Die bisherigen Videos vom Februar 2021

24.2.

∼ Er ist’s

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 – 1875)

  1. 2

Mit Fotos von herrlichen Bäumen im Pfuhler Ried, aufgenommen am 21. Februar 2021. Mit dem Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Drabenderhöhe (Ortschaft der Stadt Wiehl im Oberbergischen Kreis im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen).

Melodien zu folgenden Texten:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

(Bekannt ist die Melodie auch unter: Lob Gott getrost mit Singen…)

1) Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein.

Ref.: Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand…

3) Hab‘ unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich‘ Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt: du bist schon tot…

 

22.2.

Römer 12,12 und Kontext (hier im Begleittext ausführlicher als im gesprochenen Text)

10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. 12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. 14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und verflucht sie nicht. 15 Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. 16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug. 17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden

21.2.

Trotz der Vertreibung aus dem Paradies gilt die Aufgabe: Bebauen und bewahren!

  1. Mose/ Genesis 3, 1-19

nach der Übersetzung der Basis-Bibel von 2021

Die Verbannung aus dem Paradies

31Die Schlange war schlauer als alle anderen Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: »Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?«2Die Frau erwiderte der Schlange: »Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen.3Nur die Früchte von dem Baum, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott uns verboten. Er hat gesagt: › Esst nicht davon, berührt sie nicht einmal, sonst müsst ihr sterben!‹«4Die Schlange entgegnete der Frau: »Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben.5Denn Gott weiß: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf. Ihr werdet wie Gott sein und wissen, was Gut und Böse ist.«6Da sah die Frau, dass dieser Baum zum Essen einlud. Er war eine Augenweide und verlockend, weil er Klugheit versprach. Sie nahm eine Frucht und biss hinein. Dann gab sie ihrem Mann davon, und auch er aß.7Da gingen den beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie banden Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.

8Als am Abend ein kühler Wind blies, ging Gott der Herr im Garten umher. Der Mann und seine Frau hörten ihn kommen. Da versteckten sie sich vor Gott dem Herrn zwischen den Bäumen im Garten.9Gott der Herr rief den Menschen und fragte: »Wo bist du?«10Der Mensch antwortete:» Ich habe dich im Garten gehört und Angst bekommen. Ich habe mich versteckt, weil ich nackt bin.«11Gott fragte: »Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?«12Der Mensch entgegnete: »Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast, hat mir davon gegeben, und ich habe gegessen.«13Da fragte Gott der Herr die Frau: »Was hast du getan?« Die Frau erwiderte: »Die Schlange hat mich dazu verführt, und ich habe gegessen.«

14Da sagte Gott der Herr zur Schlange: »Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein –    unter allem Vieh und allen Tieren auf dem Feld! Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.15Ich stifte Feindschaft zwischen dir und der Frau, zwischen ihrem und deinem Nachwuchs. Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse beißen.«

16Zur Frau sagte er: »Jedes Mal, wenn du schwanger bist, wirst du große Mühen haben. Unter Schmerzen wirst du Kinder zur Welt bringen. Es wird dich zu deinem Mann hinziehen, aber er wird über dich bestimmen.«17Und zum Mann sagte er: »Du hast auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen. Ich hatte dir aber verboten, davon zu essen. Daher soll der Erdboden deinetwegen verflucht sein! Dein Leben lang musst du dich abmühen, um dich von ihm zu ernähren.18Dornen und Disteln wird er hervorbringen, du musst aber von den Pflanzen des Feldes leben.19Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst. Denn aus ihm bist du gemacht: Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.«

Trotz der Vertreibung aus dem Paradies gilt die Aufgabe an die Menschen aus 2. Mose 2,15:

Gott der Herr nahm den Menschen und brachte ihn in den Garten Eden. Er sollte ihn bearbeiten und bewahren.

20.2.

Weggefährtin, so hat Theodor Heuss seine Frau genannt, und er schrieb ihr zum 70. Geburtstag das Gedicht FÜR ELLY.

Gefunden und vorgetragen von Ilse  Schreiber

Wie im Nehmen, so im Geben
galt das schöne Gleichgewicht
als Gesetz für unser Leben:
Einer war des andern Licht.

Gleiches Schreiten durch die Jahre,
schwärmend einst und heute stet,
Wirbelwind durch blonde Haare,
weicher Hauch durch weiße geht.

Frohe Stunden, stille Trauer,
festes Herz im Überschwang
und der Ewigkeiten Schauer
wehn durch dieses Lebens Gang.

Also lass uns weiter wandern,
jeder Wandertag ein Dank,
da vom Lebenskelch des andern
jeder neues Leben trank.

19.2.

Fred Endrikat  (* 7. Juni 1890 in Nakel an der Netze, heutiges Polen; † 12. August 1942 in München)

Früher Frühling

Zwischen Februar und März
liegt die große Zeitenwende,
und, man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht’s zu Ende.
Schon beim ersten Sonnenschimmer
steigt der Lenz ins Wartezimmer.
Keiner weiß, wie es geschah,
und auf einmal ist der da.

Manche Knospe wird verschneit
zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit,
nur Geduld, es wird schon werden.
Folgt auch noch ein rauer Schauer,
lacht der Himmel um so blauer.
Leichter schlägt das Menschenherz
zwischen Februar und März.

18.2.

Aus dem Gleichnis vom reichen Kornbauern bei Lukas im 12. Kapitel zieht Peter Plock aus Ansbach die „Schlussbilanz“

16Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Land hatte gut getragen. 17Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. 18Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter 19und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! 20Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast? 21So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

17.2.

Mit dem Aschekreuz in den Aschermittwoch und in die Passionszeit. Dabei erinnern wir uns an das Leiden Christi und vergessen nicht das Mitgefühl mit den Leidenden der Gegenwart.

Friedrich Rückert (1788-1866)

Weil ich nicht am Fastnachtdienstag
Hatte mit zu schwärmen,
Hab‘ ich auch am Aschermittwoch
Mich nicht mit zu härmen.

Wie ich durft am Fastnachtdienstag
Mich im Stillen härmen,
Darf ich auch am Aschermittwoch
In der Stille schwärmen.

16.2.

Von Eugen Roth bekannte Zeilen

Will ich euch heute kommentieren,

zeig mir und euch den Narren-Spiegel.

Die Weisheiten ersparen Prügel

und schmerzhafte Gewissensbisse,

sowie das Schluchzen nachts im Kissen.

 

  1. Lichtblick

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt.

Doch oft hat sich herausgestellt

Nach manchem trüb verbrachten Jahr

Dass dies der einzge Lichtblick war.

 

Jeden, der so im Schatten steht,

Nehmen wir rein ins Nachtgebet.

Denn jeder Mensch hat auch ein Licht

Von seinem Herrgott. Wisst ihrs nicht?

Wer niemals sieht die Sonne nicht

Soll andre anstrahln und hat Licht.

 

  1. Das Schnitzel
    Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
    Bemerkte, dass ihm das missriet.
    Jedoch, da er es selbst gebraten,
    Tut er, als wär es ihm geraten,
    Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
    Isst ers mit herzlichem Vergnügen.

Wie der barmherzig zu sich ist,

sein schwarzes Schnitzel selber isst,

seid nachsichtig im Haus zu allen,

deren Kochkunst nicht gefallen!

 

  1. Ein Ausweg
    Ein Mensch, der spürt, wenn auch verschwommen,
    Er müsste sich, genau genommen,
    Im Grunde seines Herzens schämen,
    Zieht vor, es nicht genau zu nehmen.

80%ige Zufriedenheit

Soll gnug sein in der meisten Zeit.

Sich und andern nachsehn und verzeihn

hilft, locker und gelassen sein.

 

Wo wir hundert Prozent erwarten,

erflehen wir des Himmels extra Gnaden:

Beim Arzt in Praxis und OP,

beim Ingenieur im AKW,

bei Papas ehelicher Treue,

iIm Beichtstuhl bei der Herzensreue.

 

  1. Unter Aufsicht
    Ein Mensch, der recht sich überlegt,
    Dass Gott ihn anschaut unentwegt,
    Fühlt mit der Zeit in Herz und Magen
    Ein ausgesprochnes Unbehagen
    Und bittet schließlich Ihn voll Grauen,
    Nur fünf Minuten wegzuschauen.
    Er wolle unbewacht, allein
    Inzwischen brav und artig sein.
    Doch Gott, davon nicht überzeugt,
    Ihn ewig unbeirrt beäugt.

Ich finde das gar nicht so schlimm:

Immer mehr vertrau ich ihm,

ders Leben kennt und dich versteht,

der seit der Zeugung mit uns geht.

Big Brother ist ein feiner Herr,

nimmt auf, trägt mit, was uns zu schwer.

 

  1. Voreilig
    Ein Mensch in seinem ersten Zorn
    Wirft leicht die Flinte in das Korn
    Und wenn ihm dann der Zorn verfliegt,
    Sucht Flinte, wo im Korne liegt.
    Der Mensch bedarf dann mancher Finte,
    Zu kriegen eine neue Flinte.

Die Moral von der Geschicht:

Werf in das Korn die Flinte nicht

 

15.2.

 

Die Büttenrede bei den Oberelchinger Greana Krapfn von 2011 gekürzt gesprochen im Neu-Ulmer Winter; hier der ursprüngliche Text:

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
verehrte Ökumeneglieder,
wer mit der Kirche nichts am Hut
ist auch willkommen und ist gut:

Weil den Kirchgang sonntäglich,
aus Gründen mannigfaltiglich,
viele für ganz unmöglich halten,
wird hier der Spiegel vorgehalten –
(geht mit großem Spiegel durch die Reihen).
Den „Dekalog“ nehm ich zur Hand
Als „Zehn Gebote“ wohlbekannt.
Von hinten fang ich heute an
Mit 10 der Anfang ist getan

10. Begehre nicht des Nächsten Weib,
nicht in Gedanken ihren Leib,
gönn deinem Nachbarn auch sein Glück,
sein’ Job, sein Geld, sein bestes Stück.
Treib keinen Schwindel, fühl mit ihm,
zusammen freuen, das macht Sinn

9. Die Nummer neun rufts ähnlich aus:
Begehr dem Nächsten nicht sein Haus.

8. Nicht nur den Lehrern sag ich ins Gesicht:
Falsch Zeugnis geben will Gott nicht.
Das Wort, dein Urteil, das sei wahr,
dein nein ein nein, dein ja ein ja.

7. Nicht stehlen heißt das siebt Gebot,
sonst bringst du andere in Not.
Wer stiehlt, beraubt sich eigner Ehr.
schadet sich selber umso mehr.

6. Die Nummer sechs kann man nicht übergehn,
sie hat mit Sex zu tun: fremdgehn
und Ehebruch ist nicht erlaubt.
Wer ja gesagt, der denke dran:
Das gilt das ganze Leben lang,
auch wenn das Schmetterlingsgefühl
sich nicht mehr leicht einstellen will.
Bedenk: z’viel fernsehn und das Internet
sind der Tod im Ehebett.

Seid kreativ, ihr Ehepaare,
wenn euer Bund kommt in die Jahre,
schafft euch ein freies Wochenende
zu zweit, fern eurer eigenen Wände.
Entdeckt die alte Liebe neu
im Wellnesspool oder im Heu.

5. Du sollst nicht töten, das weiß jeder.
Das fünft Gebot, gilt nicht für’n Jäger,
der zur Ernährung der Familie
den Hirsch erlegt in Waldesstille.
Doch wer den Bruder mit Gerüchten kränkt,
Übles redet oder denkt,
sagt in der Bergpredigt der Herr
schon das Gebot erfüllt nicht mehr

4. Den Vater und die Mutter ehre,
damit, so lang dein Leben währe,
du mit ruhigem Gewissen
legst dich auf dein Ruhekissen.

3. Die freie Zeit des Sonntags nutz
für Gott, die Lieben und das Ruhn,
ausschlafen und mal wenig tun,
kein Shopping und kein Autoputz!

2. Den Namen Gottes nicht missbrauch
durch fluchen, zaubern, schwören auch.
Im Beten, Danken, da sei er
der höchste Nam, und Gottes Ehr
steh über aller Menschen Ruhm.
Lob sei ihm in seim Heiligtum!

1. Kein andrer Gott, kein andrer Herr
verdiene deiner Seele Ehr.
Vertrau in allen Dingen ihm,
fürcht’ und – wo möglich –  liebe ihn!

Gott gebe euch manch gutes Jahr,
zur Lieb, zur Güt, zur Reue gar,
ein Wiedersehn im Gotteshaus,
nicht erst, wenns geht zum Friedhof naus.
Und auch in aller Fröhlichkeit,
wie hier oder in Festlichkeit,
wenn wieder ein Jahr ist vorbei
Adieu, Helau*, des Herren Friede mit euch sei.

14.2.

Faschingspredigt von Pfarrer Rainer Maria Schießler, St. Maximilian, München

 

13.2.

Erich Kästner
Der Februar
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verlässt den Saal.Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.

 

 

12.2.

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab‘ nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst seien Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seine Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

 

11.2.

DER PFLAUMENBAUM

Im Hofe steht ein Pflaumenbaum,
Der ist so klein, man glaubt es kaum.
Er hat ein Gitter drum,
So tritt ihn keiner um.

Der Kleine kann nicht größer wer’n,
Ja – größer wer’n, das möcht‘ er gern!
’s ist keine Red davon:
Er hat zu wenig Sonn‘.

Dem Pflaumenbaum, man glaubt ihm kaum,
Weil er nie eine Pflaume hat.
Doch er ist ein Pflaumenbaum:
Man kennt es an dem Blatt.

Bert Brecht

Vergangenen Sonntag hatte ich ein schönes 30min-Grüne-Momente-Gespräch mit unserer wunderbaren Abgeordneten Ekin Deligoez auf Instagram. Dort haben wir das Gedicht am Schluss abwechselnd gesprochen:

https://www.instagram.com/tv/CK_Od_bqsTl/?igshid=1bh6tcr9xvq94

 

10.2.

Ännchen von Tharau ist der Titel eines volkstümlichen Lieds von Simon Dach. Es stammt aus Ostpreußen des 17. Jahrhunderts und besingt in 17 Zweizeilern Anna (Anke) Neander, die Tochter des Tharauer Pfarrers.

Anna Neander (* 1615 in Tharau im heutigen russischen Kaliningrad (Ostpreußen); † 28. September 1689 in Insterburg; Kaliningrad) wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf. Ihr Vater war Martin Neander. Sie verlor 1629 während des Dreißigjährigen Krieges sowohl Mutter als auch Vater und verbrachte ihre weitere Jugend bei ihrem Onkel und Paten Stolzenberg in Königsberg.

Anna heiratete 1636 (oder schon früher) den Pfarrer Johannes Portatius, der zunächst eine Pfarrstelle in Trempen (heute russisch: Nowostrojewo) im Landkreis Darkehmen bezog. Im Jahre 1641 wechselte er an die Kirche in Laukischken (Saranskoje) im Landkreis Labiau, wo sie etwa 35 Jahre lang lebte. Ihr Mann starb 1646.

Nach seinem Tod heiratete sie den Pfarrer Christoph Grube, dessen Nachfolger im Amt. Dieser starb bereits nach sechs Ehejahren und Anna heiratete den nächsten Amtsnachfolger, Pastor Johann Melchior Beilstein. Heiraten dieser Art entsprachen der seinerzeit üblichen Pfarrwitwenversorgung.

Nachdem Ännchen auch ihren dritten Mann überlebt hatte, zog sie 1676 zu ihrem ältesten Sohn Friedrich Portatius, der Pfarrer an der Lutherkirche war, nach Insterburg. Hier starb sie und wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. Heute erinnert ein Gedenkstein in einem Insterburger Park mit der Inschrift „Ännchen v. Tharau zum Gedenken“ in deutscher Sprache an sie.

Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt.
Sie ist mein Reichtum, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

Käm alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
wir sind gesinnt, beieinander zu stahn.
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
soll unsrer Liebe Verknotigung sein.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
je mehr ihn Hagel und Regen anficht,
so wird die Lieb in uns mächtig und groß
durch Kreuz, durch Leiden, durch mancherlei Not.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt,
ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Eisen und Kerker und feindliche Heer.
Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
mein Leben schließ ich um deines herum.

Hier noch einige Strophen, die nicht ins Volkslied eingegangen sind:

Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht Ein Herz ist, Ein Mund, Eine Hand?

Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und Kazen beträgt?

Annchen von Tharau, das woll’n wir nicht thun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.

Was ich begehre, ist lieb dir und gut;
Ich laß den Rock dir, du läßt mir den Hut!

Dies ist uns Annchen die süsseste Ruh,
Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.

Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.

Und noch ein Artikel über Nachkommen des Ännchens:

https://www.moz.de/lokales/fuerstenwalde/verwandt-mit-aennchen-49241038.html

9.2.

Am 24 Januar habe ich mit dem Gedicht „Anfang“ von Ingibjörg Haraldsdóttir aus Island angeregt, einen 12-Zeiler über den eigenen Anfang zu schrieben. Zwei Gedichte sind angekommen und zur Veröffentlichung freigegeben. Meins dazugefügt.

Anfang

Geboren bin ich in einem Kramerladen-Haus

in einem Dorf in Franken

am Stephanstag mit sehr viel Schnee im kalten Winter.

 

Ein gesundes Kind, die Freude groß.

Im Nachbardorf ein schweres Los:

Gefallen jung in Stalingrad.

 

Vater im Krieg, die Mutter allein mit uns Kindern.

Großeltern umsorgten uns gut,

Opapa war einst bei den Papuas.

 

Seine Geschichten durchdrangen mich tief –

die Quelle bis heute nie versiegt!

Ein Glück, trotz Corona, mitten im kalten Winter.

 

Gertrud Ziegler

 

Hoffnungsglück

 

Das Ende des Kriegs, das spürte man,

kam ersehnt, aber blutig heran.

Beklemmend waren Trauer und Not,

Sorge selbst um das tägliche Brot.

 

Der Vater weit weg im Osten im Feld,

kam ich bei den Großeltern zur Welt.

Ein Neugeborenes in dieser Zeit   –

ein Wunder in der Sinnlosigkeit.

 

Der Vater erfährt`s am selben Tage,

ein Lichtblick in verzweifelter Lage,

für Vater und Mutter kehrte zurück

die Hoffnung auf Leben, Zukunft und Glück.

 

Ottfried

 

Wou kummschdn nou du her?*

Komme von Kartoffeläckern,

aus Karpfenweihern in Kiefernwäldern:

Vom Bauernsand im Nürnberger Land.

Den Vater seh ich am Schneidertisch, die Mutter beim Rosenschneiden.

Einmal im Jahr gab ein Schwein sein Leben für uns.

Nachbarn schickten Küchle bei der Konfirmation.

Früh traten die Weisen aus dem Morgenland ins kleine Leben.

Am Kindergeburtstag stimmte Tante „So nimm denn meine Hände“ an.

Es Änschdla** blies das Flügelhorn beim Trauermarsch.

Märzgeboren. Dann ein Leben in wachsenden Ringen.

„Ihr Sohn wird in die 1. Klasse unserer Anstalt aufgenommen“***

War die Eintrittskarte in die weite Welt

 

 *Woher kommst du denn?

**der kleine Ernst

***Brief an den Vater nach der Aufnahmeprüfung für die Oberrealschule Gunzenhausen

 Ernst Burmann

 

8.2.

Joan Baez wird 80

Wir ehren sie mit dem berühmten WE SHALL OVERCOME

Joan Baez [dʒəʊn ˈbaɪəz] * 9. Januar 1941 in Staten Island, New York City, ist  FolkSängerin und –Gitarristin, Bürgerrechtlerin, Pazifistin und Umweltaktivistin, die  durch ihre großartige Stimme und ihr politisches Engagement gegen den Vietnamkrieg und die Rassentrennung bekannt wurde. Seit den 1960er Jahren gehört sie zu den Ikonen der US-amerikanischen Folk-Bewegung, ihr Auftritt in Woodstock ist ebenso legendär wie die Liebesbeziehung zu Bob Dylan. Als „Stimme und Gewissen ihrer Generation“ veröffentlichte sie über 30 Alben in den sechs Jahrzehnten ihres musikalischen Schaffens.

Wes shall overcome

Pete Seeger sang das Stück am 8. Juni 1963 in der Carnegie Hall. Berühmt wurde der Song im August 1963, als Joan Baez ihn vor 300.000 Zuhörern und Martin Luther King auf dem Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit sang.

We shall overcome, we shall overcome, we shall overcome some day.
Oh, deep in my heart I do believe: We shall overcome some day.

Wir werden überwinden, wir werden überwinden, wir werden irgendwann überwinden. Oh, tief in meinem Herzen glaube ich: wir werden irgendwann überwinden.

Weitere hier gesungenen Strophen:

Wir werden in Frieden leben… Wir haben keine Angst…

7.2.

1 Ein Lied der Korachiter, vorzusingen, nach der Weise »Junge Frauen«.

2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,

4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen.

7 Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.

8 Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

 

6.2.
Christian Morgenstern

Die drei Spatzen

Nach einem Lachanfall deutsch und georgisch vorgetragen von Nia Pfaff

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.
Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und oben drüber, da schneit es, hu!
Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

5.2.

Goethes ERLKÖNIG

vorgetragen von Ilse Schreiber

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

4.2.

 

Christian Morgenstern

Die Korfsche Uhr

vorgetragen von Ilse Schreiber

Korf erfindet eine Uhr,
die mit zwei Paar Zeigern kreist
und damit nach vorn nicht nur,
sondern auch nach rückwärts weist.

Zeigt sie zwei, somit auch zehn;
zeigt sie drei, somit auch neun;
und man braucht nur hinzusehn,
um die Zeit nicht mehr zu scheun.

Denn auf dieser Uhr von Korfen,
mit dem janushaften Lauf,
(dazu ward sie so entworfen):
hebt die Zeit sich selber auf.

Palmströms Uhr

Palmströms Uhr ist andrer Art,
reagiert mimosisch zart.

Wer sie bittet, wird empfangen.
Oft schon ist sie so gegangen,

wie man herzlich sie gebeten,
ist zurück – und vorgetreten,

eine Stunde, zwei, drei Stunden,
je nachdem sie mitempfunden.

Selbst als Uhr, mit ihren Zeiten,
will sie nicht Prinzipien reiten:

Zwar ein Werk, wie allerwärts,
doch zugleich ein Werk – mit Herz.

3.2.

Christian Morgenstern

Der Mond

vorgetragen von Ilse Schreiber

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z –                                                                                                                         dass keiner groß zu denken hätt’.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.

 

Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind, und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!

Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:

»Der Werwolf«, – sprach der gute Mann,
»des Weswolfs« – Genitiv sodann,
»dem Wemwolf« – Dativ, wie man’s nennt,
»den Wenwolf« – damit hat’s ein End‘.

Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!

Der Dorfschulmeister aber mußte
gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
Zwar Wölfe gäb’s in großer Schar,
doch „Wer“ gäb’s nur im Singular.

Der Wolf erhob sich tränenblind –
er hatte ja doch Weib und Kind!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

2.2.

Zwei Palmström-Gedichte

Die unmögliche Tatsache

Und: Nach Norden

Von Christian Morgenstern

vorgetragen von Ilse Schreiber

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

„Wie war“ (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
„möglich, wie dies Unglück, ja -:
dass es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht ?“

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
„Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil“, so schließt er messerscharf,
„nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Nach Norden

Palmström ist nervös geworden;
drum schläft er jetzt nach Norden.

Denn nach Osten, Westen, Süden
schlafen, heißt das Herz ermüden.

(Wenn man nämlich in Europen
lebt, nicht südlich in den Tropen.)

Solches steht bei den Gelehrten,
die auch Dickens schon bekehrten –

und erklärt sich aus dem steten
Magnetismus des Planeten.

Palmström also heilt sich örtlich,
nimmt sein Bett und stellt es nördlich.

Und im Traum, in einigen Fällen,
hört er den Polarfuchs bellen.

Als er dies v. Korf erzählt,
fühlt sich dieser leicht gequält;

denn für ihn ist Selbstverstehung,
dass man mit der Erdumdrehung

schlafen müsse, mit den Pfosten
seines Körpers strikt nach Osten.

Und so scherzt er
kaustisch-köstlich:

„Nein, mein Diwan
bleibt – west-östlich!“

1.2.

Christian Morgenstern

Vice versa

vorgetragen von Ilse Schreiber

Ein Hase sitzt auf einer Wiese,
des Glaubens, niemand sähe diese.

Doch, im Besitze eines Zeißes,
betrachtet voll gehaltnen Fleißes

vom vis-à-vis gelegnen Berg
ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.

Ihn aber blickt hinwiederum
ein Gott von fern an, mild und stumm.