Die Videos vom Januar 2021 mit 13 Beiträgen zu ISLAND

31.1.

Der Kuss  von Gerrit Engelke (1890 – 1918), Dichter aus Hannover, gefallen im Ersten Weltkrieg,

vorgetragen von Ilse Schreiber

Der Menschheit größter Hochgenuss
ist ohne Zweifel wohl der Kuss.
Er ist beliebt, er macht vergnügt,
ob man ihn gibt, ob man ihn kriegt.
Er kostet nichts, ist unverbindlich
und er vollzieht sich immer mündlich.
Hat man die Absicht, dass man küsst,
so muss man erst mit Macht und List
den Abstand zu verringern trachten
und dann mit Blicken zärtlich schmachten.
Die Blicke werden tief und tiefer,
es nähern sich die Unterkiefer.
man pflegt dann mit geschloss’nen Augen
sich aneinander festzusaugen.
Jedoch nicht nur der Mund allein
braucht eines Kusses Ziel zu sein.
Man küsst die Wange und die Hände
und auch noch and’re Gegenstände,
die ringsherum mit Vorbedacht
sämtlich am Körper angebracht.
Auch wie man küsst, das ist verschieden
Im Norden, Osten, Westen, Süden.
So mit Bedacht und mit Gefühl,
der eine heiß, der and’re kühl.
Der eine haucht, der and’re schmatzt,
als ob ein alter Reifen platzt.
Hingegen wiederum der Keusche
vermeidet jegliche Geräusche.
Der eine kurz, der and’re länger,
den längsten nennt man Dauerbrenner.
Ein Kuss ist, wenn zwei Lippenlappen
in Liebe aufeinander klappen
und dabei ein Geräusch entsteht,
als wenn die Kuh durch Matsche geht.

30.1.

Eine Woche lang wird uns Ilse Schreiber aus Oberkochen mit Gedichten erfreuen

Das Eisenbahngleichnis

von Erich Kästner

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug
und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft; ein andrer klagt;
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus, wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür herein
und lächelt vor sich hin.

Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fährt langsam und hält still.
Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit,
und keiner weiß, warum.

Die erste Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und spürt das sehr
Die Mehrheit sitzt auf Holz

Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug
und viele im falschen Coupé.

29.1.

Reykjavik und Abschied

Die Hallgrímskirkja [ˈhatl̥krimsˌcʰɪr̥ca] ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche der Isländischen Staatskirche in der Hauptstadt Reykjavík, das größte Kirchengebäude Islands und das zweithöchste Gebäude des Landes nach dem Smáratorg-Turm. Die Kirche ist das sechstgrößte Bauwerk des Landes.

Die Planungsarbeiten für die Hallgrímskirkja begannen 1929, der Bau 1945. Die Krypta, die sich unter dem Chor befindet, konnte 1948 geweiht werden. Der Kirchturm wurde 1974 fertiggestellt. Erst 1986 wurde das Kirchenschiff vollendet. 60 Prozent der Baukosten wurden durch Spenden aufgebracht. Die Kirche wurde nach dem isländischen Kirchenlied-Dichter Hallgrímur Pétursson (1614–1674) benannt. Auffallend ist die Ähnlichkeit der Betonpfeiler, die sich in großer Zahl um den Turm der Hallgrímskirkja aneinanderreihen, mit Basaltsäulen, einem gängigen Motiv der isländischen Landschaft. Die weiße Farbe soll an die Gletscher erinnern.

Das Innere der Kirche ist als dreischiffige Hallenkirche mit gotischen Merkmalen gestaltet, etwa Kreuzrippengewölbe und Spitzbogenfenstern. Hinter dem Hauptaltar kann man durch zusätzliche Fenster Himmel und Wolken sehen. Die Hallgrímskirkja wurde auf einen Hügel in der Stadt platziert, was ihren 74,5 Meter hohen Turm noch größer erscheinen lässt. Sie prägt so das gesamte Stadtbild Reykjavíks.

Vor der Kirche und in ihrer Mittelachse befindet sich eine Statue von Leif Eriksson, die 1930 zur 1000-Jahr-Feier des Althing Island von den Vereinigten Staaten geschenkt und vom amerikanischen Bildhauer Alexander Stirling Calder geschaffen wurde. Trotz ihrer Dominanz im Stadtbild ist die Hallgrímskirkja nicht die Kathedralkirche der Stadt, sondern die Domkirche (Dómkirkjan) aus dem 18. Jahrhundert im Stadtzentrum.

Der Turm trägt drei große Glocken und ein Glockenspiel mit 29 Glocken. Im Dezember 1992 wurde die große Konzertorgel der Kirche eingeweiht, erbaut von Johannes Klais Orgelbau in Bonn. Sie verfügt über einen mechanischen Spieltisch mit vier Manualen und Pedalwerk, 72 Register und 5275 Pfeifen. Ein Teil der Bestuhlung ist flexibel, so dass bei Konzerten, die eine größere Besetzung oder ein Orchester erfordern, der Umbau möglich ist.

Perlan (isl. die Perle) ist ein Warmwasserspeicher in Islands Hauptstadt Reykjavík. Er wurde von Ingimundur Sveinsson entworfen und 1991 eröffnet. Von hier aus wird die Stadt mit Warmwasser versorgt, auch die im Winter beheizten Gehwege und Straßen.

Perlan befindet sich am Hügel Öskjuhlíð südlich des Stadtzentrums beim Flughafen Reykjavík. An der Stelle befanden sich schon mehrere Jahrzehnte lang Warmwasserspeicher. Nach Plänen, die bis in das Jahr 1930 zurückreichen, wurden die sechs Aluminiumtanks mit einer Glaskuppel überdacht. Lampen erzeugen die Illusion eines Sternenhimmels, Spiegel reflektieren den Himmel und so öfter auch Polarlichter in das Innere des Gebäudes. In dem Gebäude wurde zudem ein künstlicher Geysir errichtet, der alle paar Minuten ausbricht.

Einer der Tanks wurde trockengelegt und beherbergte bis 2014 ein Saga-Museum. Am Dach der Tanks befindet sich eine Aussichtsplattform, die einen Blick über Reykjavík und weit in das Land hinein erlaubt. Im obersten Stockwerk befindet sich ein Drehrestaurant, so dass man beim Essen ebenfalls den Rundblick genießen kann.

Seit Juli 2017 befindet sich im Gebäude das Museum der Naturwunder Islands mit einem künstlichen Gletscher samt Eishöhle

28.1.

Bei Islands Wasserfällen lasse ich Bilder und kurze Videos sprechen zusammen mit einem Satz aus Händels Wassermusik.

Zu Beginn mit Video und einigen Fotos der Gullfoss [‚kʏtl̥ˌfɔsː] (isl. gull = „Gold“, foss = „Wasserfall“) ist ein Wasserfall des Flusses Hvítá im Süden Islands.

Der Wasserfall gehört mit Þingvellir und den benachbarten Geysiren zum sogenannten Golden Circle der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Islands.

Seine durchschnittliche Wasserführung beträgt etwa 109 m³/s, im Sommer etwa 130 m³/s. Der größte bisher gemessene Abfluss betrug 2000 m³/s. Der Wasserfall besteht aus zwei Stufen, von denen die erste 11 m und die zweite 21 m Höhe besitzt. Diese beiden Kaskaden stehen rechtwinklig zueinander.

Dass es diesen Wasserfall noch gibt, ist dem Einsatz von Sigríður Tómasdóttir vom nahegelegenen Hof Brattholt zu verdanken, die um 1920 gegen den Bau eines Elektrizitätswerks am Wasserfall anging.

Das letzte Video zeigt den Dynjandi, zu deutsch „der Dröhnende, Tobende, ein Wasserfall in den Westfjorden. Er ist 100 m hoch und breit aufgefächert.  Der Wasserfall hat oben eine Breite von 30 m, unten hingegen von 60 m.

27.1.

Nacht.

Mit Fotos vom einfachen Leben in Island, z.B. aus dem Torfhausmuseum, der romantische Text „Nacht“ in den vier Jahreszeiten von Sigríðar Einars frá Munaðarnesi (1893 – 1973).

Am Ende frage ich: wie bereitet ihr euch auf die Nacht vor?

26.1.

Fumarolen und Geysir Strokkur. Islands Geothermie.

Fumarolen entstehen, wenn sich in der Tiefe nur wenig Wasser befindet. Durch den fehlenden Druck wird das Wasser vor seinem Austritt vollständig in Dampf umgewandelt. Fumarolen werden durch die Temperatur und Art der Gase, die aus ihnen austreten, klassifiziert. Die Temperaturen der Gase können zwischen 200 °C und 800 °C liegen. Die meisten Fumarolen scheiden zwar reinen Wasserdampf aus, oft treten aber auch andere vulkanische Gase aus, die sich teilweise an der Austrittsstelle abscheiden. Durch Oxidation und thermophile (wärmeliebende) Bakterien entsteht so die für Fumarolen charakteristische bunte Färbung. Exhalationen, die reich an Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff sind, werden Solfataren genannt; Kohlendioxid-Exhalationen heißen Mofetten. In der Umgebung von in Bodensenken liegenden Mofetten kann sich das Kohlendioxid anreichern, da es schwerer ist als Luft, und so bei Tieren und Menschen zum Tod durch Erstickung führen.

Durch Veränderungen können Fumarolen vulkanische Aktivität anzeigen. Wenn ihre Temperatur zunimmt oder sich die Zusammensetzung des austretenden Gases drastisch ändert, kann dies ein Indiz für einen neuen Vulkanausbruch sein. So stiegen die Temperaturen der Fumarolen auf der Insel Vulcano, die seit über 100 Jahren ruhig ist, zwischen 1986 und 1993 von 300 °C auf über 700 °C an, was große Besorgnis auslöste. Erst als die Temperaturen wieder sanken, konnte Entwarnung gegeben werden.

In der Regel sind Fumarolen, ebenso wie die anderen Exhalationen, postvulkanische Erscheinungen; ihre Existenz deutet dann auf abklingenden Vulkanismus hin.

Geysir Strokkur

Der Große Geysir springt nur noch gelegentlich. Wir besuchen den Strokkur: Seine Ausbrüche erfolgen regelmäßig im Abstand von ca. 10 Minuten und manchmal bis zu dreimal kurz hintereinander. Die kochende Wassersäule des Strokkur erreicht eine Höhe von 25 bis 35 Meter

Die Funktionsweise eines Geysirs war lange Zeit unerklärt. Erst im Jahr 1846 konnte Robert Bunsen bei einer Reise nach Island den Geysir erkunden und seine Funktion wissenschaftlich erklären.

Springquellen, die Geysire genannt werden, entstehen, wenn sie einen verhältnismäßig engen Eruptionskanal haben. Durch Magma aufgeheiztes Sickerwasser wird aufgrund des Drucks der Wassersäule im Eruptionskanal auf weit über 100 °C aufgeheizt ohne zu kochen. Einzelne Blasen steigen auf, und pressen einen Teil des Wassers heraus. Dadurch fällt der Druck ab und das überhitzte Wasser verwandelt sich schlagartig in Wasserdampf, der das noch übrige flüssige Wasser nach oben durch die Spalte presst. Bei einer solchen Eruption kann das Wasser bis zu 100 Meter in die Luft geschleudert werden.

Im Falle des Großen Geysirs konnte als Quelle ca. 20 m unter der Erdoberfläche ein Heißwasserstrom mit 127 °C Temperatur ermittelt werden.

Nicht gezeigt habe ich hier die vielen heißen Quellen, die für ganz Island die Energie liefern.

Montag, 25.1.

Der Eyjafjallajökull  [ˈɛɪjäˌfjätläˌjœːkʏtl̥] ist der sechstgrößte Gletscher Islands.

Er liegt an der äußersten Südküste, die größte Höhe beträgt 1651 m. Unter dem Gletscher befindet sich der Vulkan Eyjafjöll mit eigener Magmakammer, der seit der Besiedelung von Island in den Jahren 920, 1612 (oder 1613), 1821 bis 1823 und zuletzt im Jahr 2010 aktiv war.

Die Eiskappe des Eyjafjallajökull bedeckt etwa 78 Quadratkilometer und reicht bis auf eine Höhe von etwa 1000 Meter hinunter.

Der höchste der Gipfel ist der 1651 Meter hohe Guðnasteinn.

Beginnend mit dem 20. März kam es zu mehreren Eruptionen des Vulkans mit einem großen Ausstoß an Asche. Weil keine Vergleichswerte existierten, wurde der Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa in weiten Teilen und für mehrere Tage eingestellt. Infolge der Erfahrungen mit dem Ausbruch wurden noch 2010 Grenzwerte festgelegt, die nur in der unmittelbaren Umgebung des Vulkans überschritten worden waren. Die Flugverbote stellten sich also im Nachhinein als unbegründet heraus.

Der Vatnajökull [‚vahtnaˌjœˑkʏtl̥] (isl. für „Wassergletscher“) ist der größte Gletscher Islands und zudem außerhalb des Polargebiets auch der größte Europas. Seine Fläche beträgt rund 8.100 km², was etwa 9 % der Fläche Islands entspricht. Das Eisvolumen wird auf über 3.000 km³ geschätzt.

Die Mächtigkeit der Eisschicht beträgt bis zu 900 Meter. Einige der aktivsten Vulkane der Insel liegen unter dem Gletscher und zwischen ihnen ein ca. 500 bis 800 m tiefes Tal. Seit September 2004 liegen über 50 % des Vatnajökull im Skaftafell-Nationalpark. 2008 wurde das Gebiet des Gletschers in den neu gegründeten Vatnajökull-Nationalpark eingegliedert, der nun der größte Nationalpark Europas ist. Im Süden des Vatnajökull-Nationalparks befindet sich der Morsárfoss, der höchste Wasserfall Islands.

Wie viele andere Gletscher Islands entstand der Vatnajökull vor etwa 2.500 Jahren. Zur Zeit der Landnahme im 9. Jahrhundert n. Chr. war der Gletscher bedeutend kleiner als heute. Im 15. Jahrhundert begann die sog. Kleine Eiszeit, die in Island bis ca. 1890 dauerte. Der Vatnajökull vergrößerte sich infolgedessen. Seit einigen Jahren verliert der Vatnajökull wie die meisten Gletscher an Größe, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts genaugenommen um 10 %, d. h. ca. 300 km³, was einen Beitrag um 1 mm zur derzeitigen Anhebung des Meeresspiegels bedeutet.

24.1.

Die Küsten Islands – und eine Text-Aufgabe für euch

Der Skeiðarársandur ist ein Sander, d. h. eine Schwemmlandebene, an der Südküste Islands. Über den Sander fließen fünf Flüsse neben etlichen kleineren Gewässern. Die Skeiðará war das bedeutendste Hindernis beim Bau der isländischen Ringstraße. Erst 1974 konnte diese durch eine 904 m lange Brücke ganz geschlossen werden. Es handelt sich um die derzeit längste Brücke in Island. Sie wurde 1996 bei dem letzten großen Gletscherlauf, ausgelöst durch einen Vulkanausbruch der Grímsvötn, durch Wassermassen und Eisblöcke vorübergehend zerstört, aber gleich darauf wiederhergestellt. Der Skeiðarársandur bedeckt eine Fläche von 1000 km². Die Küstenlinie des Sanders ist 56 km lang (von Hvalsík bis Hnappavallaós).

Ingibjörg Haraldsdóttir (* 21. Oktober 1942 in Reykjavík, Island; † vor 8. November 2016) war eine isländische Schriftstellerin. Nach dem Abitur ging sie nach Moskau und studierte an der dortigen Filmhochschule. Danach arbeitete sie von 1970 bis 1975 als Regisseurin am Teatro Estudio in Havanna, Kuba. 1975 kehrte sie nach Island zurück und arbeitete als Journalistin und Filmkritikerin. Ab 1981 arbeitete sie fast nur noch als unabhängige Schriftstellerin und Übersetzerin. Ingibjörg begann früh zu schreiben. 1974 erschien ihr erster Gedichtband Þangað vil ég fljúga. Insgesamt hat sie sechs Gedichtbände herausgegeben.

Ihre Gedichte wurden in zahlreiche Sprachen, u. a. ins Deutsche, übersetzt. Hier ihr Gedicht Anfang:

Geboren bin ich im grauen Haus

Im blauweißen Land hinter dem Meer

Lang her an einem Oktobertag

 

im Land gab es einen Wald

gewaltig und alt und dunkel

und Geister ritten vorbei dort

 

abends am Strand kam ein Vogel

und sang mir Lebenslieder

während Wellen zerbrachen am Fels

 

durchs Haus stob eine Bö von Sagen

und die Erfindung von der Welt und mir

begann dort an einem Oktobertag…

Als Anerkennung ihrer Leistung erhielt sie zahlreiche Preise. Auch ihre Übersetzungen, vor allem von Dostojewski, wurden als preiswürdig empfunden.

Jetzt kommts: Wer macht mit, den eigenen Anfang mit 12 Zeilen zu beschreiben? Schickt mirs auf info@ernstburmann.de mit einem Foto oder Video und der Freigabe zu, dann wird’s in dieser Videoreihe veröffentlicht Ende Januar, Anfang Februar.

Gern auch ohne Freigabe und damit ohne Veröffentlichung oder ohne Foto, aber mit Veröffentlichung. Bin gespannt auf eure Texte.

23.1.

Die Farben Islands und seine Nationalhymne:

Lofsöngur (deutsch Lobgesang) ist der Name der isländischen Nationalhymne. Am 2. August 1874 wurde das tausendjährige Jubiläum der Besiedlung Islands gefeiert. Während eines Festgottesdiensts in der Domkirche von Reykjavík, in Anwesenheit des dänischen und damit damals isländischen Königs Christian IX. wurde der Lofsöngur von einem gemischten Chor uraufgeführt. Der Liedertext von Matthías Jochumsson knüpft an den Inhalt des 90. Psalms der Bibel an. In der Folgezeit gewann das Lied allgemeine Beliebtheit als Nationalhymne und wurde als solche bei der Erlangung der Souveränität 1918 aufgeführt. Offiziellen Status erlangte die Hymne aber erst durch ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahre 1983.

Zuvor wurde oft das Lied „Eldgamla Ísafold“ von Bjarni Thorarensen auf die Melodie „God Save the Queen“ als Nationalhymne gesungen. Es erschien aber unangebracht, dieselbe Melodie wie Großbritannien als Nationalhymne zu verwenden.

Das Lied hat drei Strophen, als Nationalhymne wird nur diese erste Strophe gesungen.

Oh, Gott unseres Landes! Oh, unseres Landes Gott!
Wir verehren deinen heiligen, heiligen Namen!
Aus den Sonnensystemen der Himmel weben deine Krone
deine Heerscharen, der Zeiten Versammlung!
Für dich ist ein Tag wie tausend Jahre,
und tausend Jahre ein Tag, nicht mehr,
ein Blümchen der Ewigkeit mit zitternden Tränen,
das zu seinem Gott betet und stirbt.
Islands tausend Jahre,
Islands tausend Jahre,
ein Blümchen der Ewigkeit mit zitternden Tränen,
das zu seinem Gott betet und stirbt…

Oh, Gott, oh, Gott! Wir verneigen uns
und opfern dir brennende, brennende Seelen,
Gott Vater, unser Herrgott von Generation zu Generation,
und wir beten unsere heiligsten Gebete.
Wir beten und danken für tausend Jahre,
denn du bist unsere einzige Zuflucht.
Wir beten und danken mit zitternden Tränen,
denn du bist unser Schicksal.
Islands tausend Jahre,
Islands tausend Jahre,
in der kalten Morgendämmerung fallende Tränen,
von der scheinenden Sonne gewärmt.

22.1.

Einige Tierarten und Pflanzen aus Island, mehr siehe bei www.guidetoiceland.is

Vor der menschlichen Besiedlung waren Polarfüchse das einzige Landsäugetier, das in Island lebte. Während der letzten Eiszeit wanderten sie übers gefrorene Meer zur Insel und blieben dort, als das Eis vor über 10.000 Jahren schmolz. Sie ernähren sich von Eiern, Vögeln, wirbellosen Tieren und Beeren.

Robben nutzen die isländischen Ufer seit Jahrtausenden, um sich zu vermehren und sich zu häuten. Das kalte fruchtbare Wasser und die langen felsigen Küstenstreifen ermöglichten die Entwicklung großer Kolonien, bevor der Mensch überhaupt einen Fuß an diese Stelle setzte. Ihre Anzahl und Furchtlosigkeit gegenüber Menschen waren ein Segen, als die ersten Siedler eintrafen; die Robben versorgten die Ankömmlinge mit lebenswichtigen Ressourcen (von Nahrung über Kleidung bis hin zu Öl) und halfen mit, das karge Land bewohnbar zu machen.

Papageientaucher gelten in den meisten Teilen der Welt als seltene Vögel, aber in Island gibt es eine Fülle von ihnen. Ihre Ankunft im April und Mai markiert den Beginn des Sommers, und sie sind in vielen Gegenden des Landes bis August aus nächster Nähe zu bestaunen. Etwa 60 Prozent der Weltpopulation der Papageientaucher brüten in den Klippen Islands; es gibt Millionen von Brutpaaren. Sie verabschieden sich im August. Ihr Winterquartier ist im nördlichen Atlantik nach Süden bis Nordafrika, aber auch das westliche Mittelmeer.

Ich zeige noch die Küstenseeschwalbe. Die Küstenseeschwalbe ist der Zugvogel mit dem längsten Zugweg, weil sie als Tagjäger die Sonne mag. Ihre Winterquartiere liegen am Rand der antarktischen Packeiszone zwischen dem 55. und 70. südlichen Breitengrad im Süden des Atlantischen und Indischen Ozeans, in der Weddell-See und vor der Antarktis. Die Vögel legen auf ihrem Zug von den arktischen Brutplätzen in die antarktischen Überwinterungsgebiete und retour eine Strecke von bis zu 30.000 km zurück – fast einmal um die Erde. Jüngere Forschungen ergaben, dass einzelne Individuen bis 90.000 km in einem Jahr zurücklegen. Eines von 29 mit Sensoren ausgestatteten Tieren von den englischen Farne-Inseln legte innerhalb von 10 Monaten einen Weg von 96.000 km zurück.

Islandpferde unterscheiden sich erheblich von ihren Artgenossen. Auf den ersten Blick scheint es, als seien sie lediglich kleiner – es zeigt sich jedoch, dass sie auch geselliger, neugieriger und intelligenter sind als andere Pferde.

Zur Zeit der Besiedlung Islands von Norwegen her konnte lediglich ein Pferd pro Langboot befördert werden, und da viele der frühen Siedler wohlhabende Häuptlinge waren, nahmen sie jeweils das beste aus ihrem Bestand mit. So verfügte Island am Ende der Besiedlungszeit über eine gesunde Population der robustesten, stärksten und intelligentesten Pferde aus Norwegen.

Während die meisten Rassen auf der Welt über drei oder vier „Gangarten“ (Laufstile, wie Trab und Galopp) verfügen, beherrschen Islandpferde fünf. Ihre einzigartige Gangart – der „Skeid“ – ist ein bequemer Stil, der sich aufgrund des rauen isländischen Geländes entwickelt hat und eine rasche Beschleunigung ermöglicht.

Islandmoos ist eine sehr langsam wachsende Flechte, die auch zu Therapiezwecken genutzt wird.

Das Foto am Schluss zeigt unser Pudelmädchen Katta, als sie mit 2 Monaten Mitte März, zu Beginn des ersten Lockdowns, zu uns kam. Jetzt ist sie ein Jahr alt, weiterhin ein Augenschmaus.

21.1.

Wo der Gletschersee Jökulsárlón in die Nordsee abließt, liegen auf schwarzem Vulkansand die kleinen und größeren Eisberge, der Diamantstrand. Stundenlang kann mans betrachten und flanieren und fotografieren. Im Video kommt dazu Musik aus dem Konzerthaus Harpa und ein Jugendchor mit Hahnenschrei.

20.1.

Der Jökulsárlón ist der bekannteste  Gletschersee in Island. Er liegt am Südufer der Insel, am Südrand des größten Gletschers, des Vatnajökull. Mit 284 Metern ist er der tiefste See Islands. Seine Fläche beträgt etwa 18 km² und hat sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt. Der Jökulsárlón ist bekannt für die auf ihm treibenden Eisberge, die eine Höhe von bis zu 15 Meter erreichen. Sie kalben an der Gletscherzunge.

Oft sind Farbunterschiede in den Eisbergen zu beobachten. Das Blau rührt von verschiedenen Kristallen im Eis und deren Reflexion her, das Schwarz von vulkanischer Asche, faszinierend ist das durchsichtige Eis, das zum Schlecken angeboten wird

Der kurze Fluss aus diesem See heißt Jökulsá á Breiðamerkursandi, wie auch viele andere Flüsse in Island Jökulsá („Gletscherfluss“) heißen. Er wird von einer Brücke der Ringstraße überspannt, die direkt neben dem See verläuft. Wegen der Meeresbrandung sind die Brücke und die Ufer der Jökulsá stark befestigt.

Abhängig von den Gezeiten ist die Strömung der Jökulsá unterschiedlich. Sie kann sich auch umkehren, so dass Salzwasser vom Meer in den See strömt, was dessen Zufrieren verhindert. Normalerweise werden Eisberge aus dem See ins Meer gespült und teilweise am schwarzen Basaltstrand abgelagert, sodass dieser Diamantstrand genannt wird. Das zeige ich morgen extra

Der Gletschersee diente bereits als Schauplatz für James-Bond-Filme. Wir haben den See auf Booten genossen. Aber auch von Wanderwegen aus zeigt er seine Pracht. Wo ihr auch seid entdeckt die Pracht des heutigen Tages

19.1.

Bei allen drei Islandreisen (8/2009, 9/2015 und 9/2018) konnten wir Wale beobachten.  Der September hat bereits dunkle Nächte, so dass schwache Nordlichter zu sehen war. Mein Video heute kombiniert Walgesänge mit Nordlicht in seiner natürlichen Bewegung.  Mein Appell heute: So wie Buckelwale nicht gejagt werden dürfen, hat die Natur ein Recht auf Bewahrung.

18.1.

Mit einem Filmausschnitt der Deutschen Welle von 2013 führe ich euch in das Konzerthaus Harpa in Reykjavik….Wo immer ihr jetzt guckt, entspannt euch wie die Mädels auf einem der Fotos in der Harpa und achtet darauf, wie hoffnungsvoll der Name erklärt wird: „Harpa heißt Harfe. Es ist aber auch der Name des Frühlingsmonats. Der Winter ist überstanden…“ Dazu einige Takte aus Beethovens Neunter: Freude, schöner Götterfunken…

17.1.

Mit einem Gedicht von Stepan Stephansson beginnt eine 13-teilige Islandserie in den täglichen Videos:

 „Aus einer Rede am Festtag der Isländer“

So weit um die Welt du auch wanderst,

selbst wenn jedes Land du durchmisst,

im Herzen und in der Seele

deine Heimat du nie vergisst…

Stephan G. Stephansson * 3. Oktober 1853 in Kirkjuhóll, Island; † 9. August 1927 in Alberta, Kanada) war ein isländischkanadischer Autor und Lyriker. Als Kind wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf und hatte Schwierigkeiten sich die heiß ersehnte höhere Bildung anzueignen. Dies gelang ihm erst später als Autodidakt durch vieles Lesen. Im Jahre 1873 wanderten seine Eltern mit den Kindern nach Amerika aus, zunächst nach Wisconsin, USA. Als Erwachsener zog er, der seinen Lebensunterhalt in Amerika als Bauer verdiente, 1889 um in die Provinz Alberta, Kanada, und kam erst 1917 im Alter von 64 Jahren wieder nach Island. Er schrieb neben seiner Arbeit als Bauer oft noch spät in der Nacht, deshalb trägt auch die Anthologie seiner Werke den isländischen Titel Andvökur (Schlaflose Nächte).

16.1.

Das Gebet der Vereinten Nationen stammt vom US-amerik. Dichter und Pulitzer-Preisträger Stephen Vincent Benét aus dem Jahr 1942. Ich spreche hier den am meisten bekannten zweiten Abschnitt.

Der ganze Wortlaut:

Gott der Freien, wir verpflichten unsere Herzen und Leben heute der Sache der gesamten freien Menschheit.  Gewähre uns Sieg über die Tyrannen, die alle freien Menschen und Nationen versklaven würden. Gewähre uns Glauben und Verständnis um all jene zu ehren, die für Freiheit kämpfen, als wären sie unsere Brüder. Gewähre uns Brüderlichkeit in Hoffnung und Einheit, nicht nur für die Zeit dieses bitteren Krieges, sondern für die kommenden Tage, die alle Kinder der Erde vereinen werden und müssen.

Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen.

Der menschliche Geist ist erwacht und die Seele des Menschen ist ausgezogen. Gib uns die Weisheit und die Vision, die Größe des menschlichen Geistes zu verstehen, der für ein Ziel jenseits seiner eigenen kurzen Spanne so enorm leidet und erträgt. Gib uns Ehre für unsere Toten, die im Glauben gestorben sind, Ehre für unsere Lebenden, die nach dem Glauben streben und für ihn arbeiten, Erlösung und Sicherheit für alle gefangenen Länder und Völker. Schenke uns Geduld mit den Verblendeten und Mitleid mit den Betrogenen. Und gib uns die Fähigkeit und den Mut, die die Welt von Unterdrückung reinigen sollen und der alten Doktrin, dass die Starken die Schwachen essen müssten, weil sie stark sind.

Doch vor allem gewähre uns Brüderlichkeit, nicht nur für den heutigen Tag, sondern für alle unsere Jahre – eine Brüderlichkeit nicht der Worte, sondern der Handlungen und Taten. Wir alle sind Kinder der Erde – gewähre uns dies einfache Wissen. Wenn unsere Brüder unterdrückt werden, dann werden wir unterdrückt. Wenn sie hungern, hungern wir. Wenn ihnen die Freiheit genommen wird, dann ist unsere Freiheit nicht sicher. Gib uns einen gemeinsamen Glauben, dass der Mensch Brot und Frieden kenne – dass er Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Sicherheit, gleiche Möglichkeiten und gleiche Chancen sein Bestes zu tun, nicht nur in unseren Heimatländern, sondern in der ganzen Welt. Und in diesem Glauben lass uns auf die reine Welt zumarschieren, die unsere Hände erschaffen können. Amen.

Fr, 15.1.

Mit Fotos vom Berg RIGI

Matthias Claudius

Der Winter ist ein rechter Mann,
kernfest und auf die Dauer;
sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er’s;
er krankt und kränkelt nimmer,
weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs
und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an,
und lässt’s vorher nicht wärmen;
und spottet über Fluss im Zahn
und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
weiß er sich nichts zu machen,
hasst warmen Drang und warmen Klang
und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
wenn’s Holz im Ofen knittert,
und um den Ofen Knecht und Herr
die Hände reibt und zittert,

wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
und Teich’ und Seen krachen:
Das klingt ihm gut, das hasst er nicht,
dann will er sich tot lachen.

Sein Schloss von Eis liegt ganz hinaus
beim Nordpol an dem Strande;
doch hat er auch ein Sommerhaus
im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort, bald hier,
gut’ Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
und seh’n ihn an und frieren.

Do, 14.1.

Wie schafft es Dietrich Bonhoeffer (geboren 1906 in Breslau, ermordet 1945 in Flossenbürg) im Nazi-Gefängnis zu schreiben: FREUDE IST EINFACH DA? Heute dieser sehr Mut machende Brief an seine Verlobte Maria von Wedemeyer

Mi, 13.1.

Die Texte zum Jahresbeginn wollen Gelassenheit, aber auch Hoffnung und Freude stärken. Heute Hannelore Frank

 

Di, 12.1.

Mit Peter Roseggers Neujahrswünschen endet die Reihe der Gedichte zum Neuen Jahr, das am Schluss nochmal mit feierlichem Ulmer Münsterläuten gegrüßt wird

Ein bisschen mehr Friede
und weniger Streit,
ein bisschen mehr Güte
und weniger Neid,
ein bisschen mehr Liebe
und weniger Hass,
ein bisschen mehr Wahrheit,
das wär doch schon was.

Statt soviel Hast
ein bisschen mehr Ruh’.
Statt immer nur ich
ein bisschen mehr Du!
Statt Angst und Hemmung
ein bisschen mehr Mut
und Kraft zum Handeln,
das wäre gut.

In Trübsinn und Dunkel,
mehr Freude und Licht.
Kein quälend Verlangen,
ein froher Verzicht
und viel mehr Blumen
so lange es geht,
nicht erst auf Gräbern,
da blühn sie zu spät!

Peter Rosegger  (1843 – 1918)

Mo, 11.1.

Das alte Jahr vergangen ist,
das neue Jahr beginnt.
Wir danken Gott zu dieser Frist.
Wohl uns, dass wir noch sind!

Wir sehn aufs alte Jahr zurück
und haben neuen Mut:
Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Die Zeit ist immer gut.

Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Wir ziehen froh hinein.
Und: Vorwärts, vorwärts, nie zurück!
soll unsre Losung sein.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(1798-1874)

So, 10.1.

Erich Kästner

Der Januar

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren. Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,                                                                                                   dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

Sa, 9.1.

Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht,
die etwa mögen kommen;
der Augenblick ist mein,
und nehm ich den in acht,
so ist der mein, der Jahr
und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius  (1616 – 1664)

Fr, 8.1.

Karl Friedrich Gerok, (* 1815 in Vaihingen an der Enz; † 1890 in Stuttgart) war Oberhofprediger in Stuttgart und Lyriker. Seine Gedichte sind oft gereimte Gebete oder Predigten.

Zum neuen Jahr
 

Zum neuen Jahr den gleichen Vater,

des starker Arm die Welten hält;

er hat sein Volk seit grauen Tagen

auf Adlersflügeln treu getragen,

ihm sei die Zukunft heimgestellt;

zum neuen Jahr den gleichen Vater,

des starker Arm die Welten hält!

 

Zum neuen Jahr die alten Sorgen,

noch sind wir nicht im Jubeljahr;

noch wallen wir auf Pilgerwegen

Berg auf und ab in Sonn‘ und Regen,

noch gibt’s zu kämpfen immerdar;

zum neuen Jahr die alten Sorgen,

noch sind wir nicht im Jubeljahr!

 

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen,

die Erde wird noch immer grün;

auch dieser März bringt Lerchenlieder,

auch dieser Mai bringt Rosen wieder,

auch dieses Jahr lässt Freuden blühn;

zum neuen Jahr ein neues Hoffen,

die Erde wird noch immer grün!

 

Zum neuen Jahr ein neues Herze,

ein frisches Blatt im Lebensbuch!

Die alte Schuld sei ausgestrichen,

der alte Zwist sei ausgeglichen,

und ausgetilgt der alte Fluch;

zum neuen Jahr ein neues Herze,

ein frisches Blatt im Lebensbuch!

Do, 7.1.21

Wilhelm Busch

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Mi, 6.1.21

Die Geschichte des Tages ist die der Weisen aus dem Morgenland. Obwohl ich selbst der Astrologie, der Sterndeutung gegenüber sehr skeptisch bin, gefällt mir Matthäus 2: Wer weiß, ob das Volk, aus dem sie kommen, nicht mit Israel verfeindet war. Als gute Diplomaten kommen sie gratulieren zur Geburt des Thronfolgers. So lasst uns die Geschichte als Ansporn zum Frieden unter den Religionen und zum Völkerfrieden hören.

Tragisch ist, dass der Wink, auf einem anderen Weg heimzureisen mit dem Befehl des Kindermords in Bethlehem endet.

Trotzdem gilt: Aus allem Bösen kann Gutes entstehen.

Zu den Fotos:

Das Gottbüchlein war das Religionsbuch in der Grundschule (1955 – 1959). Antiquarisch konnte ich ein Exemplar erwerben.

Albrecht Dürer hat eine Bilderfolge zu den Freuden und Schmerzen Marias gemalt. Im Wippinger Altar (Ortsteil von Blaustein bei Ulm) hat ein Altar Dürers Anbetung der Könige als Vorlage. Als ich dort Pfarrer war (2001 bis 2008) haben wir immer am 6. Januar die Geschichte nachgespielt. Danke, liebe + Hilde Glöckner für das Nähen der Kleider.

Marta Hinckeldey-Wittke, Rothenburg ob der Tauber, war eine begnadete Schöpferin von Krippenfiguren und eine großartige Bildhauerin, in deren Formensprache sich die bestmögliche Entfaltung und Würdigung eines jeden Menschen ausdrückt.

Pfarrer in Augsburg durfte ich 1976 bis 1982 sein. Die Goldschmiedekapelle bei St. Anna zeigt wunderbar erhaltene gotische Fresken Di, 5.1.21

5.1.21

Friedrich Rückert (1788-1866)

LICHT

Nun ist das Licht im Steigen,
Es geht ins neue Jahr.
Lass deinen Mut nicht neigen,
Es bleibt nicht, wie es war.
So schwer zu sein, ist eigen
Im Anfang immerdar,
Am Ende wird sich’s zeigen,
Wozu das Ganze war.
Nicht zage gleich dem Feigen
Und klag‘ in der Gefahr!
Schwing auf zum Sonnenreigen
Dich schweigend wie der Aar!
Und wenn du kannst nicht schweigen,
So klage schön und klar!

Schön klagen, geht das?

Rückert musste und konnte es. Als der fünfjährige Ernst und die dreijährige Luise kurz nacheinander gestorben waren, schrieb er die Kindertotenlieder.

Du bist ein Schatten am Tage

Und in der Nacht ein Licht.

Du lebst in meiner Klage

Und stirbst im Herzen nicht…

Mo, 4.1.21

Johann Peter Hebel

Neujahrslied

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste         (gemeint sind Westwinde),
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.

Und wo eine Träne fällt,
blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch eh wir´s bitten,
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.

War’s nicht so im alten Jahr?
Wird’s im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder,
und kein Wunsch wird’s wenden.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage.

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

So, 3.1.21

Clara und Greta sagen sich gegenseitig die Neujahrswünsche von Theodor Fontane an seine Schwester

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,

Sei immer dabei
Im April und Mai,

Kreische vor Lust
Juni, Juli und August,

Habe Verehrer, Freunde und Lober
Im September und Oktober,

Und bleibe meine gute Schwester
November, Dezember, bis nächstes Silvester.

 Dann der Ernst: Was wir Jungs euch Mädels und uns von euch wünschen, nach Theodor Fontane

Habt ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Seid immer dabei
In April und Mai,
Kreischt vor Lust
Juni, Juli und August,
Habt Verehrer, Freunde und Lober
Im September und Oktober,
Und bleibt unsre gute Schwester
November, Dezember, bis nächstes Silvester.

Sa,  2.1.21

Clara und Greta wünschen:

Es schenke euch der Januar
und ebenso der Februar
und auch der Frühlingsbote März
Gesundheit und ein frohes Herz!

Dann führen Euch April und Mai
die schönste Frühlingszeit herbei.
Im Juni, Juli und August
erfreuet Euch an Sommerlust.

September und Oktoberzeit
vergehe Euch in Freudigkeit.

November lasse sich ertragen,

dann wolln wir im Dezember sagen
als Lob und Preis des ganzen Jahres:
Gottlob, recht schön und glücklich war es!

1.1.2021

Am Grab von Eduard Mörike auf dem Pragfriedhof in Stuttgart sein Gedicht „Zum Neuen Jahr“

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!

In Ihm sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!