sie Luther nicht!
Er konterte geschickt dagegen,
man solle ihn erst widerlegen
mit Texten aus dem Testament,
worin die Wahrheit man erkennt.
Das Argument war gut – allein –
die Kläger gingen nicht drauf ein.
Die Weigerung hat Rom genügt
und Luthers Festnahme verfügt.
In Augsburg drohte ihm Gefängnis,
drum floh Luther aus der Bedrängnis.
Freunde haben in jener Nacht
die Flucht ihm leichter auch gemacht,
© Arno Hildebrandt

2.11.

Die Erkenntnisse Luthers
und seine 95 Thesen

Luther las eifrig, vehement,
sorgsam das Neue Testament.
Dabei jedoch stellte er fest,
dass dies sich nicht vereinen lässt
mit dem, was kirchenseits geschah
und was er auf den Straßen sah.
Über den Ablassbrief-Verkauf
regte sich Luther mächtig auf.
Tetzel, den man historisch kennt,
führte das Werbemanagement.
»Sobald das Geld im Kasten klingt,
die Seele in den Himmel springt.«
Luther machte den Leuten klar,
dass dies nicht bibelrichtig war!
Drum hat er Briefe oft versandt,
wodurch er Gleichgesinnte fand.
So stand er durchaus nicht allein;
auch Melanchthon stieg voll mit ein.

Als Luther vierunddreißig dann,
schrieb er – gedacht für jedermann –
ein Fünfundneunzigthesenwerk.
Die Schlosskirche zu Wittenberg
schien ihm der rechte Platz zu sein.
Doch warn die Texten in Latein!

Flyer in Deutsch wurden der Hit!
Luther teilte den Menschen mit,
dass Sündennachlass so nicht geht,
weil‘s anders in der Bibel steht!
Auf ein Geschäft geht Gott nicht ein,
drum lasst das Ablasskaufen sein!

Abgaben war‘n genug zu leisten
und Bauern litten da am meisten –
Adel, Fürsten, Beamtenschaft
lebten von deren Arbeitskraft.
Selbst Geistliche führten daneben
ein sündig-ausschweifendes Leben.

Luther traf eine wunde Stelle:
Die Ablass-Geldeinnahmequelle!
Ein Großteil davon floss nach Rom
zwecks Zuschuss für den Petersdom.
Klar, dass mit dem, was Luther sprach,
er in ein Wespennest hier stach!
© Arno Hildebrandt

1.11. Luthers Leben 1507 – 1512

In seines Priesteramts Verlauf
fiel seine Bibeltreue auf.
Sein Beichtvater – Staupitz genannt –
hatte das Potenzial erkannt
und er empfahl Martin darum
Theologie als Studium.

Der klösterliche Ratsverband
hat Luder nun nach Rom gesandt,
um dort ein Veto einzulegen
einer Zusammenlegung wegen
von Klöstern mit sehr strengen Riten
und Augustiner-Eremiten.
Dieses Ereignis ist gescheh’n
im Jahre fünfzehnhundertzehn.

So weit war er noch nie gereist!
Kritisch sah er nun Rom – das heißt,
dass er über die Sitten jetzt
im Vatikan war recht entsetzt!
Von dem Erlebten abgeklärt
ist er alsbald zurückgekehrt.
Von Erfurt aus führte sein Sinn
alsbald nach Wittenberg ihn hin.

Die Uni dort nahm ihn darauf
sehr gern als Doktoranten auf,
wo er Theologie studierte
und flugs zum Doktor promovierte.
Bibelauslegung war sein Fach
und Staupitz drängte ihn danach,
hier seine Theorie zu lehren.
So kam er zu Professor-Ehren.

Erst jetzt hat er sich – wie bekannt –
namentlich Luther umbenannt.
Luder klang negativ, darum
nannte er sich zu Luther um.
So wurde er fürwahr ein guter
Professor Doktor Martin Luther.

© Arno Hildebrandt